Altes zu neuem Leben erweckt

Altes zu neuem Leben erweckt

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Teaserbild-Quelle: Wey Architekten AG
Das Stiftstheater und das Gebäude „Schol“ in Beromünster LU müssen dringend saniert werden, ansonsten droht ihnen der Zerfall. Zugleich sollen die Häuser eine neue Nutzung erhalten. Das Chorherrenstift wendet für die gesamten Baumassnahmen 5,4 Millionen Franken auf.
 
Tausend Jahre alt ist der Stiftsbezirk in Beromünster. Mit der Kirche, dem angrenzenden Kreuzgang, der Galluskappelle und den über 30 Chorhöfen stellt der Bezirk ein Gesamtkunstwerk von kulturgeschichtlicher Bedeutung dar. Damit gehört er zu den bedeutendsten Denkmalgruppen der Schweiz. Seit den 1970er-Jahren saniert die private Institution Stift St. Michael die Gebäude in regelmässigen Abständen. Zwölf davon und die Kirche haben bereits eine Gesamterneuerung erfahren. In den nächsten Monaten sollen nun zwei weitere Häuser folgen: das Stiftstheater und ein Gebäude namens «Schol» (siehe «Nachgefragt»). Die beiden Bauten weisen eine bedeutsame Historie auf. So war das Theater ursprünglich der Kornspeicher und Weinkeller des Stifts. Im Erdgeschoss fand sich zudem eine Bäckerei. Später, im 15. und 16. Jahrhundert, wurden das Ober- und das Dachgeschoss neu errichtet. Das Obergeschoss erhielt als Tanz-, Fest- und Theatersaal eine neue Funktion. Und im Dachgeschoss wurde ein eindrücklicher Dachstuhl gebaut, der bis heute erhalten geblieben ist. Für die Denkmalpfleger ist das Haus besonders spannend, weil man glaubt, dass sich im Erdgeschoss noch mittelalterliche Mauern finden.
 
Beim Gebäude «Schol» handelt es sich um einen dreigeschossigen, massiven, würfelförmigen Baukubus mit Krüppelwalmdach. Im frühen Mittelalter war die «Schol» eine Metzgerei. Der Warenumschlag und der Marktbetrieb waren im Erdgeschoss, wo sich auch die drei rundbogigen Arkaden befinden. Im ersten Obergeschoss, dessen Blickfang drei Rundbogenfenster sind, wurde ebenfalls Handel betrieben. Später kam im Gebäude noch eine Tuchlaube unter. Ab 1737 wurde das Gebäude auch als Schulhaus genutzt. Der Unterricht fand im zweiten Obergeschoss statt.
 

Kulturelle Nutzung vorgesehen

«Die beiden Bauten befinden sich in einem desolaten Zustand. Sie müssen dringend saniert werden», sagt der Stiftspropst der Chorherrengemeinschaft St. Michael, Josef Wolf. Rein äusserlich sieht man den Häusern nichts an. Ausser ein paar Rissen und dunklen Verfärbungen an der Fassade scheinen sie in Ordnung zu sein. Wie Projektleiter Hans Jörg Galliker erläutert, sind die Verfärbungen auf eindringendes Wasser zurückzuführen. Das sei schlecht, weil das Wasser allmählich die Bausubstanz zerstöre. «Zudem ist das Dach des Stiftstheaters stark einsturzgefährdet.» Deshalb würden die Gebäude nun saniert. Für die Arbeiten zuständig sind die Planer Wey Architekten AG aus Sursee und Jäger Egli AG aus Emmenbrücke. «Ziel ist es, die Häuser in einem neuen Glanz erstrahlen zu lassen, ohne dass die historische Bausubstanz verloren geht. Gleichzeitig müssen die Gebäude aber auch den Anforderungen der neuen Nutzung gerecht werden», sagt Architekt Gabriel Wey. Im Stiftstheater ist ein neuer Theaterraum geplant, der mit mobilen Podesten den verschiedenen Bedürfnissen entsprechend angepasst werden kann. Um dem Theaterraum die nötige Höhe zu verleihen, wird der Boden des Dachgeschosses entfernt, sodass das zweite Obergeschoss mit dem Dachgeschoss zu einem einzigen Raum verschmilzt. Der abgestufte Bühnensaal im ersten Obergeschoss erhält eine ebene Fläche und wird zu m Vortrags- und Konzertraum umgestaltet. Die Arkaden im Erdgeschoss bekommen eine Verglasung. Aus dem heutigen Aussenraum ergibt sich dadurch ein Innenraum, sprich ein Foyer. Über diesen soll die Erschliessung in das Obergeschoss erfolgen, wo sich der künftige Vortrags- und Konzertraum befindet. In der nebenan liegenden «Schol» wird im ersten Obergeschoss ein Seminar- und Festraum entstehen sowie die Garderobe für die Theaterleute. Das zweite Obergeschoss und das Dachgeschoss werden beibehalten. Eingerichtet werden dort Büros für den Theaterbetrieb. Im Untergeschoss, wo sich zurzeit öffentliche Toiletten befinden, sind ebenfalls Büros geplant. Verwirklicht werden diese allerdings nur, wenn sich Mieter finden lassen.
 

Finanzierung teilweise unsicher

Für die Instandsetzung der Gebäude und die neuen Einrichtungen wendet das Chorherrenstift St. Michael 5,4 Millionen Franken auf. 700 000 Franken stammen aus der eigenen Tasche. 1,2 Millionen Franken steuert die Denkmalpflege (Bund und Kanton) bei. Von Gönnern erhält das Stift zudem noch 2,6 Millionen Franken. «Die Finanzierung bleibt aber noch ungewiss», sagt Projektleiter Galliker. Um sämtliche Pläne umzusetzen, fehlen 150 000 Franken. «Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das schaffen.» Ansonsten dürften die eben erst ins Projekt aufgenommene Büros im Erdgeschoss der «Schol» das erste Opfer des Rotstifts werden. So oder so soll der Baustart aber noch dieses Jahr erfolgen: Dies sei zwingend, sagt Architekt Wey. «Ansonsten verfallen die Bundessubventionen.» Die erste Phase der Sanierung dürfte vor allem die Denkmalpflege beschäftigen. Denn: «Eine eingehende Untersuchung der Bauten ist noch nicht erfolgt», sagt Denkmalpfleger Georg Carlen. «Erst danach wird sich zeigen, was alles noch zum Vorschein kommt.» Florencia Figueroa