Kolumne zum Donnerstag: Sommerzeit ist "Saure-Gurken-Zeit"

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Kolumne zum Donnerstag: Sommerzeit ist "Saure-Gurken-Zeit"

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Birgitta Schock, Mitglied des Steuerungsausschusses von Bauen digital Schweiz und Chairwoman von buildingSMART, mit der Frage, welche Jobs Spass machen und welche Rolle die Technologie dabei spielt.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

Artikel, die jetzt geschrieben werden, behandeln oft Themen, die zu einer anderen Jahreszeit niemand schreiben respektive auch niemand lesen würde. Warum schreibe ich dennoch gerade jetzt diesen Beitrag, den Sie hoffentlich lesen werden? Weil wir ein Spiel basierend auf drei Fragen spielen und meine Erkenntnis das Ergebnis dieses Spiels ist.

  • Frage 1: Wo positioniere ich alle Jobs, für die ich je bezahlt wurde, in einem Fadenkreuz von "gut bezahlt" bis "schlecht bezahlt" und "hat Spass gemacht" bis "hat keinen Spass gemacht"?
  • Frage 2: Wie habe ich in diesen Jobs gearbeitet, im Team oder als Einzelkämpfer?
  • Frage 3: Was hätte es gebraucht, um mehr Jobs mit mehr Spass und besserer Bezahlung erledigen zu können? Zeichnen Sie ein Fadenkreuz von "mehr Unterstützung" bis "mehr Vorschriften" und "mehr Wissen" bis "mehr Technologie".

Einzige Spielregel: Überlegen Sie nicht zu lange, und halten Sie ihre Antworten fest. Mal schauen, zu welchen Erkenntnissen Sie kommen – diese würden uns übrigens sehr interessieren, teilen Sie diese uns doch mit. Da es immer schwer ist, den Anfang zu machen, starte ich gleich selbst. Die meisten Jobs, die mir Spass gemacht haben und gut bezahlt waren, habe ich mit Teams bearbeitet. Die Teamstruktur war der jeweiligen Aufgabe und der Phase der Arbeit angepasst.

Wir konnten auf Augenhöhe miteinander diskutieren, manchmal auch "fighten" und etwas entwickeln. Der wichtigste Wert im Team war das Grundverständnis, dass wir einander helfen, um den besten Job gemeinsam zu machen. Keiner hat nur in seinem "Silo" gearbeitet oder hat gewartet, bis der andere einen Fehler macht, nur um mit dem Finger auf ihn zu zeigen und selber daraus Profit zu schlagen. Die besten Inputs kamen oft von Personen aus anderen Fachbereichen.

Technologie hat in diesen Jobs eine unterstützende Rolle gespielt und hat uns geholfen, unsere Arbeiten schneller und transparent für alle erledigen zu können. Technologie war aber nie die Lösung und auch nie das Problem – abgesehen von den wenigen Momenten, vor allem am Anfang meiner Tätigkeit, wo weder Hard- noch Software immer zugänglich und stabil genug waren.

Am Montagmorgen konnte das herausgezogene Stromkabel am Server – tja, schliesslich musste der Staubsauger, der für die Büroreinigung benutzt wurde, ja auch irgendwo eingesteckt werden – oft zu ungeahnten Problemen führen.

Die unbefriedigtsten und schlecht bezahlten Jobs zeichneten sich immer durch einen hohen Grad an "Einzelkämpfertum" und durch das Fehlen von Unterstützung von anderen Beteiligten aus. Auch ein falsches Konkurrenzdenken hat sich oft negativ auf den Job und die Zufriedenheit ausgewirkt. Die Technologie stand aber auch bei diesen negativen Erfahrungen nie im Zentrum. Hingegen wirkten sich starre Anweisungen, althergebrachte Denk- und Verhaltensmuster oft hinderlich aus.

Mein Fazit: Mein Background ist die Architektur mit einer hohen Affinität zur Technologie, und ich war immer auf der Planer-Seite tätig. Ich war nie selber auf der Auftraggeber-, Besteller- oder Betreiberseite. Mein Planer-Wissen konnte ich dann am besten einsetzen, wenn ich es mit anderen Erfahrungen, auch aus der Forschung und aus anderen Industrien, ergänzen konnte und digitale Infrastruktur und Technologie das Arbeiten unterstützen. "Sharing", "shared benefits" und "shared risk" sind wichtig und keine "Modebegriffe".

Vertrauen steht im Vordergrund. Ohne Vertrauen läuft nichts oder zumindest nicht lange. Vertrauen lässt sich nicht vertraglich festlegen oder durch mehr Technologie ablösen. Die Chemie, Organisationsstruktur und die Arbeitskultur müssen stimmen – dann ist es mir persönlich egal, ob eine tolle Idee oder eine überzeugende Lösung von mir oder jemanden anderem kommt. Der Job hat Spass gemacht, die Bezahlung hat gestimmt, und der Mehrwert kommt über den gemeinsamen Erfolg.

Und nun: Viel Spass beim Spielen, im Büro oder in den Ferien und nicht vergessen: Teilen Sie Ihre Ergebnisse mit mir.

Autoren

Birgitta Schock ist Mitglied des Steuerungsausschusses von Bauen digital Schweiz und Chairwoman von buildingSMART.

Mitglied des  Steuerungsausschusses von Bauen digital Schweiz.