Kolumne zum Donnerstag: Lösungen finden statt Danebenwerfen

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Kolumne zum Donnerstag: Lösungen finden statt Danebenwerfen

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Benedikt Koch, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands, mit dem neu gewählten Schweizer Parlament.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

Das Volk hat gewählt: 246 Frauen und Männer sitzen ab nächstem Montag im National- und Ständerat. Sie bilden das neue Schweizer Parlament. Ein Drittel der Bundesparlamentarier sitzt zum ersten Mal im Bundeshaus und ist darum wohl besonders motiviert, sich rasch und medienwirksam einzubringen. Wer will denn schon seine Wählerinnen und Wähler enttäuschen? Die grösste Herausforderung wird sein, beim Debattieren, Abstimmen und Wählen den Volkswillen zu treffen statt zu verfehlen.

Dass diese Gefahr droht, zeigt allein schon der Ursprung des Wortes Parlament. Denn dieses hat seine tiefsten Wurzeln im griechischen parabolé, das wörtlich übersetzt «Danebenwerfen» bedeutet, stehen doch die Wortteile «para» für «neben», und «bol» für «werfen». Sowohl die griechischen Rhetoriker wie die Mathematiker nutzten parabolé aber im Sinne eines Vergleichs – von Ideen ebenso wie von geometrischen Flächen. Mathematische Begriffe wie «Parabel» zeugen bis heute von diesem Wortursprung.

Im Neuen Testament bezeichnet die griechische parabolé – und später die lateinische parabola – ein Gleichnis Jesu, also seine bildhafte Erzählung, mit welcher er seine Mitmenschen von seinen Botschaften überzeugen wollte. Über diese Gleichnisse hat das Wort in einer zweiten Form Eingang in die heutige Sprachwelt und insbesondere ins Parlament gefunden. Aus dem kirchenlateinischen parabola, «Gleichnis», ist im Französischen beispielsweise das Wort «parole» hervorgegangen. Im Mittelalter hat sich dieses «Parlieren» mit der Wortendung «-mentum» zum lateinischen parlamentum verbunden, was «Besprechungsinstrument» oder «Versammlung» bedeutet.

So ist zu hoffen, dass die 246 National- und Ständeräte das Bundeshaus in den nächsten vier Jahren nicht mit einem Büchsen-Schiessstand verwechseln, wo das Versuchen und Danebenwerfen Teil des Spasses ist. Vielmehr sollen sie nicht Probleme bewirtschaften und ziellos Gesetzesvorlagen und Verbote durch die Luft schleudern, sondern das Parlament als «Besprechungsinstrument» nutzen und für die grossen Baustellen der Schweizer Politik erfolgversprechende Lösungen finden. Und hoffen wir weiter, dass wir die Ideen und Botschaften der Politikerinnen und Politiker verstehen, nicht dass wir noch das Neue Testament hervornehmen müssen, um nach passenden Gleichnissen zu suchen.

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Benedikt Koch ist Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.
Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.

Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.