Auf dem Weg zum grünen Spital

Auf dem Weg zum grünen Spital

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Teaserbild-Quelle: Ben Kron
Das inzwischen 40 Jahre alte Zürcher Triemli-Spital wird derzeit umfassend saniert, erhält ein neues Bettenhaus und eine neue Energieversorgung. Damit wird es ab 2015 zum ersten Schweizer Krankenhaus, das den Minergie-P-Eco-Standard erfüllt.
 
Der Neubau des Triemli-Bettenhochhauses wird zwar erst 2015 fertiggestellt sein – das neue Spital kann man aber schon jetzt anschauen und sogar betreten. Genauer das «Pilot und Demonstrationsobjekt»: Dies ist ein Pavillon, mit drei nebeneinander liegenden Zweierzimmern und einem Korridor, der neben dem bestehenden Spital errichtet wurde. «Wir haben hier im Kleinen gebaut, was wir im Bettenhaus in hoher Multiplikation realisieren wollen», erklärt Thomas Hasler von Aeschlimann, Prêtre und Hasler Architekten. An diesem Pavillon, der 1:1 einen Ausschnitt der Nordostecke des späteren Gebäudes wiedergibt, lassen sich sowohl Lösungen für die Fassade als auch für die Inneneinrichtung testen.
 
Das neue Bettenhaus wird 14 Stockwerke hoch im rechten Winkel vor dem bestehenden Hauptgebäude stehen und bildet das Kernstück der Bauvorhaben, die bei der Sanierung des Zürcher Triemli-Spitals anfallen (siehe Info). Ende Jahr sind die Arbeiten an den vier Untergeschossen, welche die auch die neue Energiezentrale beherbergen, abgeschlossen; der Neubau kann beginnen, in die Höhe zu wachsen. Ein Moment, auf den man sich freue, da nun die Fortschritte sichtbar würden, freut sich Spitaldirektor Erwin Carigiet. Im bestehenden, 1970 errichteten Spitalhochhaus sind die Zimmer für heutige Bedürfnisse zu klein. Da das Gebäude aber im Innern fast ausschliesslich tragende Wände aufweist, lässt es sich kaum für die heutigen Bedürfnisse der Patienten umbauen. Schon zu Beginn der Planung 1995 war deshalb klar, dass ein neues Bettenhaus errichtet werden müsste. 
 
Nachdem das Zürcher Stimmvolk Ja gesagt hatte zu den Sanierungskosten von insgesamt 650 Millionen Franken, konnte das Projekt im Herbst 2008 gestartet werden. Im Moment wird neben dem neuen Bettenhaus auch eine neue Energie- und Medienversorgung gebaut. Hierbei bemerkenswert sind vor allem die Holzschnitzelheizung, die dank Rauchgasreinigung CO2-neutral betrieben werden kann, und die Erdsondenfelder, mit denen Erdwärme bezogen wird. Sie machen das Triemli zu einem «grünen» Krankenhaus: «Es wird das erste Schweizer Spital, das nach dem Minergie-P-Eco-Standard errichtet wird», freut sich Urs Lendenmann, der Projektleiter Betrieb. Speziell wird auch die Gestaltung des Neubaus ausfallen, was sich am «Pilot- und Demonstrationsobjekt» erahnen lässt. So erhält das Bettenhaus, für ein Spital unüblich, eine komplett verglaste Fassade. «Das Triemli besitzt eine bevorzugte Lage oberhalb von Zürich», erklärt Architekt Thomas Hasler. «Im Osten ist die Stadt zu sehen, im Westen der Uetliberg. Da bietet sich eine Aussicht, wie man sie sich für ein Hotel wünschen würde.» Bei der Gestaltung der Fassade werden verschiedene Geometrien des Glases als Gestaltungselement benutzt. «Wir können mit den Gläsern sehr leicht die Richtungen und Winkel ändern und somit unsere Grundidee umsetzen: Das Spital soll nicht einfach eine transparente Schicht erhalten, sondern eine pulsierende Aussenhülle, die atmet und somit eine Verbindung zum Inneren herstellt», so Hasler weiter. Die Lösungen am Versuchspavillon seien im Übrigen noch nicht die endgültige; man arbeite mit verschiedenen Folien, um das Ganze noch etwas aufzuhellen. Rund um die Glasfassade erhält das Spitalgebäude eine begehbare Serviceschicht mit hüfthohem Geländer. Diese kann nicht als Balkon genutzt werden, aus Gründen der Sicherheit und der Privatsphäre, sondern erleichtert den späteren Unterhalt, etwa das Warten der Storen und das Reinigen der Fenster.
 
Auch bei der Gestaltung des Inneren versuchen die Zürcher Architekten, vom bestehenden Bild eines Spitals abzurücken. «Wir wollten wegkommen vom üblichen Weiss und Hellblau », beschreibt Spitaldirektor Carigiet die Vorgabe. Architekt Thomas Hasler führt dies im Einzelnen aus: «Wir wollen die Vielfältigkeit des Spitals in die Materialisierung tragen. So werden zum Beispiel in jedem Geschoss die Wände mit unterschiedlichen Holzarten verkleidet.» Bei den Zwei-Bett-Zimmern wurde versucht, ein bisschen Hotelatmosphäre zu schaffen. So verzichtet man bei Anstrich auf Farben und dank der Vollverglasung fällt viel Tageslicht ein. Beim Fenster, wo ein Tisch und zwei Stühle stehen, wird durch einen etwas breiteren und tieferen Sturz ein räumliches Element geschaffen, das diese Aufenthaltszone vom Rest des Krankenzimmers abgrenzen soll.
 
Speziell gestaltet ist die Decke, welche liegende Patienten oft und lange anstarren müssen. «Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind, wenn ich krank im Bett lag, während Stunden die Tapete oder die Decke angeschaut habe», erzählt Hasler. Deshalb solle hier, salopp gesagt, «etwas laufen». Konkret: Die Decke im neuen Triemli-Bettenhaus erhält einen 2,5 Zentimeter dicken Lehmverputz mit einer entsprechend abwechslungsweichen individuellen Struktur, welche die grosse Fläche optisch auflöst. In die Decke eingebettet ist das Heiz- und Kühlsystem der Krankenzimmer. Das schadstofffreie Naturprodukt Lehm hat zudem hydroskopische Eigenschaften: Er kann Feuchtigkeit aufnehmen oder abgeben und trägt so zu einem konstanten, angenehmen Raumklima bei. Dazu schliesst sich mit dem Lehm als Baustoff ein Kreis: Der Flurname Triemli bedeutet soviel wie «trüber Bach». Und tatsächlich befand sich bis in die 50er-Jahre im Südwesten des Spitals eine Ziegelei, welche dank dem lehmigen Gewässer das Rohmaterial für ihre Produkte vor Ort fand.