Durchstich am Brennerbasistunnel-Südportal

Durchstich am Brennerbasistunnel-Südportal

Teaserbild-Quelle: BBT
Durchstich am Brennerbasistunnel--Südportal

Seit September 2015 wird am wichtigsten Verkehrsprojekt im Alpenraum gebaut. Letzte Woche wurde das Südportal für den Brennerbasistunnel durchstochen Bisher sind 93 Tunnel-Kilometer der insgesamt geplanten 230 Kilometer Tunnelröhren aufgefahren.

Der Brennerbasistunnel (BBT) bildet das Herzstück der Eisenbahnachse Berlin-Palermo im sogenannten Skandinavisch-Mediterranen Kernkorridor des TEN-Programms der EU. Der Tunnel ist inklusive der bereits bestehenden Eisenbahnumfahrung Innsbruck 64 Kilometer lang und wird nach seiner Fertigstellung die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt sein.

Sicherungsarbeiten imAbschnitt der Periadriatischen Naht unterhalb des Brennerpasses.
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BBT

Sicherungsarbeiten im Abschnitt der Periadriatischen Naht unterhalb des Brennerpasses.

Derzeit werden rund zwei Drittel des sich auf rund 40 Millionen Nettotonnen belaufenden Güterverkehrs über den Brenner auf der Strasse abgewickelt und nur ein Drittel auf der Schiene. Dies soll sich mit der Fertigstellung des BBT umkehren. Zudem werden auch Personenzüge den Tunnel queren. Mit dem Ausbau der Strecke soll dem zunehmenden Fahrzeugstrom über den Brennerpass Einhalt geboten werden und sich die Lebensbedingungen der Menschen entlang der Brennerlinie markant verbessern.

Überdies soll der wetter- und strassenunabhängige Transport so störungsfreier und schneller ablaufen. Mit 120 Stundenkilometern sollen die Güterzüge die zwei Tunnelröhren passieren können. Nicht zuletzt erhofft sich auch die Schweiz eine Entlastung beim alpenüberquerenden Schwerverkehr, vor allem auf der Gotthardstrecke.

Durchbruch des Brennerbasistunnels am Südportal
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BBT

Durchbruch des Brennerbasistunnels am Südportal auf Südtiroler Gebiet.

Zwei Hauptröhren mit durchgehendem Erkundungsschacht

Die beiden 8,1 Meter breiten Hauptröhren verlaufen in einem Abstand von 40 bis 70 Metern und werden alle 333 Meter durch Querschläge miteinander verbunden. Der zweiröhrige Tunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste ist 55 Kilometer lang. Zwölf Meter unterhalb der beiden Hauptröhren verläuft mittig ein durchgehender Erkundungsstollen, der während der Bohrarbeiten Aufschluss über die Beschaffenheit des anstehenden Materials gibt. Dieser Stollen dient nach der Fertigstellung des BBT zur Entwässerung des Tunnelsystems.

Vier seitliche Zufahrtstunnel in Ampass, Ahrental, Wolf bei Steinach am Brenner sowie in Mauls bilden die Anschlüsse. Aktuell wird der BTT an vier Stellen vorangetrieben. Jeweils zwei Baustellen befinden sich auf österreichischem und italienischem Staatsgebiet. Gearbeitet wird an den Zufahrtsstrecken in Ahrental, Wolf und Mauls sowie am Tunnelportal Franzensfeste. Im Tunnel Ahrental werden die Hauptröhren in Nord- und Südrichtung sowie der Erkundungsstollen in Richtung Zufahrtsstrecke Wolf vorangetrieben. Für den Anschluss Wolf wird momentan der Erkundungstunnel in südliche Richtung erstellt. Auf Südtiroler Terrain werden von der Anschlussstelle Mauls alle drei Tunnelröhren in nördliche Richtung vorangetrieben. Am Tunnelportal in Franzensfeste wird derzeit an den beiden Hauptröhren gebaut. Die Scheitelhöhe des BBT liegt auf 790 Meter über Meer, 580 Meter unterhalb des 1'371 Meter hohen Brennerpasses.

Die  prognostizierten Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf etwa 10 Milliarden Euro. An der Finanzierung beteiligen sich Österreich, Italien und die EU. Die EU hat 50 Prozent der Planungskosten übernommen und zahlt mit über 300 Millionen Euro rund die Hälfte der Kosten des Erkundungsstollens sowie fast 880 Millionen Euro, also rund 40 Prozent, der Kosten der beiden Haupttunnelröhren. Damit ist der BBT das am höchsten geförderte Infrastrukturprojekt Europas. Die restlichen Kosten tragen Italien und Österreich zu gleichen Teilen.

Die Fertigstellung des 55 Kilometer langen Eisenbahntunnels wird für Ende 2025 angestrebt. Nach einer mehrmonatigen Testphase ist für 2016 die Öffnung für den Verkehr geplant. (cb)

Aktuelle Informationen zu den Baufortschritten unter  www.bbt-se.com/tunnel/baufortschritt/