Dächer für Ghana

Dächer für Ghana

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Die Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau (BFH-AHB) hat in Ghana ein Ausbildungsmodul in Dachkonstruktionen ausHolz durchgeführt. Ghana ist für die BFH-AHB zum wichtigstenLand im Bereich Entwicklungszusammenarbeit geworden.
 
Die langjährige Beziehung der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau (BFH-AHB) zu Ghana wurde 2005 intensiviert. Seither besteht ein stetiger Austausch: Studierende und Dozenten beider Länder besuchen sich gegenseitig, führen Projekte durch oder nehmen an Weiterbildungen teil. Die drei aktuellen Forschungsprojekte befassen sich alle mit dem Holzbau in Ghana. Ein vom Schweizerischen Nationalfonds und von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) unterstütztes Projekt widmet sich der Erforschung wenig genutzter Holzarten in dem westafrikanischen Land. Die Forschungsergebnisse finden Eingang in lokale Holzbauprojekte – speziell im Brückenbau. Das zweite Projekt beinhaltet eine enge Zusammenarbeit im Bereich Schulmanagement mit der St. Paul’s Technical School in Kukurantumi. Das dritte Projekt fördert, in Zusammenarbeit mit dem Wood Industries Training Center (WITC) in Kumasi, den Holzbau in Ghana, einen Bereich, der bis dahin noch kaum entwickelt ist.

Einfaches Niveau

Der Holzbau in Ghana befindet sich auf einfachem, wenig strukturiertem Niveau und entspricht in vieler Hinsicht einem durchschnittlichen Heimwerkerstandard. Die oft fehlende vorbereitende Planung von Holzkonstruktionen führt zu Engpässen im Materialfluss, zeitlichen Verzögerungen und letztendlich zu wenig durchdachten Konstruktionen. Oft wird mit Handwerkszeug gearbeitet; Maschinen und technische Geräte sind nicht ohne Weiteres erhältlich und oft auch sehr teuer. Die Zusammenarbeit mit dem WITC entstand aus dem ersten Projekt der BFH-AHB in Ghana. Die Forscher um Maurice Brunner planten die Umsetzung der Forschungsresultate in eine Holzbrücke.
 
Um den lokalen Holzbau zu unterstützen, suchten sie nach Partnern für den Bau. Die Schwierigkeiten, denen sie begegneten, machten sie aufmerksam auf das Defizit, das in der Holzausbildung in Ghana besteht. Daraus entstand schliesslich das Projekt mit dem WITC. Um den Holzbau in Ghana zu fördern, setzt das Projekt an zwei Punkten an. Einerseits sollen lokale Fachpersonen im Holzbau weitergebildet werden, andererseits sollen Bauten aus Holz fachgerecht und zeitlich terminiert realisiert werden, um durch ihre Ausstrahlung lokale Bauherren zu Folgeprojekten zu motivieren.

Erstes Weiterbildungsmodul in Dachkonstruktionen

Im April 2009 wurde am WITC ein erstes zweiwöchiges Ausbildungsmodul durchgeführt. Dieses beinhaltete Ausführungen zur Verwendung von Holz, Sicherheitsvorschriften in der Werkstatt und auf der Baustelle sowie Dachkonstruktionen mit Schichtaufbau, Details und Planungsschritten rund um Dachkonstruktionen. Wesentlich ist hier, dass der vorhandene Holzbau so weiterentwickelt werden kann, dass mithilfe fachlich und qualitativ bessere Holzkonstruktionen entstehen können.
 
Das Thema Dach wurde als eines wichtigsten eingeschätzt und schien deshalb für das erste Modul am besten geeignet. Geleitet wurde der Kurs von Joseph Orduro und Emmanuel Gotha, beide Dozenten am WITC. Sie hatten 2008 während vier Monaten unterstützt durch die BFH-AHB in der Schweiz den Weiterbildungskurs vorbereitet. Zudem war mit Michael Riggenbach auch ein Holzbauspezialist der BFH-AHB vor Ort. Gemeinsam mit den zehn Kursteilnehmern bereitete er ein Walmdachmodell vor, erläuterte den Ablauf von der Idee bis zur Ausführung und setzte schliesslich das Modell in die Praxis um. Kursteilnehmer waren Lehrkräfte von Schulen der Holzbranche aus dem südlichen Ghana und wenige Studenten mit der Studienrichtung Holz. Der Kurs fand bei den Teilnehmern guten Anklang. Grundsätzlich wäre es wünschenswert, diesen Kurs auch Zimmerleuten anzubieten. Die Durchführung und weitere Kursmodule obliegen derzeit der Schule WITC in Kumasi.

Eine Brücke hilft dem Dorf

Als Projekt wird in Verbindung mit dem ersten Modul eine insgesamt 28 Meter lange Fussgängerbrücke aus Holz gebaut. Die Brücke besteht aus zwei 14 Meter langen Einheiten und ermöglicht einem kleinen Dorf den Zugang zur Verbindungsstrasse. Während der Regenzeit wird das Dorf regelmässig von der Umwelt abgeschnitten. Die Brücke hilft, dieses Problem zu lösen und erleichtert die Mobilität der Dorfeinwohner. Die ersten Vorbereitungsarbeiten wurden abgeschlossen, die Fundamente sind bereits gesetzt. Nun folgt in einem nächsten Schritt der Bau der Brücke.Das erste Modul, bestehend aus der Weiterbildung und dem Brückenprojekt, wurde durch Stiftungen (Arthur-Waser-Stiftung, Stiftung Corymbo) sowie Unternehmen (Hilti Schweiz AG, SFS Unimarket AG) und Beiträge der öffentlichen Hand finanziert. Sobald der Abschlussbericht des ersten Moduls erschienen ist und die Finanzierung für den nächsten Zyklus gewährleistet werden kann, wird die Planung von weiteren Modulen in Angriff genommen.
 
Mögliche Themen sind der Brückenbau sowie die Konstruktion von Schulhäusern in ländlichen Gebieten, beides Bereiche, in denen ein grosser Bedarf, aber auch ein grosses Potenzial für den Holzbau besteht.
 
Seit 2006 beschäftigt die BFH-AHB in Ghana einen lokalen Bauingenieur, der sich um die laufenden Projekte kümmert. Emmanuel Appiah-Kubi, der diese Funktion innehat, wurde zuvor in der Schweiz im Holzbau weitergebildet. Gemäss Kurt Wüthrich, Leiter des Center for Development and Cooperation (CDC) der BFH-AHB, liegen die grössten Herausforderungen der Zusammenarbeit zwischen Ghana und der Schweiz «in der andersartigen Angehensweise von Projekten, vor allem in den Bereichen Planung und Organisation».

Interkultureller Ansatz wichtig für Lösungsfindung

Die BFH-AHB setzt deshalb einen Schwerpunkt auf den interkulturellen Austausch zwischen den involvierten Holzbaufachleuten. Dies beinhaltet die Weiterbildung von ghanaischen Mitarbeitenden in der Schweiz wie auch die Tätigkeit der BFH-AHB Mitarbeiter vor Ort. «Dieser interkulturelle Austausch ist» laut Wüthrich «von zentraler Bedeutung für die Lösungsfindung. Nur durch das gegenseitige Verständnis der anderen Kultur können Lösungsansätze gefunden werden.» Die positiven Ergebnisse der letzten Jahre sprechen für sich.