Gefrässig wie Godzilla

Gefrässig wie Godzilla

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Teaserbild-Quelle: zvg
Im Zuge der Erweiterung der Basler Tramlinie 8 nach Deutschland muss die bestehende Gärtnerstrassenbrücke durch eine tragfähigere ersetzt werden. Da der Abriss des alten Bauwerks unter enormen Zeitdruck stattfand, kam ein 180-Tonnen-Monster von Bagger zum Einsatz.
 
Dejan Despotovic ist ausnahmsweise nicht zufrieden: "Zum ersten Mal bei diesem Megaprojekt sind wir in Verzug geraten", führt der Leiter des Basler Tram-8-Projektes aus. Dieses sieht eine Verlängerung der Tramlinie über die deutsche Grenze bis nach Weil vor, wozu einige Arbeiten in Hafenbecken des Rheinhafens und im Fluss Wiese nötig waren. "Nun führte aber diese Wiese zu viel Wasser, weils im Schwarzwald heftig geregnet hatte", so Despotovic weiter. Etwa sieben Tage lange hatte man deshalb die Arbeiten unterbrechen müssen.
 
Dieser Verzug könnte zum Problem werden, weil Ende Februar alle Bauarbeiten im Fluss für einen Monat eingestellt werden müssen: Dann kommt die seltene Fischart der Nasen die Wiese hoch geschwommen umzu laichen. Bevor sich die Tiere aber im Flussgrund fortpflanzen, musste laut Projektplan noch die alte Gärtnerstrassenbrücke abgerissen werden, die für das Tram zu wenig tragkräftig war.
 
Grösster Bagger der Schweiz
Diese Arbeit übernahm der Raupenbagger Komatsu PC 1250, der grösste Bagger, der zuletzt in der Schweiz zum Einsatz gekommen ist: 180 Tonnen wiegt die Riesenmaschine, deren Abbruchzange sich 2,30 Meter weit öffnen und mit einer Kraft von 1250 Tonnen zubeisst – da könnte selbst Godzilla neidisch werden.
 
Der PC 1250 schaffte den Abriss der alten Brücke denn auch glatt in zwei Tagen. Um die Flusssohle vor dem Abbruchmaterial zu schützen, wurde in der Wiese ein Schutzgerüst erstellt, das nach Ende der Arbeiten wieder entfernt wird. Ein etwas kleinerer Bagger, der Komatsu PC 650 der "nur" 82 Tonnen wiegt, zerkleinert das Material soweit wie möglich und ein Dritter, der PC 340, schaufelt alles auf Lastwagen.
 
Ferngesteuerter Helikopter
Das Spektakel war auf der Webcam der Baustelle zu bewundern, zog aber auch einige Medienvertreter an. "Eine Zeitung hatte sogar einen kleinen ferngesteuerten Helikopter dabei, der Aufnahmen machte", staunt Despotovic. Auch ihn selbst hätten die grossen Maschinen beeindruckt, vor allem die enorme Kraft, mit der die Zangen die Brücke abgetragen und dann das Material zerbröselt hätten.
 
Nach dem Abriss gilt es für die Bauarbeiter nun, trotz dem erwähnten Verzug das gesamte Material abzutransportieren und ein Lehrgerüst über dem Fluss zu erstellen, damit die Arbeiten während dem Laichen der Nasen nicht vollkommen eingestellt werden müssen. Denn bei diesem Vorhaben ist Projektleiter Dejan Despotovic nicht nur Baufachmann, sondern auch Umweltschützer: "Wir wollen die Natur auf keinen Fall stören!" (bk)