Höhen und Neigungen sind passé

Höhen und Neigungen sind passé

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Teaserbild-Quelle: Florencia Figueroa
Das neue Maschinensteuerungssystem AccuGrade 3D GPS von Caterpillar soll das Arbeiten auf der Baustelle grundlegend verändern: Es ermöglicht Maschinisten, alleine eine Baugrube auszuheben. Mit dem System lässt sich nicht nur Zeit sparen, sondern auch Geld, verspricht der Hersteller.
 
Achtung, fertig, los! Ein Motor heult laut auf. Der erste Bagger setzt sich in Bewegung und fängt an zu graben. Die «gegnerische» Baumaschine hingegen rührt sich nicht vom Fleck. Statt mit dem Aushub zu starten, studiert deren Maschinist mit seiner Helferin den Gebäudeplan. Danach markieren die beiden mit Pfählen, Richtschnüren und Spraydosen die Erde, wo der Bau für das Gebäude ausgehoben werden soll. Kaum ist alles abgesteckt, beginnt auch der zweite Bagger zu graben. Derweil ist der erste beinahe fertig und der Wettkampf somit entschieden. Gewonnen hat der Unternehmer und Maschinist Ernst Erny. Kein Wunder, werden die meisten sich jetzt wohl denken. Bei dem Vorsprung, den er von Anfang an hatte. Doch nur vermeintlich verdankt Erny diesem Umstand den Sieg. In Wahrheit hatte er nämlich gar keinen Vorsprung, sondern nur die neue Maschinensteuerung AccuGrade 3D GPS, die das zeitaufwendige Anzeichnen einer Baugrube überflüssig macht und dem Baggerführer erlaubt, direkt mit dem Graben anzufangen. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld, weil keine Helfer mehr benötigt werden. Der Aushub wird zudem genauer, weil der Maschinist nicht mehr auf deren Angaben angewiesen ist.
 
Doch wie funktioniert die Maschinensteuerung AccuGrade 3D GPS? Wie der Name des Produkts bereits verrät, ist das Hauptelement des neuen Systems ein GPS-Gerät. Im Gegensatz zum Rover-Modell muss man das Gerät jedoch nicht ständig mittragen, sondern kann es direkt auf die Baumaschine montieren. Mit Hilfe von Daten weiterer Sensoren, die auf der Baumaschine angebracht sind, wird die genaue Position des Baggers berechnet. Diese werden dem Maschinisten auf dem Display eines Bordcomputers dargestellt, sodass er zu jeder Zeit weiss, wo sich sein Bagger, sprich Schaufel, befindet und wo er zu graben anfangen muss. Wie die Baugrube auszusehen hat und wie tief sie werden muss, kann der Baggerführer ebenfalls auf seinem Display ablesen. Hierfür wurde der Bordcomputer zuvor mit dem 3D-CAD Plan des Aushubs gefüttert. Die Daten hat der Baggerführer von den Planern auf einem handelsüblichen Memory-Chip erhalten. Dank ihnen sieht der Maschinist sein Projekt in allen drei Dimensionen. Jede Fundamentvertiefung wird ihm zudem angezeigt, sodass die Arbeiten höchstens zwei bis fünf Zentimeter vom Original abweichen.
 

Plan besser studieren

Seit sechs Monaten arbeitet der Wettbewerbssieger Erny mit der neuen Maschinensteuerung. «Dank ihr brauche ich mich nicht mehr um Höhen und Neigungen zu kümmern, weil das System das automatisch anzeigt. Ich muss mir lediglich vorher Gedanken zum Plan des Gebäudes machen, um zu wissen, wie die Baugrube werden soll. Das dient vor allem der Kontrolle und Überprüfung. Alles kann die Steuerung ja auch nicht machen», sagt er. Das neue System würde er durchaus weiterempfehlen. Denn durch die Zeitersparnis könne er nun viel mehr Aufträge erledigen, sodass sich die Investition bereits gelohnt habe.
 
Hergestellt und weiterentwickelt werden die AccuGrade Steuerungen seit 2002 in einem Joint Venture von Caterpillar und Trimble Navigation Ltd. In der Schweiz kaufen kann man sie bei der Maschinenhändlerin Avesco. Die Steuerung gibt es als Aufrüstung, die mit jedem x-beliebigen Bagger kompatibel ist, oder als integriertes System in einem Caterpillar-Bagger. Je nach Konfiguration fallen die Preise für die Steuerung sehr unterschiedlich aus, weshalb an dieser Stelle diesbezüglich keine genauen Angaben gemacht werden können. Darüber informieren kann man sich direkt bei Avesco.
 

Ganz vorne mit dabei sein

«Bereits seit vielen Jahren beschäftigt sich Avesco mit AccuGrade-Steuerungen, seit zwei Jahren auch mit GPS-Steuerungen», erzählt Jürg Saner, Verkaufsleiter bei Avesco. «Wie sich gezeigt hat, sind diese in der Schweiz je länger je mehr im Kommen.» Für die Baumaschinenhändlerin sei es deshalb keine Frage gewesen, auf diesen Zug aufzuspringen. Denn: «Wir wollen ganz vorne mit dabei sein.» Das bedeute auch, dass man rund um die neue Technologie zusätzliche Serviceleistungen anbiete. Zu diesen gehörten unter anderem Schulungen, oder dass man die Ersatzteile im Internet nachbestellen kann. «Avesco ist zudem der einzige Anbieter, der integrierte Maschinensteuerungen verkauft», betont Saner.
 
Um Interessierte von der neuen Steuerung vollends zu überzeugen, veranstaltet die Firma Kundentage. Höhepunkt ist jeweils die Gegenüberstellung der beiden Bagger, mit der die letzten Zweifel beseitigt werden sollen. Von der Leistung von Erny mit seinem AccuGrade geleiteten Bagger zeigten sich die Zuschauer denn auch beeindruckt. Einige Skeptiker blieben jedoch. Diese verlangten – wenn auch nur zum Spass –, dass man die Baugrube ausmisst, um zu sehen, wie gross die Abweichungen wirklich sind. Wie sehr sich die Maschinisten zum Schluss überzeugen liessen, wird sich spätestens an den Verkaufszahlen zeigen. Florencia Figueroa
 
 
 
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Nachgefragt bei Ernst Erny, Maschinist

Seit sechs Monaten besitzen Sie die neue Maschinensteuerung AccuGrade 3D GPS. Inwiefern hat sich dadurch Ihre Arbeit verändert?
Ernst Erny: Die Arbeit an und für sich hat sich nicht gross verändert. Nur die Ausführung ist jetzt eine andere. Ich kann neuerdings alleine arbeiten und auch noch sehr viel schneller. Das hat mir die Möglichkeit eröffnet, mehr Aufträge entgegenzunehmen. Kurzum gesagt: Man erbringt mehr Leistung in weniger Zeit.
 
Was für Erfahrungen haben Sie mit dem neuen System gemacht?
Sehr gute. Das Handling ist einfach zu verstehen und ich hab mich schnell daran gewöhnt. Eine Baugrube auf die konventionelle Art auszuheben, erscheint mir jetzt sehr viel umständlicher und mühsamer. Ich würde nicht mehr wechseln wollen.
 
Mussten Sie sich sehr tief reinknien, um das System zu verstehen?
Nein. Meiner Meinung nach ist es einfach. Man kann es mit einem neuen Handy vergleichen. Wenn man imstande ist, ein solches zu verstehen, dann ist die neue Steuerung auch kein Problem.
 
Hat die Steuerung auch Nachteile?
Würde ich so nicht behaupten. Was man aber jetzt verstärkt machen muss, ist das Studieren des Gebäudeplans. Beim konventionellen Aushub hat man ja die Helfer, die die Grabung kontrollieren. Jetzt muss ich die Kontrolle selbst ausführen. Deshalb ist es wichtig, dass ich die Pläne genau kenne.
 
Hat die neue Steuerung Ihrer Meinung nach Potenzial, sich in der Schweiz durchzusetzen?

Ja, auf jeden Fall. Die Vorteile des neuen Systems sind gross. Das wird jeder Maschinist, der mit dem neuen System vertraut ist, sicher auch merken. Voraussetzung ist, dass man dafür offen ist. Diejenigen, die sich neuen Technologien verschliessen, werden sich mit dem neuen System wohl weniger anfreunden können. (ffi)