Energieeffizienz ist das Bauthema Nummer eins

Energieeffizienz ist das Bauthema Nummer eins

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Teaserbild-Quelle: Robert Stadler
Die 40. Messe Bauen & Modernisieren in Zürich hat es überdeutlich bestätigt: Die Themen Energieeffizienz und Ökologie beherrschen die Diskussionen im heutigen Bauen in einem noch nie da gewesenen Masse.
 
 
Von Krisenstimmung war im Zürcher Messezentrum Anfang September wenig bis gar nichts zu spüren. Die Stände der rund 600 nationalen und internationalen Aussteller waren zu gewissen Tageszeiten oft übervoll. Rund 40 000 Personen suchten auf der «Bauen & Modernisieren» nach Ideen für ihre Bau- oder Umbaupläne, nach neuen Trends in Wohnzimmer, Küche, Bad und Garten oder liessen sich über Möglichkeiten der Finanzierung oder den Bezug von Fördermitteln informieren. Doch nicht nur Bauherren, auch Architekten und Planer kamen an dieser grössten Schweizer Baufachmesse des Jahres 2009 dank eines sehr breiten, umfassenden Angebots – beispielsweise im Bereich Design – durchaus auf ihre Rechnung.
 
Besonders weit verbreitet scheint bei Bauherren momentan der Wunsch nach Renovationen zu sein, dies hauptsächlich mit dem Ziel, den Energieverbrauch zu senken oder für die Heizung eine umweltfreundliche Lösung zu schaffen. Die eigentlichen Hauptthemen der Messe drehten sich denn auch um Energieeffizienz, um Minergie und Nullenergie, um dezentrale Stromerzeugung und um andere neue Technologien in der Haustechnik. Ebenfalls grosses Interesse besteht an Weiterentwicklungen von LED und an Hausvernetzungen – bis hin zum intelligenten Wohnen, das immer mehr an Akzeptanz zu gewinnen scheint. Auch bei den Materialien ist Ökologie weiterhin ein wichtiges Thema. Entsprechend gross war das Interesse bei Anbietern von natürlichen Baustoffen, allen voran Holz, aber beispielsweise auch Naturstein, Lehm, Schilf, Kork und Mineralfasern. Die Aussteller lobten fast durchwegs das sachkundige Messepublikum, das oft mit sehr konkreten Vorstellungen, teilweise sogar mit Plänen zur Messe gekommen sei. Dem Wunsch nach gezielten Informationen rund um das Bauen und Renovieren kamen auch die insgesamt vierzehn Sonderschauen und die 90 Fachreferate mit einer sehr breiten Themenpalette entgegen.
 
Ein gesellschaftlicher Höhepunkt während der Bauen & Modernisieren war die Verleihung des «Schweizer Solarpreises 2009» durch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Diese zollte in einer Grussbotschaft des Bundesrates dem Engagement des Schweizer Gebäudetechnologiegewerbes in der Solartechnik viel Lob. Die Branche habe die technologischen Herausforderungen angenommen und leiste Hervorragendes, sagte die Bundesrätin vor über 220 Gästen, unter ihnen der Präsident der Energie- und Umweltkommission des EU-Parlaments Jo Leinen, Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch und mehrere Bundesparlamentarier. Vor wenigen Jahren sei es noch undenkbar gewesen, dass in der Schweiz heute Wohn-, Dienstleistungs- und Gewerbebauten realisiert sein würden, die mehr Energie erzeugen, als sie im Jahresdurchschnitt benötigen. Die Entwicklung von einigen wenigen Quadratmetern Sonnenkollektoren auf dem Dach bis hin zu Niedrigenergie-, Minergie-, Nullenergie- und sogar zu PlusEnergie-Häusern sei zukunftsweisend.

Auch Eigenheim-Messe erfolgreich

Eveline Widmer-Schlumpf erinnerte daran, dass die Kantone in Bezug auf die Förderung von Solarenergie über eine weit gehende Autonomie verfügen. Wie zahlreiche Beispiele – etwa der Kanton Neuenburg, einer der Preisträger des Schweizer Solarpreises 2009 – zeigen, könnten die Kantone die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien durch Anreize fördern und weitere Energiesparmassnahmen ergreifen. Die diesjährigen Solarpreisträger hätten bewiesen, dass man teils auch mit bescheidenen Beiträgen höchst beachtliche Leistungen erbringen könne. In diesem Sinn sei es sehr zu begrüssen, wenn noch mehr Kantone und Gemeinden aktiv würden. Darauf zu warten, bis auf Bundesebene etwas entschieden ist, sei nicht zielführend. Trotz allen Lobes wies Widmer-Schlumpf aber auch auf die Tatsache hin, dass in einigen andern Ländern der Anteil der erneuerbaren Energie stärker steige als in der Schweiz. So sind etwa in Österreich bereits über 2000 Minergie-P beziehungsweise Passivbauten realisiert worden, in der Schweiz hingegen nur 300. Dass wir heute zu gut 80 Prozent von ausländischen Energieimporten abhängig seien, müsse Ansporn sein, diesen Anteil zu reduzieren und so mehr Unabhängigkeit zu erlangen.
 
Parallel zur Bauen & Modernisieren fand ebenfalls in der Halle 9 im Messezentrum Zürich die 2. Eigenheim-Messe Schweiz statt. Sie richtete sich in erster Linie an Personen, die Neubauten planen, Immobilien oder Wohnungen suchen, unter ihnen auch solche, die an neuen Wohnperspektiven wie beispielsweise innovatives Wohnen mit Dienstleistungen interessiert sind.
 
Auf grosses Interesse stiess unter anderem die Sonderschau «Wohnungen der Generation 50 Plus». Auch die täglichen Fachvorträge zu den verschiedenen Bauweisen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit sowie die der Fachspezialisten für Altersfragen fanden grossen Anklang.
 

SOLARPREIS 2009

Die Preisträger

• Kanton Neuenburg: Nachhaltiges Energiegesetz mit Befreiungs- und Unabhängigkeitsnormen
• Verein Shanti Schweiz, Jakob Schaub: Elektrikerschule zur Solarförderung in Bangladesch
• ASIG Wohngenossenschaft Zürich: PV-Anlagen in Zürich
• Claudia und Heinz Eberle-Fröhlich, Fröhlich Info AG, mit PV-Anlage in Zollikon ZH
• Grab Architekten: PlusEnergieBau mit 110 Prozent Eigenenergieversorgung in Bennau SZ
• Kämpfen für Architektur: Sanierung Zürich 57 Prozent unter Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft
• D. Wyss: Jugendstilhaus Minergie-P-Sanierung Arlesheim BL
• Viridén und Partner: Mehrfamilienhaus Sanierung in Basel mit 93 Prozent Energiereduktion
• Oikos Partner GmbH: Sanierung eines 250-jährigen Hauses in Horgen ZH
• Züst Haustechnik: PlusEnergieBau Sanierung in Grüsch GR 207 Prozent Eigenenergieversorgung
• Thermische Solaranlage mit Rekordertrag, Hotel Europa, St. Moritz GR
• PV-Solaranlage, Landwirtschaftsbetrieb Guggisberg, Zimmerwald BE versorgt über 100 sanierte städtische Wohnungen
• PV-Solaranlage, Sportanlage Gründenmoos, St. Galler Stadtwerke
• Biogasanlage, SwissFarmerPower, Inwil LU, entlastet massiv die Gewässer und erzeugt 18 GWh/a

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