Funktioneller Bau für den Bund

Funktioneller Bau für den Bund

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Teaserbild-Quelle: zvg
Das Areal «Meielen» in Zollikofen soll überbaut werden, in einer ersten Etappe mit einem Verwaltungsgebäude des Bundes mit 700 Arbeitsplätzen. Den vom Bundesamt für Bauten und Logistik ausgeschriebenen Gesamtleistungswettbewerb entschied das Totalunternehmen Gross Generalunternehmung AG aus Brugg für sich.
Die beste Umsetzung der Vorgaben sah die Jury im Projekt «Cinquecento». Es stammt aus der Feder der Liechti Graf Zumsteg Architekten AG aus Brugg und überzeugt besonders durch das städtebauliche Prinzip der unterschiedlich proportionierten Hofbauten. Zudem wird mit einem zurückhaltenden Einsatz der gestalterischen und ökonomischen Mittel ein grosser funktionaler, räumlicher und ideeller Mehrwert erzielt.
 
Insgesamt zehn Planungsteams hatten sich mit ihren Projekten für das neue Verwaltungsgebäude mit 700 Arbeitsplätzen in Zollikofen präqualifiziert. Das Areal ist als Industriebrache im Besitz der Eidgenossenschaft. Es gehört zum Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof Zollikofen-Münchenbuchsee. Gefragt waren in einer ersten Etappe eine städtebaulich überzeugende Gesamtlösung für das 41 000 Quadratmeter grosse Areal und eine konkretere Planung für einen Verwaltungsbau. Das vielseitig nutzbare Büro- und Verwaltungsgebäude soll sich durch eine gute Ökobilanz auszeichnen und das Label Minergie-P-Eco erreichen. Der Bund rechnet mit Baukosten in Höhe von 70 Millionen Franken. Der Neubau ist aber nur der Auftakt zur gesamten Überbauung des Areals: in weiteren Bauetappen sind noch einmal drei Gebäude vorgesehen. Total will der Bund 2500 neue Arbeitsplätze ansiedeln.
 
In das Gebäude der ersten Etappe soll das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) einziehen. Das BIT ist heute in sieben in der Stadt Bern verteilten Mietobjekten untergebracht, welche aufgrund der rasanten Entwicklung des Bundesamts in Bezug auf ihre Kapazität sowie deren Infrastruktur an ihre Grenzen stossen. Das BIT hat den Antrag gestellt, zukünftig in zwei bis drei Objekten von geeigneter Grösse untergebracht zu werden. Bezogen auf den Raum Bern bedeutet dies, dass neben dem Hauptsitz an der Monbijoustrasse 72-74 (Titanic II) ein weiteres Gebäude mit rund 700 Arbeitsplätzen bereitgestellt werden muss. Für das Neubauprojekt wurde im Dezember 2008 im Rahmen der ordentlichen Baubotschaft 2008 durch das Eidgenössische Parlament ein Rahmenkredit von 108 Millionen Franken genehmigt.

Lob und Kritik

Der Gesamtleistungswettbewerb wurde in zwei Stufen durchgeführt, wobei die selektierten Bewerber Gelegenheit hatten, ihre Eingabe nach der ersten Runde zu überarbeiten. Wie sich im Jurybericht zeigt, müssen für die weitere Planung und Realisierung des Siegerprojekts «Cinquecento» aber einige Punkte nochmals angegangen werden. Gemäss Jury besticht «Cinquecento» vor allem mit der klaren Grundrissorganisation und der Ausformulierung der zweigeschossig ausgebildeten Kommunikationsräume im Sockelbau.
 
Insgesamt verfügt das Gebäude über acht Stockwerke. Die Anordnung der Arbeitsräume und die erkennbare Flexibilität hinsichtlich der Gestaltung von Büro- und Projekträumen sowie der Sitzungszimmer versprechen eine angenehme und zweckdienliche Arbeitsumgebung. Durch das Weglassen des zentralen zweigeschossigen Loggiaraumes und die leicht unterschiedlich geneigten vertikalen Fassadenbänder wird auf die Kritik der unerwünschten Monumentalität der Fassade in der ersten Stufe reagiert. «Leider vermag die Gestaltung des Sockelbereichs entlang der Längsfassaden immer noch nicht zu überzeugen», heisst es im Jurybericht. Das gewählte Material der Fassadenbänder aus einbrennlackiertem Aluminium respektive Stahlblech wird grundsätzlich in Frage gestellt: «Die Hoffassaden werden im gleich engen Fassadenraster wie die Hauptfassaden ausformuliert, dies führt vor allem im untersten Geschoss des Hofes zu unattraktiven Arbeitsplätzen, welche bezüglich der Tageslichtnutzung kritisch beurteilt werden. Es wird bezweifelt, dass die vorgeschlagene Geschosshöhe, insbesondere im Korridorbereich, mit der gewählten horizontalen Haustechnikerschliessung funktioniert.»
Wie die Jury weiter schreibt, entsprechen die Fahrgassen der Tiefgarage in Teilen nicht den Normen und den von der Ausloberin vorgegebenen Rahmenbedingungen. Die genaue Nutzungsverteilung muss in Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft überarbeitet werden. Durch die Kompaktheit des Projektentwurfs sind die Verkehrswege generell kurz gehalten. Die Anordnung der Sitzungszimmer und Projekträume im ersten Obergeschoss ist hinsichtlich einer optimalen Belichtung und einer allfälligen Umnutzung in Arbeitsplätze zu verbessern. Die vorgeschlagene Lösung im Bereich der Computerwerkstatt mit der direkten Verbindung von Lager-, Aufsetz- und Werkstatträumen überzeugte die Juroren. Insgesamt sei aber eine zu kleine Lagerfläche ausgewiesen worden.

Gebäudetechnik und Energie

Die vertikale und horizontale Erschliessung der Technikräume sei optimal gelöst, lobt die Jury. Die Erschliessung der Anlieferung sei aus verkehrstechnischer Sicht dagegen ungünstig, ebenso wie der An- und Abtransport des Presscontainers im Bereich der Tiefgarageneinfahrt. Die Warenannahme sei für ein wirtschaftliches Funktionieren zu klein dimensioniert und das Weglassen der Überdachung bei der im Aussenraum ausgewiesenen Hebebühne entspreche nicht den Vorgaben.
Das Energie- und Gebäudetechnikkonzept ist konventionell und mit Vorbehalten in Bezug auf die Dimensionierung der Anlagen, den Energieverbrauch und der Kältetechnik realisierbar. Die Wärmegewinnung sowie die vorgesehene Kühlung über ein Free-Cooling-System erfolgt über Erdsonden. «Die Heizleistung und die daraus resultierende Dimensionierung der Erdsonden sind knapp bemessen», schreibt die Jury. Auch wird der tiefe Kälteenergieverbrauch als kritisch beurteilt. Die Rückkühlanlage für eine aktive Kühlung (reversible Nutzung der Wärmepumpe) ist nur optional vorgesehenen.
 
Mit einer sehr guten Gebäudehüllzahl erfüllt das Projekt das strengste Anforderungsniveau von Minergie-P-Eco. Nicht abschliessend geklärt sind die Auswirkungen auf das Erreichen des Minergie-P Labels (Energiekennzahl) unter Miteinbezug der optional vorgesehenen Rückkühlanlagen sowie bei einer Ausführung der optional offerierten Kühlung bei der Installation eines zusätzlichen Computers pro Arbeitsplatz. Die angebotenen Investitionskosten sowie der abgegebene Baubeschrieb sind für die Jury nachvollziehbar. Die Kosten für die Haustechnik seien eher tief eingesetzt worden. Der abgegebene Terminplan erfüllt die von der Ausloberin gestellte Vorgabe in Bezug auf die Fertigstellung und ist plausibel dargestellt. Ein Augenmerk will man auf die Konsequenzen im Terminablauf unter der Berücksichtigung der Anforderungen gemäss Minergie-P-ECO richten. (mgt/küm)
 

Nachgefragt

Das Verwaltungsgebäude verfügt über einen grosszügigen Innenhof. Welche Überlegung steckt dahinter?
 
In einem zweigeschossigen Sockel liegen die allgemeinen Räume, während in den oberen Kränzen die Büros untergebracht sind. Diese wollten wir optimal mit Tageslicht versorgen in der Absicht, dass möglichst viele Arbeitsplätze an der Fassade eingerichtet werden können. Da bot sich die Lösung mit dem Innenhof an.
 
 
Wie ist die Materialisierung des Gebäudes zusammengesetzt?
Der massive Rohbau beinhaltet Betondecken und -stützen. Die Fassade ist im Sockelbereich mit Betonelementen vorgehängt. Auf den Bürogeschossen dagegen wurde eine Stahlblechfassade gewählt.
 
 
Vom Jurybericht einmal abgesehen – warum machte das Projekt «Cinquecento» Ihrer Meinung nach das Rennen?
Wir haben einen angemessenen Lösungsvorschlag für diese Aufgabe geliefert. Was mir besonders gefällt ist das funktionelle Szenario, auf dem dieses Gebäude aufgebaut ist. Wir wollten verschiedenste Nutzungen unterbringen: Eine öffentliche findet mit einer Cafeteria statt. Halböffentliche Bereiche sind die Schulungsräume, die wie die Cafeteria im Sockel liegen und andere Anforderungen aufweisen als die quasi privaten, nicht öffentlichen Arbeitsplätze in den Bürokränzen. Jeder Bereich hat seinen Ort und seine Qualität im Gebäude. So wie die Pausen- und Kommunikationsräume für die Mitarbeiter, die wir über zwei Geschosse ausgebildet und so gegeneinander versetzt haben, dass Blickbeziehungen über die Stockwerke hinweg möglich sind. (küm)