08:10 MEINUNG

Kolumne zum Donnerstag: Vor lauter Bäumen im Beschaffungs-Wald…

Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigen sich Cristina Schaffner und Michèle Ramò von der Bauenschweiz-Geschäftsstelle mit der Umsetzung des neuen Beschaffungsrechts.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Das herbstliche Laub raschelt unter unseren Füssen. Die Luft ist kühl, die Farben golden. Der Herbst lädt zu einem Abstecher in den Wald ein. Ein Sprichwort besagt, dass man zuweilen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Droht uns dies beim neuen Beschaffungsgesetz? Das neue Vergaberecht tritt auf Bundesebene am 1.1.2021 in Kraft. Die Kantone verabschiedeten eine interkantonale Vereinbarung. Damit stehen auf Bundesebene die Umsetzung und in den Kantonen die Beitritte zur Vereinbarung im Fokus.

Unsere Vorgänger bei Bauenschweiz haben sich gemeinsam mit vielen Branchenkolleginnen und -kollegen über Jahre bei der Ausarbeitung der nationalen Vorlage und im parlamentarischen Prozess mit grossem Engagement für eine Neukonzeption und Harmonisierung des Beschaffungswesens eingesetzt.

Das Erreichte ist ein Meilenstein für unsere Branche. Als Neulingen in der Bauwirtschaft fällt es uns vielleicht leichter, dies – oder anders gesagt – den ganzen Wald zu sehen: Früher war das oberste Gebot bei der Beschaffung die Wirtschaftlichkeit. Neu ist das oberste Gebot – zum grossen Nutzen für nächste Generationen – die Nachhaltigkeit. Der Zuschlag geht nicht mehr an das «wirtschaftlich günstigste», sondern an das «vorteilhafteste» Angebot.

Dieser Paradigmenwechsel zeigt sich am Ausschluss von Dumpingangeboten oder an Zuschlagskriterien wie Innovationsgehalt, Nachhaltigkeit oder Verlässlichkeit des Preises. Mit den neuen Anforderungen der Beschaffer wird auch die Innovation in unserem Sektor noch mehr gefördert. Es braucht gute Lösungen und Angebote, um bei der neuen Vergabekultur zu punkten. Eine Branche, die deutlich stärker an der Qualität gemessen wird, ist ein attraktiver Arbeitgeber und investiert in die Nachwuchsförderung.

Mit der parlamentarischen Arbeit ist es aber nicht getan. Ein gemeinsames Verständnis auf allen drei föderalen Ebenen und die Beitritte zur Interkantonalen Vereinbarung zu erzielen, ist Knochenarbeit. Dazu braucht es uns alle:

  • Es braucht die Kantone, es braucht den Beitritt zur Interkantonalen Vereinbarung. Hier setzt Bauenschweiz an: Wir rufen unsere Mitglieder auf, diese Neuerungen als Chance für einen starken und innovativen heimischen Bausektor zu sehen und Aufklärungsarbeit zu leisten.
  • Es wird komplexer für die Beschafferinnen und Beschaffer wie auch für unsere Mitglieder bei den Eingaben. Es braucht Sensibilisierung und Befähigung. Hier setzen die Mitglieder von Bauenschweiz an: Sie informieren, sensibilisieren und bilden aus.
  • Es braucht die Beschaffungsstellen. Die neue Vergabekultur muss sich in den Ausschreibungen widerspiegeln. Dazu erarbeitet Bauenschweiz mit der KBOB erste Leitfäden. Wir stehen bereit, unser Wissen weiter zu teilen und die Frage zu klären, was der Markt bei neuen Zuschlagskriterien anbieten kann.

Packen wir es gemeinsam an, sehen wir die neue Vergabekultur als Chance – weg vom Preis hin zu mehr Qualität. Auf neue-vergabekultur.ch finden Sie alle Informationen unserer Mitglieder und Partner zum Thema Beschaffung auf einen Blick

Autoren

Direktorin von Bauenschweiz

Leiterin Kommunikation bei Bauenschweiz

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