Ein Hotel wie aus dem Comic

Ein Hotel wie aus dem Comic

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Teaserbild-Quelle: zvg
Mit seinem riesigen Sky Park in 200 Meter Höhe und seinen geschwungenen Türmen sieht das Marina Bay Sands Hotel aus, als entstamme es der Phantasie eines Comiczeichners. Doch das Gebäude des Architekten Mosche Safdie ist real – und feierte soeben seinen ersten Geburtstag.
Drei schwungvoll geformte Doppel-Hochhäuser, die ein bisschen wie Kerzenständer aussehen, und darauf eine wie eine Banane gekrümmte Dachterrasse: Das Gebäude sieht aus, als ob es in Gotham City stünde, der Heimat von Batman.
 
Doch der Komplex, mit Namen Marina Bay Sands Resort, ist real und befindet sich im südostasiatischen Stadtstaat Singapur. Es handelt sich dabei um ein Hotel, ersonnen vom israelisch-kanadischen Architekten Moshe Safdie, dessen 2561 Zimmer in den drei 55-stöckigen Türmen untergebracht ist. Nebst den Zimmern hat die Anlage ein riesiges Konferenz- und Ausstellungszentrum zu bieten, eine Shopping Mall, ein Kunst- und Wissenschaftsmuseum, zwei Theatersäle, sechs Restaurants, diverse weitere Bars und zwei schwimmende Pavillons zu bieten.
 

146-Meter-Pool

Überragt werden die Drillinge vom Sky Park, einem 340 Meter langen Dachgarten, der in 191 Metern Höhe eine fantastische Aussicht bietet. Wer will, kann diese auch schwimmen geniessen: Der Sky Park besitzt ein nicht weniger als 146 Meter langes Schwimmbecken, das zurecht "Infinity Pool" ("Pool der Unendlichkeit") heisst. Da der Dachgarten beim Nordturm um 67 Meter vorspringt, darf er sich auch als grösste öffentliche Auslegerplattform der Welt bezeichnen.
 
Um die durch Wind verursachten Bewegungen der Türme auszugleichen, gibt es vier Bewegungsfugen zwischen den drei Pools mit bis zu 500 Millimeter Spiel. Individuelle Hebestützen unter jedem Pool vermögen Bodensenkungen der Türme auszugleichen, damit der Infinity Pool auch in Zukunft problemlos funktioniert.
 

1600 einarmige Banditen

Das Marina Bay Sands ist aber nicht nur ein Hotel samt riesiger Himmelsbadi, sondern auch und vor allem ein Spielkasino, das mit 1000 Tischen und 1600 einarmigen Banditen die Gambler aus aller Welt anlocken soll. Bauherr des megalomanen Komplexes ist denn auch die Las Vegas Sands Corporation, ein Hotel- und Kasinokonzert mit Sitz in einem Vorort des Spielerparadies Las Vegas. Ihr erstes realisiertes Projekt war 1999 das Venetian Resort-Hotel-Casino in Vegas, das die Stadt Venedig im Kleinen reproduziert. In Singapur hat Las Vegas Sands rund 6,8 Milliarden Franken investiert. Man erwartet jährliche Gewinne von gegen 900 Millionen Franken.
 
Eröffnet wurde das Marina Bay Sands am 23. Juni letzten Jahren mit einem zwei Tage dauernden Fest. Dazu gabs eine Kletter-Weltmeisterschaft, bei der 21 waghalsige Freeclimber die Glasfassade zum Sky Park erklommen. Zum Glück konnten sie dort dann ein erfrischendes Bad nehmen. (bk)

Moshe Safdie

Der israelisch-kanadische Architekt Moshe Safdie, 1938 geboren, macht erstmals durch das Habitat-67-Projekt in Montreal auf sich aufmerksam, einen am Sankt-Lorenz-Strom gelegenen Komplex, bestehend aus stufenförmig zu Pyramiden aufgestellten 354 Quadern mit insgesamt 158 Wohneinheiten für bis zu 700 Bewohner. Sie wurde als Teil der 1967 in Montreal stattfindenden Weltausstellung Expo 67 errichtet.
Während das Habitat-Projekt seinen Bewohnern nicht mehr als den minimal nötigen Wohnraum zur Verfügung stellte, wagte sich der Architekt später auch an grosse Projekte, so wie kanadische Nationalgalerie in Ottawa (1988 vollendet), die öffentliche Bibliothek in Vancouver (1995) oder die neue Holocaust-Gedenkstätte in Yad Vashem bei Jerusalem. Das Marina Bay Sands stellt dennoch sein mit Abstand grösstes Projekt dar. Und eins, das mit Blick auf das Werk des Architekten, völlig aus dem Rahmen fällt. (bk)