Aus alt wird neu und bleibt doch alt

Aus alt wird neu und bleibt doch alt

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Die vergangenen Jahrhunderte haben in Basel an der Clarakirche und dem Privathaus «Zum Süssen Haus» ihre Spuren hinterlassen. Eine gute Gelegenheit für die Denkmalpflege anhand dieser beiden Gebäude der breiten Öffentlichkeit ihre Arbeit vorzustellen.
 
Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Bundesämter für Kultur und Statistik hat ergeben, dass zwei Drittel aller Schweizer regelmässig Denkmäler und historische Stätten besuchen.
 
«Damit die Schweizer dieses Angebot auch weiterhin nutzen können, ist die Arbeit der Denkmalpflege unerlässlich.» Mit diesen Worten leitete Alexander Schlatter, Leiter der Basler Denkmalpflege, die Vorstellungsrunde der Basler Denkmalpflege ein. Anhand von zwei Objekten, der Clarakirche und dem Privathaus «Zum Süssen Haus», stellte sie ihre Arbeit vor. Bei der Denkmalpflege geht es im Kern um die Erhaltung alter Bausubstanz (siehe «Info»).
 
In und an der Clarakirche wird bereits seit Jahresbeginn gearbeitet. Die grösseren Schäden betreffen die Dachziegel, die nicht mehr dicht waren, und der Aussen- sowie Innenputz, die immer dunkler und unansehnlicher wurden. Weil dieses Jahr ein Jubiläum ansteht – vor 150 Jahren wurde der von der römisch-katholischen Kirche genutzte Sakralbau vergrössert und mit einem neuen Chorraum versehen – wird die Renovierung in nur acht Monaten durchgezogen. Im September müssen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Dann soll der Basler Bischof Kurt Koch die ursprünglich im 14. Jahrhundert erbaute Clarakirche mit einem Festgottesdienst neu einweihen. Für die Sanierung wendet der Kanton als Besitzer der Kirche rund vier Millionen Franken auf.

Bausubstanz unbedingt erhalten

Während es bei der Innensanierung der Kirche darum geht, die Fresken und dergleichen wieder zum Erstrahlen zu bringen, sollen bei der Aussensanierung die Schäden aus jüngerer Zeit beseitigt werden. 1974, als die Kirche letztmals saniert wurde, wählte man für die Fassade Kunststoffputz. «Rückblickend stellt sich diese Wahl als unglücklich heraus», so Schlatter. Deshalb werde dieser Putz nun abgetragen und durch einen neuen mineralischen Deckputz ersetzt. Weitere Sanierungen betreffen den Naturstein, der für den Kirchenbau verwendet worden ist. Er wurde in einzelnen Bereichen von den Steinmetzen ausgebessert oder ergänzt. Die Natursteinpartien werden sichtbar gelassen und mit einer Lasur versehen. Als oberster Grundsatz gilt: Wo immer möglich, soll die alte Bausubstanz aus dem 14. Jahrhundert erhalten bleiben. Dies gilt auch für das Innere der Kirche, wo die Wände einen neuen Anstrich erhalten. So werden Fresken, die einst übermalt worden waren und 1974 wieder zum Vorschein gekommen sind, erneut restauriert. Selbst das Dach soll in seiner uralten Substanz erhalten bleiben. Um dies zu gewährleisten, mussten die Dachdecker historische Ziegel besorgen. Keiner der verwendeten Ziegel ist jünger als 500 Jahre alt.

Verbindung zwischen Alt und Neu

In Grossbasel auf der andern Seite des Rheins steht der private Bau «Zum Süssen Haus», der wegen seiner grünen Farbe von der Mittleren Brücke aus ganz klar zu erkennen ist. Ein Geschwisterpaar hat das Haus gekauft und mithilfe der Denkmalpflege restauriert. Im Keller wurden dabei Verputzreste aus dem 12. Jahrhundert entdeckt. Der Kernbau selbst stammt aber aus dem 14. Jahrhundert. Später kamen Erweiterungen hinzu. Malereien aus dem 16. Jahrhundert galt es zu erhalten. Im zweiten Obergeschoss wurde ein grosser Raum entdeckt, dessen bemalte Holzdecke aus dem späten 16. Jahrhundert restauriert wurde.
 
Wichtig bei dieser Sanierung war die Verbindung zwischen Alt und Neu. So konnten zum Beispiel die 230 Jahre alte Eichenfenster erhalten werden, weil sie durch neue Isolierfenster geschützt sind.
 
Für die Restaurierungsarbeiten sprach der Kanton Basel-Stadt den Eigentümern einen Subventionsbeitrag in der Höhe von rund 105 000 Franken zu. Das Haus soll laut Schlatter auch unter Denkmalschutz gestellt werden.
 

INFO

Anfang des Jahres setzte der Kanton Basel-Stadt eine Verwaltungsreform durch. Seither gehört die Basler Denkmalpflege nicht mehr zum Erziehungsdepartement, sondern zum neuen Bau- und Verkehrsdepartement. Die Aufgaben, die die Amtsstelle ausführt, sind trotz dieser Umstellung dieselben geblieben. Dazu gehören die Inventarisation, Bauforschung, Schutzmassnahmen und Baubegleitung. Ergänzt werden diese Aufgaben durch die Dokumentation und die Administration.