08:03 MEINUNG

Kolumne zum Donnerstag: Von Lehmhütten und anderen Ideen

Autoren: Ivana Devigus
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Ivana Devigus, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Bauenschweiz, mit dem nachhaltigen Bauen.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Vor einem knappen Monat habe ich beim Dachverband Bauenschweiz angefangen, ohne vorher nähere Berührungspunkte mit der Baubranche gehabt zu haben. Ich bin also als Branchen-Neuling gestartet. Da gilt es zunächst, mich mit den aktuellen Themen und Herausforderungen der Branche vertraut zu machen. Als allererstes ist mir dabei die enorme Vielseitigkeit der Branche aufgefallen. Dann fasste ich meinen ersten konkreten Auftrag: Ich sollte mich ins Dossier zum Thema nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft einlesen.

Schnell wurde auch mir als Greenhorn klar, dass die Baubranche vor grossen Herausforderungen steht. Ihr kommt eine zentrale Rolle darin zu, den Klimaschutz voranzutreiben und die CO2-Emmissionen zu senken. Die Bauwirtschaft hat diese CO2-Problematik erkannt und schon früh begonnen, den Weg aus den fossilen Brennstoffen zu suchen. Und sie ist sich ihrer Verantwortung bewusst – spielt sie doch eine zentrale Rolle in der Erreichung der ambitionierten Klimaziele 2050. Deshalb unterstützt Bauenschweiz als Dachverband der Bauwirtschaft auch das CO2-Gesetz, welches am 13. Juni zur Abstimmung kommt.

Ich wollte es aber genauer wissen: Was unternimmt die Branche konkret, welche Hürden gibt es, wo verbirgt sich Potenzial? Auf meinem Lektüreweg über Gebäudeparksanierungen, Betriebsenergie und nachhaltige Bausubstanz stiess ich plötzlich auf die älteste Bautechnik der Welt: den Lehmbau. Gerade weil es so seltsam anmutete und ich primär rudimentäre Lehmhütten damit assoziierte, ging ich der Sache nach. Mit Lehm, so lernte ich, könnten gleich mehrere Herausforderungen der Baubranche angegangen werden: von Ressourcenknappheit über Klimawandel bis zum Raumklima. Das fanden Forscher an der Professur für Nachhaltiges Bauen der ETH Zürich heraus.

Dieses Beispiel zeigt, dass wir auf der Suche nach Lösungen ergebnisoffen bleiben sollten. Wir stehen vor der grössten Herausforderung unserer Zeit und unserer Branche: der CO2-Reduktion auf Netto-Null bis 2050. Wäre jetzt nicht der Zeitpunkt, Neues – oder Altes – zu wagen und dieser CO2-freundlichen Bausubstanz sowie anderen kreativen Ideen eine faire Chance zu geben? Indem wir uns die anfangs erwähnte Vielseitigkeit der Bauwirtschaft zum Vorteil machen, gelingt es nicht nur mir als Neuling, mit frischem Blick an Herausforderungen zu treten, sondern auch uns als Branche, uns aus gedanklichen Sackgassen zu manövrieren und Probleme respektive die Lösungen dazu immer wieder neu zu denken.

Autoren

Ivana Devigus, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Bauenschweiz.

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Dossier

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© fill / pixabay.com / public domain ähnlich

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In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.

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