Den Frauen auf die Sprünge helfen

Den Frauen auf die Sprünge helfen

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Teaserbild-Quelle: HSR Hochschule für Technik Rapperswil
Das Bauingenieurwesen ist immer noch fest in Männerhänden. Je länger je mehr begeistern sich aber auch Frauen für diesen vielseitigen Beruf. Ob sie darin Fuss fassen können, war Thema des Innovations-Apéros der Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Im Gespräch geht Referentin Ruth Genner, Vorsteherin des Tiefbaudepartements in der Stadt Zürich, auf ihre eigenen Erfahrungen und Eindrücke ein.
HSR Hochschule für Technik Rapperswil
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HSR Hochschule für Technik Rapperswil
Ganz nach ihrem Geschmack: Praxisorientiertes Lernen fällt den Frauen leichter.
 
Dass die Technik auch heute noch als männlich gilt, hat mit unseren Vorbildern zu tun», meint Irene Aegerter, Vizepräsidentin der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften. «Vieles, was wir lernen, prägen wir uns durch Nachahmung ein. Das bedeutet: Weil Frauen nicht mehr Vorbilder, sprich Identifikationsmöglichkeiten in technischen Belangen haben, ist es für sie schwieriger, eine Beziehung zur Technik aufzubauen.» Als Folge davon sind Ingenieurberufe noch immer fest in Männerhand. So liegt der EU-Durchschnitt des Frauenanteils mit Hochschulabschluss in den Fächern Naturwissenschaften, Mathematik und Technik gerade mal bei 31 Prozent, in der Schweiz bei 17 Prozent (Stand 2009). Doch immerhin: Dieses Ungleichgewicht war schon einmal ausgeprägter und tendenziell wächst der Frauenanteil. Einer Studie des Vereins «IngCH Engineers Shape our Future» gemäss haben sich 2009 im Vergleich zum Jahr 2000 27 Prozent mehr weibliche Studenten für ein technisches Fach an der ETH oder Universitäten eingeschrieben. Bei den Hochschulen betrug dieser Wert 16 Prozent.
 
Das wachsende weibliche Interesse für das Ingenieurswesen ist insofern positiv zu bewerten, als es den Anforderungen des Marktes entspricht. Frauen werden gebraucht – nicht nur wegen ihrer fachlichen und persönlichen Qualifikationen, sondern auch, weil sich ein Fachkräftemangel abzeichnet. Besonders betroffen sind die Branchen Informatik, Elektrotechnik, Maschinenbau und Bauingenieurwesen. Inwiefern die Frauen in diesem Bereichen ernst genommen werden, und ob sie nicht nur als Ersatz für die Männer dienen, versuchte die Fachtagung «Ingenieurinnen – Lückenbüsserinnen im akuten Fachkräftemangel?» (siehe «Hintergrund») zu beantworten. Vor Ort war auch Ingenieurin und Zürcher Stadträtin Ruth Genner, die das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement der Stadt Zürich leitet. Sie hat an der ETH Lebensmittel-Technologie studiert.
 
«baublatt»: Was schätzen Sie besonders an Ihrem Beruf als Ingenieurin?
Ruth Genner: Das Studium an der ETH im Bereich der Lebensmittel-Technologie hat mir mit seiner inhaltlichen Breite viel Freude gemacht und auch verschiedenste Aspekte unseres Alltags erschlossen. Was ich aber besonders gelernt habe, sind Arbeitsmethoden, namentlich Problemanalysen, das Aufarbeiten von Fakten und dann das Vorbereiten von Entscheiden. Das hilft mir auch heute, fern der Lebensmittelwissenschaften, im Politbetrieb.
 
Wie gross ist der Bedarf nach Ingenieuren in der Baubranche?
Zurzeit können im Tiefbauamt nicht alle Stellen besetzt werden. Für die Zukunft braucht es vermehrt das Verständnis von Ingenieuren zur Bewältigung von Infrastruktur- und Umweltproblemen und allem voran wünsche ich mir mehr Ingenieurinnen als Kolleginnen.
 
Inwiefern können Frauen hier aushelfen?
Nicht aushelfen, sondern gleichberechtigt mithelfen! Ich bin überzeugt, wir brauchen im Sinne der Diversity auch Frauen in den Ingenieurberufen.
 
Haben Sie jemals Probleme mit Ihrer Glaubwürdigkeit gehabt in Ihrem Beruf als Ingenieurin und als Vorsteherin des Tiefbaudepartments?
Punkto Glaubwürdigkeit gab es keine Probleme. Meine Sorge war, Beruf und Familie verbinden zu können. Das war im Wesentlichen der Grund, warum ich lange Jahre an der ETH arbeitete, dort konnte ich vor bald 30 Jahren mit einem Jahresarbeitszeitmodell arbeiten.
 
Warum sind Sie Ingenieurin geworden?
Mich faszinierten naturwissenschaftliche Fächer schon während der Kantonsschulzeit. Deshalb wären Chemie oder auch Agronomie mögliche Studienfächer gewesen. Emotional wollte ich mich im Kampf gegen den Hunger engagieren. Das war der Grund, warum ich Lebensmittel-Ingenieurin ETH studierte.
 
Wie hat sich der Frauenanteil seit Ihrer Studienzeit verändert?
Es gibt inzwischen viele Frauen, die Lebensmittelwissenschaften studieren. Bei den Maschineningenieuren – das sind unsere Partner im Fachbereich – ist das leider nicht der Fall. Für eine Veränderung ist besonders die Berufsperspektive ein wichtiger Motor. Solange die Branche nicht andere Arbeitsmodelle und Teilzeitjobs anbietet, wird es schwierig sein, mehr Frauen dafür zu motivieren.
 
Sind Sie der Meinung, dass Frauen andere Aspekte in den Beruf des Ingenieurs bringen, können zum Beispiel verstärktes Umweltbewusstsein?
Frauen bringen andere Erfahrungshintergründe mit und Studien zeigen, sie verändern, wenn es mehrere sind, auch die Betriebskultur. Florencia Figueroa