Kleine Gewinner mit grossen Ideen

Kleine Gewinner mit grossen Ideen

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Teaserbild-Quelle: Ben Huggler
Im Verkehrshaus Luzern wurden die Gewinner des Kinderwettbewerbs «Mein Minergie-Traumhaus» prämiert. Die Resonanz auf den Wettbewerb war gross: Mehr als 1000 Zeichnungen und Modelle waren eingetroffen. Zur Prämierung war Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer Wyss eingeladen, die die Preise übergab.
 
Wie stellen sich Kinder ihr Minergie-Traumhaus vor? Wie würden sie Energie und Ressourcen schonen? Und was gibt es noch zu erfinden? Um das herauszufinden, haben im letzten Jahr der Online-Ratgeber «hausinfo», der Hauseigentümerverband Schweiz und der Verein Minergie den Kinderwettbewerb «Mein Minergie-Traumhaus» lanciert, zu dem Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 16 Modelle und Zeichnungen ihres Minergie-Traumhauses einreichen konnten. Das Resultat dieses Aufrufes erstaunte die Initianten nicht schlecht: Nicht nur, dass der Wettbewerb auf grosses Interesse stiess – mehr als 1000 Zeichnungen und Modelle trafen ein –, die eingereichten Arbeiten wiesen zudem eine hohe Qualität auf. «Gerade die älteren Teilnehmer schienen mit dem Thema Energieeffizienz durchaus vertraut zu sein», sagt Minergie-Geschäftsführer Franz Beyeler. So hätten zahlreiche Häuser Photovoltaik-Anlagen und Windräder aufgewiesen. In der Nähe der Häuser fand sich ausserdem oft ein Fluss, dessen Wasserkraft sich die Kinder für die Stromherstellung zunutze gemacht hatten. Einige der Vorschläge gingen sogar soweit, dass die Mondenergie als Ergänzung zur Sonnenenergie genannt wurde oder die Energie, die beim Sport freigesetzt wird, in Strom umgewandelt werden konnte.
 

Doppelte Gewinnerin

Ende April war es dann soweit: Im Verkehrshaus Luzern wurden die Gewinner von Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer Wyss bekannt gegeben und prämiert: «Die Kinder haben mit ihren Werken gezeigt, dass sie sehr spannende Ideen haben, wie man clevere Häuser bauen könnte: Häuser, die die Umwelt möglichst wenig belasten und einem gleichzeitig Lust machen, darin zu wohnen. Eigentlich ist ja genau diese Kombination eine der grossen Herausforderungen für alle Baufachleute.»
 
Bei den Modellen wurden insgesamt drei Plätze von der dreiköpfigen Jury vergeben. Ein weiterer Gewinner konnte vom Publikum online bestimmt werden. Bei den Zeichnungen resultierte aus den Kategorien A, B und C je ein Gewinner, der von der Jury bestimmt wurde und drei weitere, die online gewählt werden konnten. Die grosse Abräumerin unter den Prämierten war die zwölfjährige Tabea Wolf, die mit ihrer Zeichnung in der Kategorie B sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis einheimste. Für das schüchtern wirkende Mädchen eine grosse Überraschung, mit der es nicht gerechnet hatte. Ihre Begeisterung konnte sie denn auch gar nicht ausdrücken, dafür sprachen ihre strahlenden Augen mehr als tausend Worte. Die Zeichnung gefiel der Jury vor allem deshalb, weil sie die völlige wirtschaftliche Unabhängigkeit verkörperte. Unter anderem, weil für die Post die Brieftaube zuständig ist, weil die Nahrung vor Ort produziert wird und weil man fürs Baden Regenwasser benutzt. Die Energie speisen die Bewohner aus einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und aus Wind- und Wasserkraft.
 
Für die dreiköpfige Jury, bestehend aus dem Cartoonist Pfuschi (Heinz Pfister), dem Bildhauer Urs Twellmann und dem Kunstmaler Hansruedi Wüthrich stellte das Bestimmen der Gewinner eine grosse Herausforderung dar. «Schliesslich wurden viele tolle Sachen eingereicht», sagte Pfuschi. Besonders angetan sei die Jury von der Kreativität und Fantasie der jungen Künstler sowie der Komplexität ihrer Werke gewesen. «Die Kinder haben sich etwas überlegt und uns Bedienungsanleitungen zu ihrem Werk mitgeliefert, damit wir verstehen, wie das Haus funktioniert», erzählte Minergie-Geschäftsführer Beyeler. Einige der Arbeiten seien dermassen professionell gewesen, dass die Jury den Verdacht hegte, dass die Eltern ein bisschen nachgeholfen hätten. «Das ist jedoch nicht weiter schlimm. Es wurden ja auch Projekte von Schulklassen eingereicht. Bei den Modellen hat denn auch ein Projekt gewonnen, an dem mehrere Kinder beteiligt waren», sagte Minergie-Geschäftsführer Beyeler dazu.
 
Wie Pfuschi erklärt, hätte die Jury am liebsten alle Arbeiten prämiert. «Doch am Ende konnten halt nicht alle gewinnen – auch wenn sie es verdient hätten.» Um möglichst vielen Kindern trotzdem eine Freude machen zu können, wurden aus den über 1000 Zeichnungen und Modellen je zehn Nominierte ausgewählt, aus denen dann die endgültigen Gewinner hervorgingen. Die Nominierten erhielten als Trostpreis eine Urkunde. Florencia Figueroa
 
Nachgefragt bei Pascale Bruderer Wyss
Als Nationalratspräsidentin ist man sehr beschäftigt. Was hat Sie dazu bewogen, hierher zu kommen?
Pascale Bruderer Wyss: Mich hat die Anfrage, den Kindern die Preise des Minergie-Traumhaus-Wettbewerbs zu überreichen, sehr gefreut. Ich habe spontan zugesagt, weil mir der Brückenbau zwischen den Generationen als Nationalratspräsidentin besonders am Herzen liegt – genauso wie das umfassende Thema Nachhaltigkeit.
 
Was hat Sie speziell beeindruckt?
Die Kinder haben nicht nur künstlerisches Talent bewiesen. Sie haben mit ihren Werken auch gezeigt, dass sie superspannende Ideen haben, wie man clevere Häuser bauen könnte: Häuser, die die Umwelt möglichst wenig belasten und in denen man sich gleichzeitig richtig wohlfühlt. Damit haben sie mitten ins Schwarze getroffen, denn genau diese Kombination ist ja eine der grossen Herausforderungen im Bereich Energieeffizienz.
 
Wie wichtig ist Ihnen Ökologie?
Das Thema Ökologie hat eine sehr grosse Bedeutung, auch in den parlamentarischen Diskussionen. Persönlich halte ich es für absolut notwendig, dass wir sowohl in erneuerbare Energien als auch in Energieeffizienz kräftig investieren. Einerseits, weil es mit den verfügbaren natürlichen Ressourcen vernünftig umzugehen gilt. Andererseits, weil darin auch ein enormes volkswirtschaftliches und gesellschaftliches Potenzial für Innovation, Arbeitsplätze und Weiterentwicklung steckt.
 
In der Politik werden ökologische Anliegen oft blockiert. Jetzt, da Sie sehen konnten, wie kreativ Kinder sind, meinen Sie, die Politiker müssten aktiver werden?
Vom Einfallsreichtum der Kinder kann sich die Politik ganz sicher inspirieren lassen und eine Scheibe abschneiden, ja. Hingegen möchte ich doch betonen, dass gerade im Bereich der Gebäudesanierungen vieles deblockiert und in Gang gesetzt werden konnte: So wurde beispielsweise anfangs März entschieden, dass Bund und Kantone Hauseigentümer mit rund 300 Millionen Franken pro Jahr unterstützen, damit Liegenschaften besser isoliert, Wärmepumpen installiert oder Solarkollektoren montiert werden können. (ffi)