Auf einem Steg durch den Auenwald

Auf einem Steg durch den Auenwald

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Der Holzsteg, der die Besucher durch den Auenwald führen wird.
Auf einer Länge von 1,8 Kilometern wird die Limmat zwischen dem Stauwehr Höngg und der Autobahnbrücke bei Oberengstringen renaturiert. Mit dem Projekt «Limmat-Auenpark Werdhölzli» verbessert der Kanton den Hochwasserschutz, schafft mehr natürliche Lebensräume und ein attraktiveres Naherholungsgebiet.
 
Kanalisierte Flüsse dürfen mittlerweile immer häufiger wieder in einem flexibleren Bett fliessen. Ingenieure und Behörden verbinden dabei – sie sind auch per Gesetz dazu angehalten – Flussrenaturierungen mit Hochwasserschutz. Davon profitieren gleichermassen die Natur wie auch Erholung suchende Stadtmenschen.
Die «städtische» Limmat zeigt exemplarisch den Konflikt verschiedenster Nutzungen, die unter einen Hut gebracht werden müssen. Wer nur ein kleines Stück den Fischerweg entlang spaziert, zum Beispiel von der Kläranlage Werdhölzli bis zu den Bernoulli-Häusern, trifft auf Wohngebiete, Industrie, Entsorgungsanlagen, Sportplätze, ein Schrebergartenareal, ein Naturschutzgebiet und einen Kanal mit einem Wäldchen voll zwitschernder Vögel. Der Fischerweg selbst ist so schmal, dass ihn zwei joggende Personen ausfüllen, nicht zu reden von Fahrrädern oder Kinderwagen.
Kürzlich haben der Kanton und die Stadt Zürich das Projekt «Limmat-Auenpark Werdhölzli» zwischen dem Stauwehr in Zürich Höngg und der Autobahnbrücke bei Oberengstringen vorgestellt. Laut dem Projektleiter Stefano Pellandini von der Baudirektion des Kantons Zürich, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), werden in diesem Projekt zu gleichen Teilen die bereits oben erwähnten drei Anliegen berücksichtigt: besserer Hochwasserschutz, mehr natürliche Lebensräume und ein attraktiveres Naherholungsgebiet.
Im Mai 1999 entgingen das Klärwerk Werdhölzli und das Sika-Areal nur knapp einer Überschwemmung. Damit zeigte sich das Ungenügen der über 100 Jahre alten Dämme und des Uferschutzes. «Es kann zum Überströmen der Dämme kommen, und der Uferschutz ist teilweise beschädigt oder zerstört. Das Ziel ist, «die Grünau, das Sika-Areal, das Klärwerk und in Oberengstringen die Grundwasserfassungen Oberwerd sowie Wohn- und Gewerbebauten besser vor Hochwasser zu schützen», heisst es im Projektbeschrieb. 
Die untere Limmat ist schon lange kein natürlich fliessender Fluss mehr. Er wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begradigt und verbaut. Damit gewann der Kanton Kulturland und bremste mit dem Schutz gegen Überschwemmungen die Erosion. Als Folge verlor die Limmat fast vollständig ihren auentypischen Charakter mit den entsprechenden Lebensräumen von Pflanzen und Tieren.


Kleine Dammerhöhungen


Eine der Massnahmen besteht in einer Erhöhung des Dammes, auf dem der Fischerweg verläuft, um maximal cirka 50 Zentimeter. Das Umgekehrte geschieht auf einer Länge von rund 400 Metern im Bereich des noch erhaltenen Auenwaldes Werdhölzli, der sich stromabwärts bei der Kläranlage befindet. Hier wird der Weg um rund 50 Zentimeter abgesenkt. Damit kann der Wald bei Hochwasser überschwemmt werden. «Wir rechnen damit, dass wir etwa alle fünf Jahre den Weg für vier bis fünf Tage sperren müssen», sagt Pellandini. Vorgesehen ist weiter, bei steilen Uferpartien den Schutz zu entfernen, dort Kies anzuschütten und das Ufer abzuflachen. Der bestehende Auenwald, heute ein Naturschutzgebiet, darf also sporadisch wieder unter Wasser stehen. Damit kann er wieder zu einem richtigen Auenwald werden.


Reitplatz tritt Land ab


Weil der Reitplatz Hardwiese auf der Oberengstringer Seite Land abgetreten wird, kann man das Bett der Limmat erweitern und der Uferlandschaft mehr Platz geben. Im Fluss werden vier Kiesinseln aufgeschüttet. Er kann sich so auf natürliche Weise je nach der Dynamik des Wassers immer wieder verändern. Der bestehende Damm wird zurückversetzt, gegen Hochwasser entsteht eine 1,3 Meter hohe Mauer. Auf der gegenüberliegenden Seite schützt, abgesehen vom Damm im Uferbereich der Limmat, eine rund einen Meter hohe Mauer die ARA im hinteren Bereich des Auenwaldes.
Als Uferschutz werden, vor allem im Abschnitt Tüffenwies in Stadtnähe wie auch im Abschnitt Juch weiter flussabwärts, an verschiedenen Stellen Buhnen angelegt. Diese lockere Steinbauweise sorgt für eine dynamische Uferlinie und stoppt die Erosion. 
Der schmale Fischerweg wird verbreitert, damit sich Fussgänger und Velofahrer weniger gegenseitig behindern. Die Flachufer ermöglichen Erholung Suchenden einen besseren Zugang zum Wasser. Im Auenwald selbst entsteht ein Rundweg, ganz aus Holz und auf Pfählen stehend. «Dafür werden keine Bäume gefällt», versichert Pellandini. «Überall wo es der Platz zulässt, legen wir neue Weiher an.» So werden zum Beispiel ein Altlauf der Limmat vertieft und die Mündung des Hauser-Kanals aufgeweitet. Diese Orte werden zu Laichplätzen für die Nase, einen karpfenähnlichen Fisch, der sich auf der Roten Liste befindet. Auch Amphibien erhalten neuen Lebensraum.
«Im Grossen und Ganzen handelt es sich bei all diesen Massnahmen um ganz normale wasserbauliche Techniken», erzählt Pellandini. Mit einer Ausnahme.


Problem Hauser-Kanal
 

 
Vom Hauser-Kanal, der beim Kraftwerk Höngg von Limmatwasser gespeist wird, hinter der ARA verläuft und weiter flussabwärts wieder in den Fluss mündet, droht bei einem Hochwasser ebenfalls Gefahr. Um diese zu bannen, werden zwei sogenannte Schützen gebaut, eine beim Eintritt, eine bei der Kläranlage. Im Kanalbett werden jeweils drei Betonpfeiler errichtet, zwischen denen bewegliche Stahlplatten bei Hochwasseralarm automatisch abgesenkt werden können. So verhindern sie einen Rückstau und eine Überschwemmung im hinteren Teil.
Das Projekt nimmt im «Landschaftsentwicklungskonzept Limmatraum Stadt Zürich» und im kantonalen «Massnahmenplan Wasser Limmat» eine wichtige Stellung ein, wie die Zürcher Baudirektion betont. Die Gesamtkosten für den Auenpark belaufen sich auf rund 7,4 Millionen Franken, was für den Kanton einen Anteil von etwa drei Millionen bedeutet. Der Bund subventioniert das Projekt mit einem Beitrag von rund einem Drittel der Gesamtkosten. Die Stadt Zürich, ewz, WWF und die Zürcher Kantonalbank unterstützen das Projekt. Stimmen der Stadtrat und der Kantonsrat zu, können die Arbeiten, die gut ein Jahr dauern sollen, im Sommer 2011 beginnen.
www.stadt-zuerich.ch/lek