Früher belächelt, heute begehrt

Früher belächelt, heute begehrt

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Nachhaltigkeit war in der Baubranche lange kein Thema. Heute ist es jedoch hochaktuell, weshalb eine neue Plattform für sie geschaffen worden ist. Die erste Minergie-Messe der Schweiz fand nicht nur bei den Firmen Anklang, sondern auch bei den Besuchern. Ein Beweis dafür, dass das Thema Nachhaltigkeit den Leuten mittlerweile ein wichtiges Anliegen ist.
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Die erste Minergie- Messe der Schweiz in Luzern fand sowohl bei den Besuchern als auch bei den Ausstellern grossen Anklang.
 
Marco Biland, heute 30-jährig, kennt den Messebetrieb von Kindesbeinen auf. Als Sohn des Messeveranstalters Hans Biland war er bei jeder noch so kleinen Messe dabei und weiss, wie sich die Themen entwickelt haben. Gerade im Bereich Bauen sieht der junge Mann grosse Veränderungen.
 
«Früher war die Nachhaltigkeit an keiner der Baumessen je ein Thema», sagt er anlässlich der ersten Minergie-Messe der Schweiz in Luzern. Im Verlauf der letzten 30 Jahre hätten umweltschonende Bauweisen jedoch stark an Bedeutung gewonnen und seien aus den Baumessen kaum mehr wegzudenken. «Es war von daher höchste Eisenbahn, dass man der Nachhaltigkeit eine eigene Plattform gibt», sagt Marco Biland, der Messeleiter der Minergie Expo. Entsprechend dieser Nachfrage fanden sich denn auch viele Aussteller, die an der Messe teilgenommen haben. Insgesamt waren es 247, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen den Stand des nachhaltigen und energieeffizienten Bauens in der Schweiz dokumentierten.
 
Das Interesse für die erste Minergie-Messe war jedoch nicht nur von Seiten der Firmen gross, sondern auch von Seiten der Besucher. «Wir sind sehr gut gestartet», sagt Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie (siehe «Nachgefragt»). Der Verein wurde von der Firma ZT Fachmessen, die die Minergie Expo organisiert hat, als Co-Partner ins Boot geholt. «Insgesamt waren es 13 600 Besucher», so Beyeler. Von den Ausstellern war zu vernehmen, dass nicht nur Fachleute, sondern auch gut informierte Private vor Ort waren und dadurch oft konkrete Projekte über die Nachhaltigkeit diskutiert wurden. Etliche Besucher kamen mit Bauplänen und legten diese mit expliziten Fragestellungen den Experten vor.
 

Minergie-A-Standard lanciert

«Kein anderer Name verkörpert heute energieeffizientes Bauen so stark wie Minergie», sagt Biland. Das war auch der Grund, weshalb man sich auf das Thema Minergie geeignet habe, als man eine neue Messe für nachhaltiges Bauen lanciert habe. Die Höhepunkte der Messe waren die Lancierung des Minergie-A-Standards, die Fachtagung «Minergie – auf dem Weg zum nachhaltigen Bauen», über die im «baublatt» Nr. 14 ausführlich berichtet wird, und die Übergabe des 20 000. Minergie-Zertifikats.
 

Weiteres Wachstum erwartet

Mit dem Minergie-A-Standard wird ein Nullenergiehaus definiert, das über das Jahr gesehen sämtliche Energie für den eigenen Betrieb selbst produziert. Erdöl zum Heizen ist im Standard nicht mehr vorgesehen, sondern nur noch regenerative Energie. Eine Variante des Standards soll es sein, das Haus mit Holz und thermischen Kollektoren zu versorgen. Die anderen zwei Varianten beinhalten Photovoltaik mit thermischen Kollektoren und einer Wärmepumpe. Und eine weitere Wärmepumpe und Photovoltaik.
 
«Mit dem neuen Standard nimmt der Verein Minergie eine Entwicklung vorweg, die durch die Richtlinie 2010/31 der Europäischen Union zusätzlich an Fahrt gewonnen hat», erklärt Franz Beyeler. Mit dem Dekret verpflichtet sich die EU, bis 2020 ihre Vorgaben für den Energiebedarf von Neubauten bei fast null zu setzen. Bis in zehn Jahren sollen in der EU neue Bauten «Nearly zero-energy Buildings», NZEB, sein.
 
Mit dem A-Standard geht der Verein Minergie noch einen Schritt weiter, indem eine gänzliche Deckung des Restbedarfs durch erneuerbare Energien Teil der Anforderungen ist.
 
Wie Beyeler erklärt, ist das Know-how für die Planung und den Bau von Nullenergiehäusern in der Schweiz durchaus vorhanden und von daher kein Problem umzusetzen. «Mit der Standardisierung ermöglicht der Verein Minergie aber klare begriffliche Festlegungen und eine systematische Bewertung dieser umweltfreundlichen Bauweise.»
 
Die nächste Minergie Expo findet vom 7. bis 10. März 2013 statt. «Da die erste Minergie-Messe so positiv aufgenommen worden ist, rechnen wir mit einem weiteren Wachstum», sagt Messeleiter Marco Biland. Florencia Figueroa