Kein Schwarz-Weiss-Denken bei den Belagsspezialisten

Kein Schwarz-Weiss-Denken bei den Belagsspezialisten

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Teaserbild-Quelle: Valentin Rabitsch
Beim jährlich stattfindenden Strassenbau-Seminar der Firma Densokor steht der Erfahrungsaustausch im Vordergrund – nicht nur zwischen Referenten und Teilnehmern, sondern auch zwischen den Teilnehmern selbst.
 
Beton oder Asphalt, weiss oder schwarz? Man kann die Frage des richtigen Strassenbelags durchaus kontrovers und sogar polemisch diskutieren. Man kann aber auch von einer allgemeinen Strassenbauphilosophie zum konkreten Beispiel übergehen und dort pragmatisch den beiden Belagsarten ihre Berechtigung zugestehen. Das hielt auch Hannes Ninck so, der für seine in verschiedenen Städten veranstalteten Strassenbau-Seminare sowohl einen Asphalt- als auch einen Beton-Spezialisten einlud (nebst anderen Referenten). Die beiden Spezialisten brachten mehr als nur eine Powerpoint-Präsentation an die Veranstaltung mit: Spätestens, als sie den Seminarteilnehmern den Plan einer Bushaltestelle in den Hände drückten mit der Aufgabe, darauf das Fugenbild der Betonplatten einzuzeichnen, wähnte man sich zurückversetzt in den Gewerbe- oder Fachhochschulunterricht – mit durchaus positivem, anregendem Effekt. Der gestandene Aus- und Weiterbildungsspezialist Hannes Ninck hat die praxisnahe, gefragte und genutzte Fachtagung dieses Jahr zum zehnten Mal organisiert.
 
Die Teilnehmer wurden an diesem Strassenbau-Seminar immer wieder zum Selbststudium angehalten. Das Konzept überzeugte, denn obwohl man zum Lösen von Aufgaben wiederholt in die «Schulbank» verwiesen oder zu «Gruppenarbeiten» aufgeteilt wurde, war der Anlass eher weniger schulmeisterlich als manche andere Tagungen, an denen Referenten von einem hohen Podium herab ihr Spezialwissen kundtun. Zwar nicht als Programmpunkt vermerkt, war der Erfahrungsaustausch ganz offensichtlich ein angestrebtes Ziel, das – teilweise angekickt durch die gestellten Aufgaben – vollumfänglich erreicht wurde.
 

Erster Betonkreisel steht im Glatttal

Bevor die Aufgaben gelöst wurden, gab es sehr wohl Inputs von Referenten, die nicht nur über Kompetenz und Routine verfügten, sondern auch die nötige Passion für ihr Gebiet mitbrachten, um den Seminartag über weite Strecken ausgesprochen lebendig zu gestalten.
 
Für «Weiss» – also für das Bauen von Betonstrassen, Bushaltestellen und vor allem von Betonkreiseln – war der junge Experte Rolf Werner zuständig. Dass es trotz seines Alters kaum einen grösseren Routinier auf dem Gebiet geben dürfte, hat auch damit zu tun, dass der erste Betonkreisel, der in der Schweiz gebaut wurde, nur gerade sechseinhalb Jahre alt ist: Er wurde 2003 im Zürcher Glatttal erstellt. Dass sich Betonkreisel bewährt haben, steht eigentlich ausser Zweifel, und auch wie sie gebaut werden sollten, ist unterdessen einigermassen bekannt. Wichtig ist, dass Betonplattendicke und Betonplattengrösse korrespondieren, dass also die Längs- und Querfugen richtig angeordnet und die Verdübelungen funktionsgerecht gewählt werden. Wo eine Bewehrung überhaupt erforderlich ist, sollte sie richtig verlegt werden. Auch bei den Abschlüssen und dem Untergrund verfügt Rolf Werner über ein Know-how, das teilweise auf seiner Homepage www.bevbe.ch abrufbar ist. Werner hat auch an «Betonstrassenpraxis», dem von der Holcim herausgegebenen Leitfaden für den Betonstrassenbau, mitgearbeitet.
 

«Der Teufel liegt im Detail»

Im Gegensatz zu Werner kann Hansjörg Byland, der Spezialist für Asphaltbeläge, wirklich als «alter Hase» bezeichnet werden: Er sass in Expertenkommissionen des VSS (Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute) und verfügt über einen grossen Erfahrungshintergrund sowohl in der Rolle des Bauherrn (aus seiner 17-jährigenTätigkeit beim Tiefbauamt des Kantons Aargau) als auch in der Rolle des Unternehmers. Zudem liess er seine Erfahrung und Einschätzungen als Kenner der nationalen und europäischen Normen in das Seminar einfliessen. «Der Teufel liegt im Detail» überschrieb er seinen Workshop und liess in Gruppen über den neuen Belagsaufbau einer Kantonsstrasse diskutieren. Insbesondere über den Einbau der Etappen und die damit verbundene Anordnung der Nähte und Randabschlüsse sollte ein Konzept erstellt werden.
 
Abgerundet wurde die Tagung durch einen Vortrag über Bauschaden-Haftpflicht von der Juristin Nicole Vögeli Galli, sowie die Produkte-Präsentation der Firmen Densokor (Bitumenfugenbänder, Kleber, Sanierungsprodukte) und Sytec (Asphalt-Armierungen). Valentin Rabitsch