Baumaterial mit Zukunft

Baumaterial mit Zukunft

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Die globale Wirtschaftskrise hinterlässt tiefe Spuren auch im Handel und Absatz von Naturstein, beispielsweise von Granit oder Marmor. Dies zeigte sich deutlich auf der 16. Internationalen Natursteinsteinfachmesse Stone+tec 2009 in Nürnberg. Trotzdem herrschte bei den 770 Ausstellern aus 43 Ländern alles andere als Weltuntergangsstimmung.
 
Dreissig Jahre alt ist die Stone+tec inzwischen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1979 bewährt sie sich als einer der weltweit wichtigsten Treffpunkte von Produzenten, Händlern, Verarbeitern und Anwendern von Natursteinen jeder Art. Nach der Wende erlebte die stark international geprägte Natursteinwirtschaft in Deutschland einen Boom. Entsprechend hohe Wachstumsraten verzeichnete damals auch die Stone+tec. Diese Entwicklung ist jetzt gestoppt worden. Gegenüber dem Höchststand zu Beginn des Jahrhunderts stellten diesmal über 300 Unternehmen weniger aus.
 
Klar rückläufig war auch der Messebesuch. Es wurden 34 458 Eintritte gezählt, das sind rund 16 Prozent weniger als bei der letzten Messe vor zwei Jahren. Die nach der Messe befragten Aussteller lobten indessen ausdrücklich die hohe Qualität und das lebhafte Interesse der Besucher, die zu fast einem Viertel aus dem Ausland angereist kamen, nicht wenige auch aus der Schweiz. Zurückgegangen ist – bei Ausstellern wie Besuchern – die Beteiligung aus Asien, insbesondere aus China und Indien, den beiden heute wichtigsten Naturstein-Produzentenländern. Aus China kamen diesmal nur 83 Aussteller; vor zwei Jahren waren es noch 150, vor vier Jahren sogar noch 172 Aussteller gewesen. Trotz dieses Aderlasses umfasste die Angebotspalette in den Ausstellungssegmenten Naturstein, Technik sowie Grabmal und Zubehör die ganze vielseitige Material- und Produktevielfalt.

Klimawandel und Materialwahl

Welchen Beitrag vermag Naturstein in der zeitgenössischen Architektur zu leisten und welchen zu einem ökologischeren, nachhaltigen Bauen? Mit diesen Fragen setzte sich während der Messe das «ArchitekturForum Naturstein» auseinander. Anlass dazu bot die Verleihung des 14. Deutschen Naturstein-Preises («baublatt» 21/2009). Wichtigstes Ziel des Preises, so Joachim Grüter, Präsident des Deutschen Naturstein-Verbands (DNV), sei es, Architekten, Planer und Bauherren an die Vielfalt und Schönheit des Materials Naturstein heranzuführen. Der vom DNV gemeinsam mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) und mit Unterstützung der Nürnberg Messe gestiftete Preis stelle einen Baustoff in den Vordergrund, der sich hervorragend zur Gestaltung des öffentlichen Raums und von individuellen Objekten eigne, sagte Grüter. Auch in Bezug auf Nachhaltigkeit, Ökologie und Energieeffizienz sei Naturstein vorbildlich. So mache Stein dank seiner hervorragenden Wärmespeicherung beispielsweise eine energie- und kostenintensive künstliche Kühlung überflüssig: «Das ist mit Blick auf die Klimawandel-Problematik eine besonders wertvolle Eigenschaft.»
 
Auch Michael Frielinghaus, Präsident des BDA und Vorsitzender der Wettbewerbsjury, stellte nebst gestalterischen Aspekten ökologische Überlegungen in den Vordergrund. Seiner Meinung nach sollten Bauherren und Architekten vermehrt darüber nachdenken, welche Konsequenzen der Klimawandel auf die Materialwahl haben könnte. Für eine lebenswerte Zukunft brauche es Baukonzepte, welche die Interessen von Ökonomie und Ökologie, von Mensch und Natur, wahren und miteinander in Einklang bringen. Diese Anforderung könne Naturstein erfüllen. Sowohl was die Nachhaltigkeit als auch was die Einfügung in ein gewachsenes Ortsbild betreffe, schnitten Natursteine aus der Region, aus dem eigenen Land, besonders gut ab, betonte Frielinghaus. Der Deutsche Naturstein-Preis sei auch als Appell an Architekten und Bauherren zu verstehen, immer wieder nach neuen Wegen in der Anwendung von Stein zu suchen. Der BDA erachte den Preis deshalb als wichtigen Beitrag zur deutschen Architekturkultur.

Grosse Bandbreite der Anwendung

Den Hauptpreis des Deutschen Naturstein-Preises teilen sich die Architekturbüros Kister Scheithauer Gross, Berlin, für die Erweiterung und Sanierung des Stadtarchivs in Halle und Weinmiller Architekten, Köln, für den Neubau der L-Bank in Karlsruhe. Die beiden prämierten Objekte, so BDA-Präsident Frielinghaus in seiner Laudatio, «decken wichtige Themen in der aktuellen Architekturdiskussion ab und zeigen exemplarisch die grosse Bandbreite des Einsatzes von Naturstein – von der architektonischen Intervention im Bestehenden bis hin zu einem den Stadtraum prägenden Neubau».
 
Unter der Leitung von Wolfgang Bachmann, Chefredaktor der deutschen Architekturzeitschrift «Baumeister», entwickelte sich anschliessend eine lebhafte Diskussion über Chancen und Möglichkeiten des Bauens mit Naturstein im heutigen Architekturumfeld. Angesprochen wurde dabei unter anderem auch die Frage der langen und energieintensiven Transportwege beim Import von Natursteinen aus weit entfernten Ländern und damit zusammenhängend der oft geforderte vermehrte Einsatz von einheimischen Steinsorten. Laut DNV-Geschäftsführer Reiner Krug wäre Deutschland grundsätzlich auch heute noch in der Lage, etwa 90 Prozent des gesamten Natursteinbedarfs aus eigenen Vorkommen zu decken. «Wenn es allein um den Preis geht, sind wir gegenüber Billigimporten nicht konkurrenzfähig«, betonte er, «wohl aber, wenn Qualität und Nachhaltigkeit miteinbezogen werden.»
 
Die Verleihung des Peter-Parler-Preises für herausragende Restaurierungsarbeiten bei Natursteinobjekten, eine Sonderpräsentation über die Zukunft der Grabmalbranche sowie eine ergänzende Vorstellung einer aktuellen Grabmalstudie durch den Trendforscher Matthias Horx bildeten weitere Höhepunkte der 16. Stone+tec. Die nächste ist für Mai/Juni 2011 wiederum in Nürnberg geplant.