Elementare Teile aus Appenzell

Elementare Teile aus Appenzell

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Die Lignatur AG aus Waldstatt ist spezialisiert auf die Produktion hochwertiger Deckenelemente. Die Besitzer und Geschäftsführer Ralph Schläpfer und Ruedi Jud haben die Firma innerhalb weniger Jahre zu einem führenden Unternehmen im Bereich vorgefertigter Bauteile aus Holz gemacht.
 
 
 
Das Bauen mit Holz hat in der Schweiz eine lange Tradition. Vor allem in Berggegenden sind sonnenverbrannte dunkelbraune Chalets und Speicher ein vertrauter Anblick, ebenso die stattlichen Bauernhäuser im Bernbiet. Nachdem die Bedeutung des Holzbaus in den 1970er und 80er Jahren abgenommen hatte, ist seit ein paar Jahren eine rege Entwicklung in der Branche zu beobachten. Innovative Architekten und Hersteller erfinden immer wieder neue Anwendungsmöglichkeiten wie beispielsweise mehrgeschossige Wohnhäuser oder kühne Brückenkonstruktionen, die komplett aus dem nachwachsenden Rohstoff gebaut wurden.
 
Eine der innovativsten Firmen auf diesem Gebiet, die Lignatur AG hat ihr Stammhaus im appenzellischen Waldstatt. Umgeben von sanften Hügeln und verstreuten Siedlungen zeugt das eben erweiterte grosszügige Fabrikations- und Bürogebäude vom guten Geschäftsgang der Unternehmung. Diese hat sich auf vorgefertigte Hohldecken-Elemente spezialisiert, die vor allem von Architekten in der Schweiz, Deutschland, Österreich und zunehmend auch in Holland eingesetzt werden. Ralph Schläpfer, der zusammen mit Ruedi Jud die Firma führt, bestätigt denn auch, dass teilweise rund um die Uhr gearbeitet wird: «Wir verbrauchen rund sechzig Kubikmeter Holz, täglich!» Im Obergeschoss der neuen Halle kann das Dreissigfache davon gelagert werden, Rohstoff also für über einen Monat. «Mehrheitlich produzieren wir die Elemente nach Auftrag projektbezogen – just in time», bringt Schläpfer die Produktionsweise seiner Firma auf den Punkt.

Mit grosser Präzision

Die Lignatur-Elemente kommen hauptsächlich an Bauten zum Einsatz, bei denen die Decken- oder Dach-Konstruktion sichtbar bleiben soll. Dabei spielt die Grösse des Objektes eine untergeordnete Rolle. Einerseits wurden die Produkte schon in der riesigen Halle 13 (rund 230 x mal 120 Meter) auf dem Messegelände Hannover verbaut, andererseits bei einem kleinen, feinen Autounterstand. «Vor allem engagierte Architekten, die hochwertig bauen, verwenden unsere Systeme», meint Ralph Schläpfer. Zum Angebot der Lignatur gehören neben den Kasten- und Flächen- auch Schalenelemente, die sich speziell für diffusionsoffene Dächer eignen (siehe Box). Die einzelnen Produkte können zum Beispiel mit Schall-absorbierenden Schlitzen ausgestattet werden und mit Bohrungen für die technischen Installationen. Je nach Bedarf gibt es die Produkte mit Wärmedämmung oder schallhemmenden Einlagen. Neben Standardhöhen von 12 bis 32 Zentimetern können die Teile je nach statischen und bauphysikalischen Anforderungen individuell bemessen werden. «Wir schaffen es die Bedürfnisse der Statik, Wärmedämmung und Schallschutz in einem einzigen Element anzubieten», erklärt Ralph Schläpfer die Einzigartigkeit seiner Palette.

Stahl und Holz

Schon seit Längerem beschäftigten sich die beiden Firmenchefs damit, die positiven Eigenschaften von Stahl und Holz zu vereinen. An der Swissbau 2002 schafften sie es, ihre Firma in der Ausstellungshalle der Stahlbauer unterzukriegen. «Wir wollten nebst den Holzbauern auch die Stahlbauer kennenlernen», erinnert sich Ralph Schläpfer schmunzelnd.
 
 
 
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Der studierte Bauingenieur Ralph Schläpfer ist Mitbesitzer und Geschäftsführer der Lignatur AG.
 
Wie sind Sie auf die Idee gekommen Stahl und Holz zu kombinieren?
 Unsere Lignatur-Elemente kamen schon oft auf Stahlkonstruktionen zum Einsatz. Die Lösung der Verbindung wurde immer wieder neu erfunden. Unser Ziel war eine einfache, ästhetische und montagefreundliche, Verbindung.
 
 
Welches waren die grössten Herausforderungen bei der Entwicklung des neuen Systems?
Mit der Denkweise eines Holzbauers und derjenigen eines Stahlbauers die beste Lösung und dazu ein Verbindungsmittel zu finden.
 
 
Worauf muss der Monteur bei dieser Materialkombination besonders achten?
 Er muss die Regeln der Baukunst des Stahlbaus und des Holzbaus beachten.
 
Wo liegen die hauptsächlichen Einsatzgebiete der Stahl-Holz-Konstruktionen?
Überdachungen, Hallen, Ausstellräume, ... natürlich wären aber auch Bürobauten und Mehrfamilienhäuser denkbar.
 
 
Mit welchen Materialien könnte man die Lignatur-Produkte zusätzlich kombinieren?
Lignatur-Elemente können grundsätzlich mit allen Baumaterialien kombiniert werden. Es sollte nicht darum gehen, ob in Holz, Stahl oder Beton gebaut wird, sondern ob das richtige Material für den jeweiligen Einsatz gewählt wurde. (tst)