Hightech im Ferienland

Hightech im Ferienland

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Teaserbild-Quelle: Thomas Staenz
In Flums wurde die modernste Fotovoltaik-Anlage der Schweiz präsentiert. Während die Solarzellen der meisten Anlagen fix installiert sind, verfügt die Installation im Sarganserland über ein zweifach nachgeführtes System. So können die Module zu jeder Tageszeit auf den optimalen Sonnenstand eingestellt werden.
 
 
Die Nutzung von Sonnenenergie ist zwar in aller Munde, wird aber in der Schweiz nicht im gleichen Masse gefördert wie beispielsweise in Deutschland. Dort summierte sich der Anteil Sonnenenergie an der gesamten produzierten Energiemenge im Jahre 2009 bereits auf ein Prozent, während er in der Schweiz rund dreissig mal kleiner ist. Erst vereinzelt sind schwarze Fotovoltaikplatten an und auf unseren Häusern zu sehen, denn die Installationskosten sind beträchtlich und den meisten infrage kommenden Handwerksbetrieben fehlt noch die Erfahrung im Bau solcher Anlagen.
 
Keinen Aufwand gescheut hat Kurt Frei, Direktor der Flumroc AG, um die neuste Technik der Sonnenenergienutzung auf seinem Firmengelände im Sarganserland zu installieren. Das Unternehmen machte schon vor acht Jahren erste Versuche mit der alternativen Energienutzung – eine Anlage mit einer Spitzenleistung von 3 kWp (Kilowatt-Peak). Die neue Installation verfügt im Endausbau über rund 90 kWp, was einem Jahresertrag von rund 135 000 kWh entspricht. Mit dieser Leistung könnte der jährliche Strombedarf von rund dreissig Haushalten gedeckt werden.

Zwei aus dem Dorf

«Ich entdeckte eine Fotovoltaik-Testanlage hinter unserem Firmengelände und deren Hersteller ist ebenfalls in unserer Gemeinde zu Hause», erinnert sich Frei an die Anfänge der Zusammenarbeit der Flumroc mit der Bartholet AG. Dieses Unternehmen verfügt über ein grosses Know-how im Bau von Berg- und Vergnügungsbahnen und ist eine der ersten Adressen in diesem Segment. Nicht überraschend also, dass die Tragkonstruktion der neuen Anlage an einen Sessellift erinnert. «Wir verwenden die gleichen Stützen und Tragseile wie für unsere Wintersportanlagen» meint Chef Roland Bartholet. «Durch unsere jahrzehntelange Erfahrung im Seilbahnbau können wir unseren Kunden langlebige Anlagen garantieren, die problemlos über zwanzig Jahre ohne namhaften Unterhalt auskommen», erläutert Bartholet weiter. Der Grund für die lange Garantiefrist ist einfach: Die Tragkonstruktion der nach dem Solar Wings-Konzept (seilbasiertes Nachführsystem) erstellten Anlage wird während zwanzig Jahren gerade einmal so stark benutzt wie diejenige einer Gondelbahn während zwei durchschnittlichen Betriebstagen.

Praktisch kein Landverbrauch

Wichtigstes Element der Anlage ist die Tragkonstruktion der Solarzellen. Diese sind nicht wie üblich fix auf einem Tisch montiert, sondern zweifach verstellbar. So können sie einerseits exakt dem Sonnenlauf folgen, andererseits kann auch der Neigungswinkel zur Energiequelle optimal eingestellt werden. Im besten Fall beträgt er 90 Grad. Dieses Justieren geschieht vollautomatisch über modernste Computersteuerung. Laut Berechnungen der Experten liegt mit dieser Technologie, im Gegensatz zu einer fest installierten Anlage, ein Mehrertrag von rund 25 bis 30 Prozent der Energiemenge drin.
 
Die derzeit 320 Solarmodule – 160 weitere werden voraussichtlich 2011 montiert – sind auf zwei Seilen montiert und werden über ein Drittes in die jeweilig optimale Position manövriert. Ein weiterer Vorteil der neuen Anlage liegt auf der Hand: Der Landbedarf beschränkt sich auf die Grundfläche der Stützen. Die Module können in beliebiger Höhe angebracht werden, sodass beispielsweise der motorisierte Verkehr problemlos darunter zirkulieren kann. Sehr gut kann man sich den Einsatz des Systems auf grossen Parkfeldern oder ungenutzten Flachdächern vorstellen.
 
Gesamthaft kostete die Anlage rund 1,1 Millionen Franken, wobei die Unterkonstruktion mit rund 470 000 Franken zu Buche schlägt. Dieser Betrag scheint auf den ersten Blick happig, relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass die Stromerzeugung für rund dreissig Haushalte ausreicht. Kurt Frei sieht denn auch in dieser Art der Nutzung die Zukunft der Anlage: statt teurer Einzelanlagen auf Hausdächern können viele Einfamilienhasu-Besitzer zusammenspannen und gemeinsam eine Anlage betreiben. Thomas Staenz
 
ECKDATEN DER ANLAGE
 
• Module: 320 Stück mit je 230 Watt Nennleistung; Wirkungsgrad 14 Prozent. Die 320 Module sind auf 40 Modulträgern à je 8 Module aufgeteilt
• Gesamtfläche Solarmodule: 525 m2.
•Inverter: 7 Stück vom Typ Sunways NT10000.
• Nachführeinheit für Moduldrehachse bestehend aus Seil, Koppelung und Antrieb
• Nachführeinheit für Neigungsachse bestehend aus Seil, Koppelung und Antrieb.
• Steuerung für automatische, Sonnenstand-abhängige Winkelnachführung
• Verkabelung und Wechselrichter für Netzeinspeisung.
• laufende Erfassung der aktuellen Leistung und des Energieertrages.
• erste Etappe (in Betrieb seit 1. März 2010): installierte Leistung 75.2 kWp, erwarteter Jahresertrag 90 000 kWh
• Vollausbau (geplant 2011) Installierte Leistung 112.8 kWp Erwarteter Jahresertrag 135 000 kWh (mgt)
 
 
 
 
Die Leistung der Anlage lässt sich aktuell im Internet verfolgen: www.flumroc.ch
 
 
 

NACHGEFRAGT … BEI KURT FREI, DIREKTOR FLUMROC

 
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 Kurt Frei leitet die Geschäfte der Dämmprodukt-Herstellerin Flumroc AG
 
 
 Wie viel Prozent des gesamten Strombedarfs Ihrer Firma wird die Anlage abdecken?
Es ist zwar eine stattliche Anlage mit einer tollen Leistung. Da unser Betrieb aber sehr energieintensiv ist, werden wir im Endausbau nur etwa ein Prozent des gesamten Bedarfs abdecken können.
 
Was waren die Beweggründe für die Installation dieser Anlage?
Wir sind ein Industriebetrieb, der viel Energie braucht. Wenn man diese auf eine fortschrittliche Art und Weise gewinnen kann, interessiert uns das. Wir haben schon verschiedene Solar-Projekte bei uns realisiert, das Letzte vor acht Jahren. Als ich die Pilot-Anlage der Bartholet letztes Jahr hier in Flums entdeckte, dachte ich mir, dass dies auch für uns eine willkommene Gelegenheit sein könnte, uns erneut mit dem Thema zu beschäftigen. In der Folge haben wir das Gespräch gesucht und gemerkt, dass es sich um eine vielversprechende Technik handelt.
 
Betreiben Sie mit dieser Anlage auch eine Art Standortförderung?
Auf jeden Fall. Die Anlage ist einerseits für die Bartholet Maschinenbau AG ein interessanter Auftrag, damit zeigt sie, was Unternehmen hier in der Gegend leisten können. Dazu kommt, dass eine erfreuliche Rezeption in der Öffentlichkeit auch unser Image positiv prägt. Und man kann sagen: Sarganserland ist nicht nur Ferien- sondern auch Hightech-Land. (tst)