Aufbruchstimmung auf der Allmend

Aufbruchstimmung auf der Allmend

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Der Messeplatz Luzern bereitet sich auf die Zukunft vor: Für über 50 Millionen Franken entstehen auf dem Allmend-Gelände zwei neue, moderne Event- und Messehallen. Im September 2009 wird die erste neue Messehalle dem Betrieb übergeben. Die zweite Halle wird ab spätestens 2013 gebaut.
 
Bei der Messe Luzern herrscht Aufbruchstimmung. Mit Investitionen von über 50 Millionen Franken wird die Infrastruktur der Messe Luzern fast vollständig erneuert. Zwei moderne Event- und Messehallen mit je 5000 Quadratmetern Fläche und die künftige S-Bahnhaltestelle der Zentralbahn werden dem Messeplatz Luzern ab 2013 ein neues Gesicht verleihen.
 
Die Messe Luzern AG betreibt heute die vier Ausstellungs- und Messehallen auf der Allmend. Rund 355 000 Personen besuchten 2008 über 40 Veranstaltungen. Die Neubauten werden es der Messe Luzern erlauben, künftig zusätzliche Eigenmessen und Gastveranstaltungen an diesem Standort anzusiedeln. Die moderne, funktionale Infrastruktur beider Hallen wird für Grossanlässe mit nationalem Charakter geeignet sein.
 
Aktuell rangiert Luzern auf Platz 7 aller Messeplätze in der Schweiz. Der Bau der ersten Halle, die im September bezugsbereit sein wird, ist der erste Schritt im Rahmen einer Gesamtentwicklung der Allmend, zu der die Tieferlegung der Zentralbahn, das neue Fussballstadion, ein «Breitensportgebäude» sowie zwei Wohnhäuser gehören. Investitionen von 650 Millionen Franken sind für die Realisierung aller Projekte geplant. Trotz dieser Grossbaustellen in unmittelbarer Nähe des Messeplatzes befindlichen wird der Betrieb in den vier Ausstellungs- und Messehallen während dieser Zeit ohne Unterbruch weiterlaufen.
 
2007 hatte die Luzerner Messe- und Ausstellungs AG (Lumag) sieben Architektenteams zu einem Studienauftrag für den Neubau der Luzernen Messehallen eingeladen. Im September 2007 wurde das Team «atelier ww» aus Zürich mit dem Projekt «Lumess» als Gewinner bekannt gegeben. Das renommierte 70-köpfige Architekturbüro zeichnet unter anderem für den Neubau der Messe Zürich verantwortlich.

Neubauten in zwei Etappen

Das Projekt in Luzern besteht aus zwei neuen Hallen, welche die heutige Festhalle und die Luga-Halle ersetzen. In der ersten Bauetappe wird die neue Halle 2 gebaut. Sie bietet auf 5000 Quadratmetern sämtlichen Komfort einer modernen Messehalle. Spätestens ab 2013, nach dem Abschluss der Rohbauarbeiten der Zentralbahn, wird die neue Halle 1 gebaut. Sie bietet auf ebenfalls 5000 Quadratmetern rund 7500 Personen Platz. Diese Halle ist nicht nur für reinen Messebetrieb konzipiert, sondern eignet sich Dank einem akustisch erhöhten Standard, der Raumhöhe von 14 Metern und den Backstage-Räumen auch für Events und Konzerte. Die Messehallen sind durch ein zweigeschossiges Foyer miteinander verbunden. Dieses bildet gleichzeitig den grosszügigen Eingangsbereich mit den Kassen, Garderoben, Schliessfächern und einer grossen Sanitäranlage. Eine Kaffeebar und dahinter liegendes Restaurant bilden den gastronomischen Teil. Markantester Gebäudeteil des Neubaus wird der viergeschossige Kopfbau als Teil der neuen Halle 1. Dieser definiert den nordwestlichen Gebäudeanfang und -abschluss und bildet den prägnanten städtebaulichen Auftakt zum Messeplatz. Zwischen den beiden Hallen liegt ein Innenhof, der als Anlieferungs- und Abstellfläche dient, aber auch als zusätzliche Ausstellungsfläche genutzt werden kann. Die bestehende Lumag-Halle wird im Endausbau mit den neuen Hallen verbunden. Die Architektur der Neubauten ist strukturell einfach, seriell und funktionell. Sie erfüllt in hohem Masse die Ansprüche der Messe.
 
Eigentlich war die Neugestaltung der Messehallen erst zu einem späteren Zeitpunkt geplant. Doch der Ausbau der Zentralbahn, deren Linienführung direkt über das Allmend Gelände führt, macht den Abriss der dort bestehenden Festhalle notwendig. Als Ersatz wurde im August 2008 mit dem Bau der neuen Halle 2 begonnen, die hinter der Luga-Halle auf dem Allwetterplatz und dem dahinter liegenden Fussball-Rasenfeld entsteht. Ab Herbst 2009 steht die neue Halle für den Messebetrieb zur Verfügung. Nach diesem Zeitpunkt kann die heutige Halle 1 abgebrochen werden. Wenn die Rohbauarbeiten für die tief gelegte Zentralbahn abgeschlossen sind, kann die zweite Neubauhalle gebaut werden, die neue Halle 1. Zugunsten einer grosszügigen Vorzone wird anschliessend die Luga-Halle abgebrochen. Auf 26 Metern Breite wird sich von der Horwerstrasse bis zu den Messehallen ein grosser Vorplatz ausdehnen. In der Länge reicht er bis zum Fussballstadion. Im Endausbau wird der Messeplatz Luzern rund 15 000 Quadratmeter gedeckte Ausstellungsfläche anbieten können. Das sind 3000 Quadratmeter mehr als bisher. Die Hallen werden nach Minergiestandards gebaut, dadurch wird auch der Betrieb der Gebäude ökologisch nachhaltig verbessert.
 
Als Ersatz für die heutige Ausstellungs- und Festhalle wird auf der Freifläche hinter der Luga-Halle die neue Halle 2 gebaut. Sie kostet 29,7 Millionen Franken und soll bis Ende August dieses Jahres fertig gestellt sein und Mitte September dem Betrieb übergeben werden. Im Juli 2008 begannen die rund sieben Wochen dauernden Pfählungsarbeiten. Die im Grundriss 90 Meter lange und 55 Meter breite Halle wurde mit 560 Ortbetonbohrpfählen fundiert. Der Pfahldurchmesser misst 40 Zentimeter, die Länge bis in die tragfähigen Kieslinsen liegt zwischen 17 und 22 Metern.
 
Bis zur Aufrichtefeier Ende April 2009 war vor allem der Baumeister gefordert. Für ihn lagen zwischen der Auftragsvergabe und der Aufrichte nur gerade zehn Monate. «Der strenge Winter bedeutete eine zusätzliche Mehrleistung und hat von den Mitarbeitenden alles abverlangt», sagte Bruno Amberg, Mitinhaber der Gebr. Amberg Bauunternehmung AG, anlässlich der Aufrichtefeier. Das zweigeschossige Foyer, das gleichzeitig auch den Eingangsbereich mit allen notwendigen Infrastrukturen bildet, besteht aus verschiedensten Konstruktionsteilen. Die Bodenplatte des gesamten Gebäudeteils, Wände und Zwischendecke des zweigeschossigen Foyers sind in Ortbeton erstellt. Die gesamte Grundrissfläche von Foyer und Vordach überspannen 23 Meter lange vorfabrizierte Deckenträger in Beton. Der Frontabschluss unter dem Dach besteht aus einer zweigeschossigen, 7,50 Meter hohen Pfosten-Riegel-Verglasung.
 
Eine reine Stahlkonstruktion ist die neue Ausstellungshalle. In zehn Metern Höhe überspannen im Achsabstand von 18 Metern die bis 4,50 Meter hohen Fachwerkträger die Halle auf einer Breite von 55 Metern. Über der gedämmten und extensiv begrünten Dachfläche befindet sich die Photovoltaik-Anlage mit 1496 Hochleistungssolarpanels mit einer Gesamtfläche von rund 1900 Quadratmetern. Sie ist damit die grösste Anlage dieser Art in der Region Luzern und liefert in Zukunft jährlich 320 000 Kilowattstunden Strom aus der Sonnenenergie. Mit diesem Ertrag kann man den Stromverbrauch von zirka 110 Durchschnittshaushalten pro Jahr decken oder rund 1000 Wohnungen mit Licht versorgen. Die Investitionen für diese Anlage belaufen sich auf 2,5 Millionen Franken. Die neue Messe Luzern ist das erste Messegebäude der Schweiz und eines der ersten in Europa, das vollumfänglich im Minergie-standard erstellt wird.

Fassadenabdeckung mit dunklen Sinusblechen

Das siegreiche Konzept «Lumess» beeindruckte durch die Wirkung seiner Fassade, insbesondere durch die Hinterleuchtung in der Nacht. Für Vordach und Kopfgebäude waren glasfaserverstärkte Lichtwellenplatten vorgesehen und der zweigeschossige Körper auf der Ostseite aus Metallwellplatten. Auf den Längsseiten der Hallen treffen beide Materialien aufeinander und verschränken sich. In einem peppigen, frischen Orange hätte die neue Messehalle von aussen erstrahlen sollen. Doch es sollte anders kommen: Das ursprünglich gewählte Material wies erhebliche technische Mängel in Bezug auf die Alters- und Farbbeständigkeit auf. Neu werden über der orangeroten Fassadenfolie dunkle Sinusbleche mit einem Lochanteil von 50 Prozent montiert. Das verleiht dem Baukörper die nötige Zurückhaltung und eine zeitlose, klassische Eleganz. Im Zusammenhang mit dem farblich betonten Hintergrund entsteht ein geheimnisvolles Spiel, die Wahrnehmung der Fassade verändert sich je nach Blickwinkel, Standort und Lichteinfall. Zum Schutz der Fassaden gegen einen Aufprall von Hubstaplern und anderen Fahrzeugen besteht der Sockel aus Betonelementen.
 
Das Stadtluzerner Stimmvolk hat im Februar 2008 für die Neubauten der Messe Luzern einen Baukredit über 18,5 Millionen Franken bewilligt. Stadt und Kanton engagieren sich mit insgesamt 25,5 Millionen Franken an den Baukosten und am Aktienkapital der Lumag AG. Der Restbetrag wird privat finanziert. Aktuell rechnet die Bauherrschaft mit Kosten von 55 Millionen Franken.
 
Die Baukosten jederzeit im Griff zu haben war auch die grosse Herausforderung für das Baumanagement unter Aufsicht der Baukommission. «Heute können wir sagen, dass für den Bau der ersten Messehalle keine Mehrkosten zu erwarten sind», erklärt Elio Cavazutti, Bereichsleiter Bau und Betrieb der Messe Luzern, gegenüber dem «baublatt». Auf Trab hielten alle am Neubau Beteiligten die engen Termine: «Anstehende Entscheidungen mussten schnell und effizient getroffen werden.» Bis zu 100 Personen waren in der Hauptbauphase auf der Baustelle beschäftigt. Und nicht zuletzt betont er die Komplexität des Gebäudes in Bezug auf die Hülle und die Installationen für die Haustechnik. Als erste Messe in der neuen Halle wird sich die 11. «Bauen + Wohnen» auf der Allmend Luzern präsentieren. Mit 20 300 Besuchern knackte die Zentralschweizer Baumesse 2008 die bisherige Rekordmarke. Messeleiter Marco Biland der ZT Fachmessen AG freut sich auf die neue Halle: «Damit kann die Messe weiter wachsen. Die neuen Hallen werden der bereits erfolgreichen Messe einen zusätzlichen Schub geben.»