Fine-Tuning in der Röhre

Fine-Tuning in der Röhre

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Teaserbild-Quelle: AlpTransit Gotthard AG
Beim Südportal des Gotthard-Basistunnels, zwischen Faido und Bodio, hat im Mai dieses Jahres der Einbau der Bahntechnik begonnen. Auf einem 16 Kilometer langen Teilstück werden Schienen, Kabel und Telekommunikationsanlagen installiert. In drei Jahren sollen hier erste Testfahrten unternommen werden.
AlpTransit Gotthard AG
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AlpTransit Gotthard AG
Blick auf das Südportal bei Bodio, wo mit dem Einbau der Bahntechnik begonnen wurde.
 
Im Mai dieses Jahres wurde die letzte bedeutende Etappe für die Realisierung des längsten Bahntunnels der Welt eingeläutet: Als erste Strecke rüsten die Bauarbeiter in der Weströhre den Tunnelabschnitt Faido–Bodio mit der Bahntechnik aus. Das 16 Kilometer lange Teilstück soll im Jahr 2012 fertig und befahrbar sein. Ab 2013 sollen auf einer Strecke von 14 Kilometern Testfahrten mit Geschwindigkeiten von bis zu 230 Stundenkilometern stattfinden. Ziel dieser Versuche ist es, bahntechnische Optimierungen zu entwickeln, die im weiteren Verlauf des Projektes verwendet werden können.
 
Die Bahntechnik umfasst alle Komponenten und Systeme, die zum engeren technischen System «Eisenbahn» gehören. Das sind die Fahrbahn, die elektrischen Anlagen für die Stromversorgung der bahntechnischen und tunnelspezifischen Ausrüstung, die Stromeinrichtungen für den Zugverkehr und die Telekommunikations-, die Sicherungs- sowie die Automationsanlagen. Zuständig für den Einbau dieser Gerätschaften ist die Arbeitsgemeinschaft Transtec Gotthard (siehe «Hintergrund»), die als Generalunternehmerin das 1,7 Milliarden Franken teure Projekt ausführt. Oliver Bratschi von der Bauherrin AlpTransit Gotthard AG ist Leiter der Bahntechnik. Für ihn besteht die grösste Herausforderung darin, das Baumaterial in die Tunnelröhre zu schleusen. «Wegen der engen Platzverhältnisse können wir nur mit einer beschränkten Anzahl von Pneufahrzeugen in den Tunnel einfahren.» Ab dem Installationsplatz Süd werden deshalb fast alle Güter auf die Schienen verlegt.
 

Auf Unfälle vorbereitet

Dem Einbau für die Bahntechnik ging eine zweijährige Planungsphase voraus. In den letzten Monaten, vor dem Startschuss im Mai, waren die Bauarbeiter vor allem damit beschäftigt, in Biasca auf einer 70 000 Quadratmeter grossen Fläche eine riesige Infrastruktur aufzubauen. Auf dem sogenannten Installationsplatz Süd wurden die Unterkünfte und Hallen sowie die Büros und die Werkstätte eingerichtet. Auch eine Leitstelle und eine Kantine für die Arbeitnehmer, die beim Bau mitwirken, finden sich auf dem Platz. Vor Ort werden 150 Personen sein. Nach dem Aufbau wurden alle Einbauabläufe gestestet und die Mitarbeiter auf ihre Aufgaben hin ausgebildet. Die Übungen dienten jedoch nicht nur der Vorbereitung, sondern vor allem auch der Sicherheit. So wurden alle notwendigen Massnahmen zur Minimierung der Gesundheits- und Sicherheitsrisiken ausgearbeitet und die Bauarbeiter auf das richtige Verhalten bei einem Unfall geschult. Weiter fanden auf dem Platz Übungen mit der Feuerwehr und mit den Rettungsdiensten statt. Auf diese Weise konnten die Verbindungswege zum Installationsplatz getestet werden. Um die Mitarbeiter und das Einbaumaterial von Biasca zum Tunnelportal Bodio transportieren zu können, wurde zwischen den beiden Orten die 4,5 Kilometer lange Bahnstrecke «Offene Strecke Süd» gebaut.
 

Nordportal kommt 2011 dran

«Als erstes werden mithilfe eines speziellen Pneufahrzeugs die Kabel in die Bankette eingezogen», sagt Rolf Brunner, Vorsitzender der Baukommission der Arbeitsgemeinschaft Transtec Gotthard. Geplant ist, dass der Gotthard-Basistunnel eine feste, sprich schotterlose Fahrbahn erhält, die direkt auf dem Sohlbeton des Rohbaus aufgebaut wird. «Danach werden die Gleise verlegt, gerichtet und einbetoniert», so Brunner. Für diese Arbeit kommt ein über 450 Meter langer Betonzug (siehe «baublatt» 31/2010) zum Einsatz, mit dem man den frischen Beton direkt an der Einbaufront mischen kann. «Wenn das Gleis dann fertiggestellt ist, fahren in den Tunnel Spezialbauzüge, die die Fahrleitung montieren. Gleichzeitig werden in den Querschlägen weitere Installationen eingebaut.» Nach dem Einbau der Bahntechnik ist der Tunnelabschnitt Faido–Bodio bereit für die Testfahrten. Der gesamte Gotthard-Basistunnel soll in den nächsten acht Jahren mit der Bahntechnik ausgerüstet werden, sodass er 2017 in Betrieb gehen kann. Damit dieser Zeitplan auch aufgeht, beginnt 2011 der Einbau der Bahntechnik am Nordportal. Die erste Strecke, die dort ausgerüstet wird, ist der Teilabschnitt Erstfeld–Amsteg–Sedrun Ost. Hierfür wird ab Herbst dieses Jahres in Rynächt UR der Installationsplatz «Bahntechnik Nord» errichtet. Laut den Verantwortlichen ist man zuversichtlich, dass die Arbeiten plangemäss gestartet und beendet werden können. Florencia Figueroa