«And it’s sold for 140 000 Dollars»

«And it’s sold for 140 000 Dollars»

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
Seit über 50 Jahren betätigt sich das Unternehmen Ritchie Bros. Auctioneers als Auktionsplattform für Baumaschinen, Landmaschinen und Nutzfahrzeuge. In Nordamerika und Europa ist dem Unternehmen der Durchbruch längst gelungen. Die Schweiz ist eine Ausnahme – hier harzt das Geschäft noch.
zvg
Quelle: 
zvg
Michael Rohmeder ist Manager der Zweigstelle Ritchie Bros. Auctioneers Schweiz. Er betätigt sich auch als Bidcatcher.
 
Wie ein Wasserfall rasselt der Auktionator die Angebote herunter. Nur ganz kurz hält er inne, um Luft zu schnappen. Das Gesagte klingt dabei fast schon wie ein Mantra, ein monotoner Sprechgesang, der dazu verleitet, nicht mehr genau hinzuhören. Darum, und weil alles so schnell geht, müssen sich die Bieter schwer konzentrieren, um ihren Einsatz nicht zu verpassen. Schliesslich harren sie schon seit Stunden, wenn nicht schon seit Tagen aus, um dann im richtigen Augenblick ihr Gebot abgeben zu können. Wenn alles glatt läuft, haben sie innert kurzer Zeit ein Schnäppchen gemacht. Das ist jedoch nicht ganz so einfach, denn bei einer Auktion von Ritchie Bros. Auctioneers, dem grössten Baumaschinenauktionator der Welt, finden sich im Schnitt bis zu 1700 Bieter aus aller Welt ein. Versteigert werden Maschinen aus den Bereichen Bau, Transport, Landwirtschaft, Materialumschlag, Bergbau, Forstwirtschaft, Mineralölindustrie und Schiffbau. Ihre bisher grösste Auktion führte das kanadische Unternehmen im Februar 2008 in Orlando, Florida, durch, wo die fünftägige Veranstaltung 6000 Bieter aus 171 Ländern anzog. Um eine solche Masse überblicken zu können, werden die Bieter in Gruppen von 100 bis 500 Personen eingeteilt und einem sogenannten Bidcatcher zugeordnet. Dieser nimmt die Gebote der Bieter auf und gibt sie an den Auktionator weiter, der dann die Masse in seinem Monolog darüber informiert, dass das Gebot für die Ware wiederum gestiegen ist. «Als Bidcatcher ist man aber auch Animator, der die Leute dazu anregt, mehr zu bieten», erklärt Michael Rohmeder, Manager der Zweigstelle Ritchie Bros. Auctioneers Schweiz, der regelmässig als Bidcatcher eingesetzt wird. Er erzählt: «Das Ganze muss man sich als grosse Show vorstellen: Die Auktionatoren und Bidcatcher bieten nicht nur Ware an, sondern sorgen ebenfalls für Spannung. Auch wie wir die Maschinen auf der Rampe vorfahren, manchmal bis zu zwölf auf einmal, ist beindruckend.» Wie aber merkt man, dass ein Bieter sich nur strecken und gar nicht bieten will? Jedes Angebot ist verbindlich und die Auktion pro Maschine dauert nur wenige Minuten, weil die Angebote im Sekundentakt abgegeben werden. Es ist deshalb wichtig, solche Bewegungen von richtigen Angeboten unterscheiden zu können. «Ein Bidcatcher wird darauf geschult zu erkennen, was ein Bieter will. Ausserdem bieten ja nicht alle gleichzeitig, sondern nur ein paar wenige. Mit denen hält der Bidcatcher Augenkontakt. Und diese werden sich beim Bieten nicht im falschen Moment strecken», so Rohmeder.
 

In der Schweiz noch nicht bekannt

Insgesamt 110 Niederlassungen weltweit – darunter 42 Auktionsgelände in Nordamerika, Europa, Nahost und Australien – betreibt Ritchie Bros. Auctioneers. Hinzu kommen die 1100 Mitarbeiter, die das Unternehmen weltweit beschäftigt. Damit ist es nicht nur der grösste Industrieauktionator weltweit, sondern laut der Schweizer Zeitschrift «Finanz und Wirtschaft» grösser als die 50 folgenden Konkurrenten zusammen.
 
Auch in der Schweiz konnte die Firma bereits Fuss fassen. Jedoch geniesst sie hierzulande nicht den Bekanntheitsgrad wie in anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Deutschland, Spanien und die Niederlande, wo sie bereits feste Auktionsplätze hat. «Dabei könnte es sich für ein Schweizer Bauunternehmen durchaus lohnen, unsere Auktionen zu besuchen», meint Rohmeder. «Immerhin werden bei uns pro Auktion an die 4000 neue und gebrauchte Maschinen versteigert.» Bei den bis zu sechs Auktionen, die der kanadische Industrieauktionator pro Jahr auf seinen 42 festen und angemieteten Geländen durchführt, ergeben sich daraus mehrere Hunderttausend Maschinen, die man ersteigern kann. «Weil es auf unseren Auktionen weder Mindestpreise noch Preiseinschränkungen gibt, können die Auktionsteilnehmer davon ausgehen, dass die Maschinen nicht nur unabhängig von ihrem tatsächlichen Wert, sondern auch unabhängig von den örtlichen und regionalen Marktbedingungen an den Höchstbietenden verkauft werden.» Ob die Ware gut ist, kann der Bieter übrigens selbst überprüfen: Die Objekte werden im Vorfeld von Ritchie Bros. Auctioneers im Internet mit Foto vorgestellt und danach auf dem Auktionsgelände ausgestellt, wo die Kaufinteressenten sie begutachten und testen können. Sollte jemanden mal verhindert sein, besteht die Möglichkeit, an der Auktion per Abwesenheitsgebot oder online übers Internet mitzubieten.
 
2009 organisierte Ritchie Bros. Auctioneers insgesamt 327 Auktionen in 14 verschiedenen Ländern, wovon 195 Baumaschinen-Auktionen waren. Verkauft wurden 283 000 Maschinen, was einen Auktionsumsatz von 3,5 Milliarden Dollar generierte. An den Auktionen beteiligt haben sich 336 000 Bieter, von denen 98 000 einen Kauf tätigten. Diese voluminösen Zahlen sind für ein Einzelunternehmen gross. Der Weltmarkt für gebrauchte Investitionsgüter wird laut «Finanz und Wirtschaft» jedoch auf 100 Milliarden Dollar geschätzt. Auktionen machen dabei mit fünf Prozent nur einen kleinen Teil aus. Ritchie Bros. Auctioneers ist jedoch davon überzeugt, dass man mehr aus dem Markt holen kann. Deshalb ist das Unternehmen nicht nur daran interessiert, sich in der Schweiz weiter zu festigen, sondern vor allem auch in den USA und in Osteuropa. Mittelfristig rechnet es auch mit Wachstumschancen in aufstrebenden Märkten wie China, Brasilien oder Indien. Florencia Figueroa
 
Nächste Auktionen:
16. bis 17. September, Ocana, Spanien
22. bis 24. September, Moerdijk, Niederlande
1. Oktober, Caorso, Italien
8. Oktober, St Aubin Sur Gaillon, Frankreich
28. Oktober, Moncofa, Spanien
www.rbauction.de
 
 
Nachgefragt bei Philippe Sogno. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung der im Strassenbau und Tiefbau tätigen Firma Scrasa mit Sitz in Genf.
 
Seit wann nimmt die Firma Scrasa an den Auktionen von Ritchie Bros. teil?
Philippe Sogno: Scrasa nimmt seit 2008 an den Auktionen teil. Und zwar ein bis zweimal im Jahr.
 
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Bis jetzt sehr gute.
 
Würden Sie anderen Unternehmern empfehlen, eine solche Auktion aufzusuchen?
Ja, weil es da gute Geschäfte zu machen gibt.
 
Wie muss man sich eine solche Auktion vorbereiten?
Wichtig ist, dass man eine genaue Vorstellung hat vom Material, das man kaufen will, und dass man sich für das Ersteigern einen Maximalbetrag festlegt. Das Spezielle an diesen Anlässen sind das Volumen der zum Verkauf stehenden Ware und das Angebot an neuem Material.
 
Was war das Beste, was Sie je ersteigert haben?
Einen Bulldozer Cat D6.