Der statische Kniff mit den Kugeln

Der statische Kniff mit den Kugeln

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Beton und Gewicht einsparen, ohne dass die Decken an Tragfähigkeit einbüssen: In der Überbauung Superblock in Winterthur machen dies 224 000 Kunststoff-Kugeln möglich. Als Hohlkörper sorgen sie für einen zweckmässigen ­Materialeinsatz. Ein Steckbrief einer von Vogelknochen inspirierten Erfindung.
 
 
 
«Ein LKW mit Cobiax-Kugeln ersetzt sechs Fahrmischer mit Beton», sagt Raymond Cron, Leiter Realisation bei der Generalunternehmung Allreal. Ein ­starker Anreiz, um beim Betonieren der Decken im Superblock auf die schwarzen Ballone oder – wie sie die Bauarbeiter scherzhaft nennen – die «weichen Curlingsteine» zu setzen. Doch welche Überlegungen stehen hinter diesem Betonieren unter Beimischung von Hohlkörpern der ­Cobiax Technologies AG aus Zug? Material, das für die Stabilität einer Decke nicht benötigt wird, ist unnötige, teure und ressourcenverbrauchende Masse. Oberstes statisches Ziel muss der zweckmässige Materialeinsatz sein. Wie es geht, zeigt die Natur. ­Vögel können trotz Eigengewicht fliegen, da ihre Knochen ­unter der harten Schale aus Verstrebungen ­bestehen und Hohlräume aufweisen. ­Stabil sind sie dennoch.
 
Auf die Betondecken im Superblock übertragen heisst es somit, möglichst viel Beton wegzulassen, dabei aber gleichzeitig die volle statische Leistung zu erhalten. Beim Einsatz der ­Cobiax-Kugeln ersetzen leichte Hohlkörper aus rezykliertem Kunststoff den schweren Beton überall dort, wo er statisch nicht wirksam ist. Die Kunststoff-Hohlkörper werden in modulartigen Körben zwischen der oberen und unteren Bewehrung der Betondecke positioniert und verdrängen so den Beton. Die durchschnittliche Betoneinsparung beträgt 20 Prozent, so Praxisberichte. Das Deckengewicht reduziert sich ­gemäss Herstellerangaben sogar um bis zu 35 Prozent, was sich positiv auf die Tragwerksstruktur auswirkt. Die Cobiax-Module weisen beim Superblock einen Durchmesser von 45 Zentimetern auf und eignen sich damit für Deckenstärken von mindestens 60 Zentimetern. Bis heute werden die Kugeln aber vor allem bei Grossbauten eingesetzt, ermöglichen sie doch Spannweiten von bis zu 20 Metern sowie ­flache Untersichten ohne Unterzüge.
 
Die Materialeinsparungen waren beim Superblock jedoch nicht ohne Flexibilität zu realisieren. Die meisten Bauarbeiter, die an den konventionellen Deckenbau gewohnt sind, mussten sich erst an das Betonieren unter Verwendung der neuen Module gewöhnen. Um dem Auftrieb der Kugeln entgegenzuwirken, war beim Einbringen des Betons geschicktes Handling gefragt. (gd)