Kolumne zum Donnerstag: Kurz oder Lätz

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Kolumne zum Donnerstag: Kurz oder Lätz

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Benedikt Koch, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands, mit den Gemeinsamkeiten zwischen dem Hosenlupf im Sägemehlring und der Arbeit auf der Baustelle.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

Am letzten Wochenende standen sie wieder im Ring: die besten Schwinger unseres Landes. In den sieben Sägemehlringen wurde zur Freude des Publikums aktiv geschwungen. Während die einen auf dem Rücken landeten und sich anschliessend das Sägemehl vom Rücken abputzen lassen mussten, freuten sich die anderen über einen gewonnenen Gang und näherten sich schrittweise dem sehnlichst erhofften Kranzgewinn. Wer will denn schon kein Eidgenosse sein?

Auch wenn das Schwinger-Lehrbuch rund 100 Schwünge kennt, erfreute sich am Eidgenössischen in Zug der altbekannte Kurzzug nach wie vor grosser Beliebtheit. Er beruht auf einem einfachen Bewegungsablauf und wird deshalb den jungen Schwingern schon ganz am Anfang beigebracht. Je nach den körperlichen Voraussetzungen und Veranlagungen sind zwei Ausführungsvarianten möglich.

Meist reisst der angreifende Schwinger den Gegner mit leicht nach rechts gedrehtem Körper auf die Knie, schüttelt ihn von hier ab und wirft mit Kurz. Verteidigt sich der Gegner aber mit Knieparade, wird er mit einer Finte auf das rechte Knie verlagert und mit einem kurzen Ruck nach links mit Kurz-Lätz zum Erfolgsresultat geworfen.

Nick Alpiger, Maurer von Beruf, gehört mit seinem 22 Jahren bereits zu den ganz Bösen in diesem Land. Sein grösster Erfolg ist der Sieg am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2019. Und das als Aargauer. Mit viel Arbeit und Fleiss hat er sich von einem "Spaghetti"-Jungschwinger zu einem 115 Kilo schweren Eidgenossen entwickelt. Er hat sich klare Ziele gesetzt, sich aufs Wesentliche konzentriert und mehr trainiert als die anderen. Und an seiner Vielseitigkeit gearbeitet. Neben dem Lätz gehört auch der Fussstich zu seinen bevorzugten Schwüngen.

In diesen Tagen steigen auch Hunderte Jugendliche auf unseren Baustellen in die Hosen. Sie beginnen eine Lehre als Maurer, Baupraktiker, Strassenbauer oder Pflästerer. Schon ab dem ersten Tag werden ihnen verschiedene Handgriffe und Arbeitsweisen beigebracht, die sie noch Jahrzehnte später mit Erfolg anwenden können. Sie lernen Mauerwerke hochzuziehen, Betonschalungen und -bewehrungen zu montieren, Beton zu vibrieren, Fertigbauteile zu versetzen, Fassaden zu verputzen und Rohre zu verlegen.

Wer auf den Bau will, muss gerne mit den Händen arbeiten und anpacken wollen. Von Beginn an ist auch Kopfarbeit gefragt: vom Planen einer Baustelle über das Zeichnen eines Querschnittes bis hin zum Berechnen von Bauvolumen. Wie im Sägemehlring sind auch auf den Baustellen Vielseitigkeit und Ausdauer gefragt. Und die Bereitschaft, ab und zu etwas mehr zu üben und zu lernen als die anderen. Wie Nick Alpiger in seinen jungen Jahren.

Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug musste er nach vier Gängen verletzungsbedingt aufgeben. Die "Aargauer Zeitung" titelte: "Krücken statt Kranz: Nick Alpiger muss das Eidgenössische aufgeben und ist trotzdem ein Gewinner." Dies aufgrund einer unglaublich starken Willensleistung. Übrigens: Christian Stucki gewann den Schlussgang nach 42 Sekunden gegen Joel Wicki mit Kurz.

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Benedikt Koch ist Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.
Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.

Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.