Einer für alles

Einer für alles

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Teaserbild-Quelle: zvg
Die Arbeitsabläufe auf dem Bau waren ihm teilweise zu kompliziert, deshalb entwickelte Roger Reichmuth von der
Awestra AG in Neuhaus SG mit zwei anderen Firmen den Trakdozer. Er ist multifunktional und verspricht zeitschonende Arbeitsabläufe.
 
 Roger Reichmuth, ­Geschäftsführer der Firma Awestra AG in Neuhaus SG – 2005 unter dem Namen Westrag AG gegründet –, hatte es satt, quasi für jeden Ablauf ein anderes Fahrzeug einsetzen zu müssen. Er träumte schon lange von einem Gerät, das die genannten Funktionen in sich vereint und sogar zwei auf einmal erledigen kann. Es liess dem jungen Unternehmer keine Ruhe, und er
war sogar der Meinung, auf den Baustellen werde aufgrund des grossen Fuhrparks umständlich gearbeitet.
Die Firma mit weiteren Geschäftszweigen in Glarus und Uster ist spezialisiert auf Tief- und Strassenbau, Umgebungsarbeiten sowie auf den Bau von Plätzen aller Art. Schon allein aufgrund dieses breiten Tätigkeitsfeldes war Reichmuths Wunsch naheliegend.

Zusammenarbeit mit zwei Firmen
Die Lösung stellt er jetzt vor: zwei sogenannte Trakdozer, deren Bezeichnung sich aus den ­Begriffen Traktor und Dozer zusammensetzt. Natür­lich war es nicht so einfach, wie es vielleicht klingen mag, und im Alleingang lässt sich so
ein Projekt kaum verwirklichen. Reichmuth zog weitere Profis heran und arbeitete bei der Entwicklung eng mit der Fieldwork Maschinenkontroll- und Vermessungssyteme AG in Arbon und der T. Diethelm AG in Galgenen zusammen.
Zunächst musste besprochen werden, wie Reichmuth sich das Fahrzeug vorstellte. Die
Liste der Anforderungen war lang: allgemeine ­Planierarbeiten, Einbau von Fundationsschichten, Stabilisierungen, Anlegen und Abtragen von Kultur­erde, Dämmschüttungen, Geländemodellierungen, Rekultivierungen, Einbringen von Walzbeton und Sauberkeitsschicht – all das muss der Trakdozer können, dies war damals schon klar.
 Roger Reichmuth hatte noch einen anderen Vor­behalt, was die konventionelle Fahrzeug-
flotte ­anbelangte – die Zeit. Bei den genannten Arbeitsvorgängen kann es bei Fahrzeugen mit «normalen» Steuerungen immer wieder zu ­Störungen kommen, und die Positionierung wird abgebrochen. Das kostet effektiv viel Zeit, zudem nervt es manchmal.

LPS bewährte sich bereits
Der Trakdozer ist mit neusten Laser-, Ultraschall- und GPS-Steuerungen (Global Positioning ­System) sowie LPS-Control (Laser Positioning System) ausgerüstet, es handelt sich hierbei um die neuste Generation der Steuerungen: 3 DMC. ­LPS-Control hat sich vor allem beim Planieren sehr gut bewährt. Damit kann der Dozer milli­metergenau positioniert werden, wobei hier die Probleme noch nicht beginnen, sondern erst, falls die Böschung rutscht oder wenn es zu Pendel­bewegungen kommt. In dieser Situation bewährt sich das LPS, das die gewünschte Strecke bereits im Voraus errechnet. Entsprechend verarbeitet das System mit Hilfe einer motorisierten Station die starken Störungen, ohne dass es zum Abbruch kommt. Es passt sich jederzeit seiner Umgebung an. Das LPS-Control hat sich vor ­allem bezüglich Pendelschutz bei Kranen durchgesetzt und ist daher nicht wirklich eine Neuheit. Aber gerade am Beispiel Planieren sieht man, dass schneller gearbeitet werden kann, bei gleicher Qualität, zumal auch die bisher ­notwendigen Absteckarbeiten entfallen. Hinzu kommt, das Datenübermittlungen via Internet direkt vom Geometer auf die Maschine gesendet werden können.

«Nöldi» erhält grösste Schneefräse
Neuartig an den Trakdozern ist, dass der Querneigungssensor mit jenem des Leopard-Panzers identisch ist. Wenn er also sein Ziel im Visier hat, weicht er nicht mehr davon ab. Weniger wie bei einem Panzer denn viel mehr wie bei einem ­Helikopter weist der Joystick der neuartigen Fahrzeuge 36 Funktionen auf. Reichmuth lässt vorerst nur seinen besten Mann an die Maschine ran, momentan laufen gerade entsprechende Schulungen. Vom Traktor hat der neuartige Kettendozer beispielsweise sein Kupplungssystem für die Zusatzgeräte geerbt. Hinzu kommen die verschiedenen Zwischenteile, damit diese installiert werden können. Optionale Anbaugeräte sind der Gruber (aufreissen), der Crusher (zerkleinern) sowie die Grabenfräse.
Eine 180-Grad-Kabine ermöglicht zudem, dass der Trakdozer strassentauglich ist. Dies, sobald das Schild nach hinten gedreht ist. Deshalb ist er bekanntlich auch mit Gummiraupen ausgerüstet.
Das grössere der neuen Fahrzeuge, «Nöldi» – nach dem ehemaligen St. Galler Schwingerkönig Nöldi Forrer getauft –, hat wohl auch das grösste Potenzial. In der ­kalten Jahreszeit wird es ­voraussichtlich eingesetzt, um die Räumungs­equipen zu unterstützen. Dafür soll «Nöldi» eine Schneefräse mit der Leistung von 4500 Kubik­metern pro Stunde erhalten, eine der grössten, die es in dieser Form momentan gibt (siehe «Nachgefragt»).
Künftig soll die Trakdozer-Flotte vergrössert werden, denn der Ostschweizer Unternehmer möchte seine Ideen im Haus behalten, «nicht dass sich jetzt jeder Bauunternehmer so ein Fahrzeug anschafft», begründet er. So hat Reichmuth vor, die beiden Maschinen im Unterakkord zu ver­mieten. Dabei hat er auch schon ein paar Ideen für «neue Anbaugeräte im Stras­senbaubereich», wie er schon mal preisgibt, mehr wolle er dazu allerdings noch nicht sagen. Eines ist aber jetzt schon sicher: Obwohl es mit den ­Trakdozern ohne Probleme möglich wäre, auch Garten- und Landwirtschaftsarbeiten zu bewältigen, wird dies keine Option sein, denn zu tun gibt
es genug. «Es gab da ­einen Bauern, der den ­Trakdozer – eher im Scherz – für die Maisernte mieten wollte», so Reichmuth. Solche Anfragen bekommen bei ihm eine Absage.
Eine Absage gibt es auch bei der Frage, was die ganze Entwicklung der Trakdozer gekostet hat. Allerdings verrät Reichmuth so viel: «Ein anderer hätte sich ein Eigenheim gekauft.» (my)