08:12 MEINUNG

Kolumne zum Donnerstag: Innovative Ideen für Baukader-Berufsbilder

Autoren: Regina Gorza
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Regina Gorza, Geschäftsführerin von Baukader Schweiz, mit den Möglichkeiten, die Attraktivität des Polierberufs zu steigern.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Poliere machen einen äusserst vielseitigen Job in der Schnittstelle zwischen Baustelle und Büro. Sie sind die Organisatoren und Führungskräfte auf der Baustelle, packen mit an und erledigen oft abends noch die Büroarbeit. In diesem Spannungsfeld zwischen Bauarbeitern und Bauleitung und Bauherr ist der Druck gross. Zusätzlich zum vollen Auftragsbuch und Termindruck sind die Poliere jetzt auch für die Umsetzung von Schutzkonzepten auf den Baustellen verantwortlich. Noch mehr Aufgaben für vielbelastete Schultern.

Diesen Stress halten nicht alle aus. Kein Wunder, zieht es die Jungen nicht mehr auf den Bau. Bei den Lehrlingen fehlt der Nachwuchs schon jetzt. Es ist absehbar, dass in ein paar Jahren auch Poliere fehlen werden. Höchste Zeit, die Attraktivität der Baukader-Berufsbilder zu stärken mit neuen Ideen, Innovationen und Teilzeitarbeit.

Im Masterplan 2030 des Schweizerischen Baumeisterverbands sind einige Neuerungen vorgesehen, um Lücken zu schliessen. Mittels geeigneter Massnahmen sollen attraktive Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Bau und damit der Branche die Fachkräfte gesichert werden. Darunter sind begrüssenswerte Ideen wie die Absicht eines eidgenössischen Berufsabschlusses für Vorarbeiter. Für den ambitionierten Maurer eine neue Chance.

Wenn es künftig bereits ab Stufe Vorarbeiter einen eidgenössischen Abschluss gibt, könnte die Hemmschwelle für Interessierte, eine Kader-Weiterbildung zu machen, sinken. Denn der erste Karriereschritt ist bereits nach kurzer Zeit gemacht. Wer mag, kann danach eine Weile pausieren und ist dann wieder motiviert, die Weiterbildung zum Polier zu beenden. Für den Baukader-Verband ist dies der richtige Lösungsansatz. Was im Baugewerbe noch fehlt, ist die Möglichkeit Teilzeit zu arbeiten.

Das bewährte Berufsbild des Poliers ist seit Jahrzehnten ein sicherer Wert. Aber unsere Gesellschaft verändert sich. In den meisten Familien sind heute beide Elternteile berufstätig. Das führt zu partnerschaftlichen Betreuungsmodellen. Trotzdem haben Poliere bis jetzt noch kaum Möglichkeiten, Teilzeit zu arbeiten. Das muss sich ändern. In der Wirtschaft nimmt die Teilzeit- wie die flexible Arbeitszeit kontinuierlich zu.

Die Bauunternehmen müssen daher innovativ sein und neue Wege gehen. Denn geht nicht, gibt’s nicht. Vor der Corona-Krise schien es auch undenkbar, dass die halbe Schweiz im Home-Office arbeitet, Sitzungen nur noch digital stattfinden und virtuelle Lernveranstaltungen durchgeführt werden. Die neue Lösung ist schon zur Routine geworden.

Für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit sind neue Lösungen gefragt. Dann gewinnt das Berufsbild des Poliers wieder an Attraktivität, und damit sind die Fachkräfte auf dem Bau auch in Zukunft gesichert.

Autoren

Geschäftsführerin von Baukader Schweiz.

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