Eine runde Sache

Eine runde Sache

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Teaserbild-Quelle: Stefano Marello – Bassi Carella architectes
In zwei Monaten eröffnet die UEFA ihr neues Verwaltungsgebäude in Nyon. Das kreisförmige Gebäude soll auf 6000 Quadratmetern und vier Stockwerken Platz für 250 Angestellte bieten. Es wird nach höchsten Umweltstandards gebaut und soll nicht nur Minergie-, sondern auch Minergie-Eco-Normen erfüllen.


Der Europäische Fussballverband UEFA hat seinen Hauptsitz seit 1999 in Nyon, zwischen der Route Suisse und dem Seeufer. Mittlerweile kann das bestehende Verwaltungsgebäude, das 130 Angestellten Platz bietet, die stetig wachsende Zahl von Mitarbeitenden nicht mehr aufnehmen. Um mehr Platz zu schaffen, kaufte die UEFA ein Grundstück gegenüber dem Hauptsitz, auf der anderen Seite der Route Suisse, neben dem Stadion Colovray. Gemäss dem neu erstellten Quartierplan dürfen zwei Gebäude und ein Parkplatz gebaut werden. Eines der Gebäude wird erst in einer späteren Etappe errichtet.

Der Bauplatz liegt auf einer wunderschönen, von Bäumen gesäumten Wiese. Bei dem von der UEFA ausgeschriebenen Architekturwettbewerb wurde deshalb besonders darauf geachtet, wie sich das Objekt in die Umgebung einfügt und wie die Verbindung zum bestehenden Hauptsitz gewährleistet wird. Das Projekt des Genfer Architekturbüros Bassi Carella konnte die Jury schliesslich überzeugen. Die im Februar 2009 eröffnete Baustelle besteht aus den drei Bereichen Verwaltungsgebäude, Parkplatz und Verbindungstunnel zum Hauptsitz.

Die Zeit ist knapp, denn der Zeitpunkt der feierlichen Eröffnung ist bereits auf den 28. März 2010, 11 Uhr festgesetzt. Die UEFA wird eine Verschiebung des Festakts kaum in Betracht ziehen, sind doch Gäste und Medienvertreter bereits eingeladen. Das kreisförmige, vollständig verglaste Schmuckstück aus der Feder von Bassi Carella bietet 6000 Quadratmeter Bodenfläche, verteilt auf vier Stockwerke. Es wird durch eine rund 100 Meter lange Unterführung mit dem UEFA-Hauptsitz verbunden. Diese verläuft horizontal auf dem Eingangsniveau des Neubaus und des Hauptsitzes, der sich unterhalb der Strasse befindet.«Dieser Tunnel ist ein Bauwerk für sich, nicht einfach nur eine Röhre», erklärt der Architekt Stefano Marello, Mitinhaber des Büros Bassi Carella und Leiter des Projekts. Der vollständig in Sichtbeton gebaute Tunnel verfügt im Osten über eine Stützmauer mit einer Deckenplatte für die Gartengestaltung der Villa Métairie, die ebenfalls der UEFA gehört. Im Westen schliesst der Tunnel an das abfallende Gelände des Fahrzeug- und Fussgängerausgangs an. «Wir haben diese Neigung ausgenutzt, um den Tunnel auf etwa 40 Metern Länge mit seitlichen Öffnungen und vorfabrizierten Betonstützen zu gestalten», führt der Architekt aus. Im Teil des Tunnels, der unter der Kantonsstrasse durchführt, variiert die Raumhöhe zwischen 2,50 und 4,50 Metern. So konnten die Planer den typischen, stark perspektivischen Effekt von Unterführungen durchbrechen.

Diese Unregelmässigkeit verleiht dem Bauwerk zudem eine gewisse Dynamik und erleichtert die Unterbringung der elektromechanischen Anlagen der Strasse. Die Spezialtiefbauarbeiten wurden von Marti Bauunternehmungen AG ausgeführt. Für die Aushubarbeiten wurden im Bereich unter der Strasse Rühlwände und in den übrigen Bereichen Spundwände eingesetzt. «Diese Etappe gestaltete sich aufgrund der schlechten Baugrundverhältnisse mit rolligem Material schwierig. Die Baugrubenwände waren instabil. Wir brauchten für die Unterquerung der Strasse mehr Zeit als geplant», so der Projektleiter.

Das von Bassi Carella entworfene runde Gebäude fügt sich nahtlos in die Umgebung ein. «Diese Form schien ganz natürlich mit der Landschaft zu verschmelzen. Unser Ziel war, ein möglichst transparentes und durchgängiges Gebäude zu schaffen. Die runde Form erlaubt einen sanften Übergang und einen intensiven Dialog zwischen Bau und Natur.» Das zylinderförmige Gebäude besteht aus Decken, in denen die technischen Anlagen untergebracht sind, und aus vollständig verglasten Fassaden. Eine Öffnung im Zentrum bietet einem Innenhof mit Bäumen Platz, der bei schönem Wetter genutzt werden kann.

Der vorbildliche Bau ist so geplant, dass er höchsten Umweltstandards entspricht. Die UEFA möchte mit beispielhaftem umweltfreundlichem Bauen ein Zeichen setzen, und das Architekturbüro Bassi Carella hat deshalb maximale Energieeffizienz angestrebt, insbesondere durch den Einsatz von Tageslicht. Die gebogene Dreifachverglasung mit hervorragendem U-Wert gewährleistet eine optimale geschlossene Gebäudehülle. Auch erneuerbare Energien kommen zum Einsatz: Geheizt und gekühlt wird mit einer Wärmepumpe, die mit einer thermischen Solaranlage gekoppelt ist, und eine Photovoltaikanlage versorgt das Gebäude mit Strom. Als Sonnenschutz sind über allen Normalgeschossen waagrechte Vordächer aus Sichtbeton angebracht, deren Länge je nach Lage des Gebäudeteils leicht variiert.

Die Architektur des Gebäudes bedingt für den Rohbau sehr hohe Mauern aus Sichtbeton oberhalb des Untergeschosses und des Parkplatzes. Zwischen der Parkplatz- und der Gebäudeebene besteht zudem ein Höhenunterschied. Die Arbeitsgemeinschaft Cunéod & Payot SA und Marti Bauunternehmungen AG hat sich für acht Meter hohe Mauern entschieden und verwendet als Anschlussbewehrung für die Deckenplatten EBEA- oder Schraubanschlüsse. Beim Bau wurden Metallschalungen der Marke SATECO verwendet, da diese sehr leicht zusammengebaut werden können und es zudem ermöglichen, solch hohe Mauern in einer einzigen Etappe zu erstellen. Da die Anzahl der Wände und der tragenden Elemente in diesem Hohlzylinder auf ein Minimum reduziert ist, sind die Spannweiten gross. Um den Bewehrungsgehalt gering zu halten, wurde für die Betondecken der Normalgeschosse und der Parkplätze die Cobiax-Technologie eingesetzt: Dabei werden Kugeln aus rezykliertem Kunststoff in Bewehrungskörben eingesetzt, wobei sowohl die Deckenstärke als auch die Bewehrung und die Vorspannung der Betonplatten reduziert werden können. Die Schwierigkeit bei diesem Verfahren liegt in der Einbringung des Betons, die in zwei Durchgängen erfolgen muss, um dem Auftrieb der Kugeln entgegenzuwirken. Die wenig verbreitete Technik kommt in dieser Region erstmals zum Einsatz. Der Cobiax Technologies AG wurde an der Swissbau 2010 für das Kunststoffkugel-Verfahren der Umweltpreis der Schweiz verliehen.

Da die UEFA, vertreten durch Botta Management, ein genaues Eröffnungsdatum vorgegeben hat, muss bei den Arbeiten ein strikter Zeitplan eingehalten werden. Die Dachbetonplatte wurde Anfang Oktober erstellt. Gleichzeitig wurden die Fassaden hochgezogen. «Das ist eine der Besonderheiten dieser Baustelle. Um keine Zeit zu verlieren, wurde bereits mit der Verglasung des Tief- und Hochparterres begonnen, während die obersten Betondecken noch gegossen wurden», erklärt Stefano Marello. Das ist für ein vierstöckiges Gebäude eine aussergewöhnliche Methode, denn diese parallele Arbeitsweise wird normalerweise erst bei Bauwerken mit zehn oder mehr Stockwerken eingesetzt. Hat sich denn die Strategie, ein Eröffnungsdatum vorzugeben, bewährt? «Ja, insofern als sie zum Nachdenken anregt, um die beste, schnellste und effizienteste Lösung zu finden», meint der Architekt. (Emilie Veillon)