Bauen am Kraftwerk der Zukunft

Bauen am Kraftwerk der Zukunft

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Architekt Lord Norman Foster betonte die Wichtigkeit solarer Architektur und stellte sein Projekt Masdar City vor.
Bekannte Namen adelten die 20. Ausgabe des Schweizer Solarpreises in Zürich. In der Kategorie Persönlichkeiten und Institutionen wurden die Solarflugpioniere Bertrand Piccard und André Borschberg geehrt. Zum ersten Mal wurden Plusenergiebauten vom weltberühmten Architekten Lord Norman Foster ausgezeichnet. Das Haus als Kraftwerk war Kernthema der Veranstaltung.
 
Architekt Lord Norman Foster betonte die Wichtigkeit solarer Architektur und stellte sein Projekt Masdar City vor.
 
Eine gute Minergie-P-Passivhaus-Wärmedämmung, eine Solaranlage auf dem Dach und fertig ist der Plusenergiebau (PEB), der mehr Energie erzeugt als er benötigt: so umschreibt Gallus Cadonau, Geschäftsführer der Solar Agentur Schweiz, das Kraftwerk der Zukunft. An der 20. Verleihung des Solarpreises wurde mit dem Potenzial der PEB eine kühne Vision gezeichnet. Der durchschnittliche Eigenversorgungsgrad der elf für die Preisvergabe angemeldeten Plusenergiebauten betrug 136 Prozent. Würden alle 1,8 Millionen Gebäude der Schweiz in diesem Masse Energie produzieren, könnte damit die Leistung von 22 Atomkraftwerken mit einer Jahresenergieerzeugung von 7,5 Terawattstunden (7500 Gigawattstunden) substituiert werden – 70 Prozent des gesamten Schweizer Endenergiekonsums, so die Rechnung der Schweizer Solaragentur.
 
Um auf das gewaltige Potenzial der PEB aufmerksam zu machen, wurden an der Jubiläumsveranstaltung des Schweizer Solarpreises nicht nur 17 Preise für Persönlichkeiten, Institutionen, Gebäude und Energieanlagen für erneuerbare Energien vergeben, sondern erstmals auch der mit 100 000 Franken dotierte Norman Foster Solar Award. Der weltberühmte Architekt war angereist, um drei Plusenergie-Neubauten persönlich auszuzeichnen, in denen Technologie, ästhetische Architektur und Funktionalität optimal kombiniert wurden. Am besten gelang dies laut Jury beim Mehrfamilienhaus Kraftwerk B in Bennau SZ. Das Gebäude mit einem Eigenversorgungsgrad von 110 Prozent wurde schon 2009 mit einem Solarpreis ausgezeichnet und vom Architekturbüro Grab Architekten AG und der Bauherrschaft Sanjo Group, Josef Grab, realisiert. Auf Platz zwei platzierte sich der Plusenergiebau Cadruvi & Joos in Ruschein GR von der Bauherrschaft Maria Cadruvi und Andreas Joos und dem Architekturbüro Vincenz + Weishaupt. Für den dritten Rang wurde die Plusenergiebau-Sanierung Züst in Grüsch GR erkoren, erstellt von Züst Haustechnikplanung und dem Architekturbüro Architetta Schiers AG. Neben dem Norman Foster Solar Award wurde zudem der Plusenergiebauten-Solarpreis vergeben, in dem Bauten geehrt wurden, die zwar sehr hohe Eigenversorgungsgrade aufweisen – beispielsweise 182 Prozent bei einer PEB-Saneriung in Vaduz –, deren Architektur die Jury aber nicht vollständig überzeugte.
 

Viel Prominenz am Rednerpult

Internationale Prominenz war vertreten, um die Solarpioniere zu würdigen. Neben Lord Norman Foster, der sein Projekt Masdar City (www.masdar.ae), eine Ökostadt in Abu Dhabi, präsentierte, standen unter anderem Jo Leinen, Mitglied des EU-Parlaments, Urs Oberholzer, Präsident des Bankrates der Zürcher Kantonalbank, Ständerat Hannes Germann, Nationalrat Roger Nordmann, Solarpreis-Jurypräsident Marc H. Collomb sowie die Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg am Rednerpult. Piccard und Borschberg wollen mit ihrem Solarflugzeug Solar Impulse die Erde in mehreren Etappen umrunden (www.solarimpulse.com). Solar-«Guru» Wolfgang Palz präsentierte das brandneue Buch «Power for the World: The Emergence of Electricity for the World», ein Werk über die Photovoltaik, an dem 40 Autoren aus der ganzen Welt mitarbeiteten.