Kolumne zum Donnerstag: Heisse Zukunft

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Kolumne zum Donnerstag: Heisse Zukunft

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Nico Lutz, Sektorleiter Bau bei der Gewerkschaft Unia, mit dem Schutz der Bauarbeiter bei Hitzewellen.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

Ende Juli hatte ich Glück. Als es tagelang über 30 Grad war, bewegte ich mich die ganze Woche in den Alpen. Zwischen dem Misox und dem Engadin. Irgendwo zwischen 2000 und 3000 Metern über Meer. Es war immer noch warm, aber meistens angenehm.

Viele Bauarbeiter hatten weit weniger Glück. Wenn selbst im Schatten Temperaturen von 35 Grad herrschen oder man unter der glühenden Sonne Belag einbauen muss bei 150 Grad von unten – unter Zeitdruck und mit zu wenigen Pausen – das ist einfach nur brutal.

Keine Frage: Bauarbeiter wissen, dass sie einen Beruf draussen gewählt haben. Sie erwarten auch keine klimatisierten Baustellen mit konstanten Temperaturen.

Aber irgendwo hat es Grenzen. Ein Gartenbauer in Fribourg ist vermutlich aufgrund eines Hitzeschocks gestorben, die Polizei ist am Ermitteln. Und es dürfte diesen Sommer allen klar geworden sein: Arbeiten auf dem Bau bei dieser Hitze ist gefährlich und ab einer gewissen Temperatur verantwortungslos.

Einige Firmen waren vernünftig. Sie haben den Arbeitsbeginn vorverlegt und am Mittag Schluss gemacht. Oder sie haben besonders exponierte Baustellen ganz eingestellt. Das war aber eine Minderheit.

Wenn Bauarbeiter zusammen mit der Unia fordern, dass zum Schutz ihrer Gesundheit die Arbeit eingestellt wird, dann ging meist das Schwarzer-Peter-Spiel los.
Die Firma sagte: "Wir stellen schon ein, nur muss der Bauherr bereit sein, das Terminprogramm anzupassen."

Wenn das nicht erfolgte und die Baustelle – wie so oft – zeitlich schon im Rückstand lag, dann wollte die Firma weiterarbeiten. Und der Bauherr sagte: "Selbstverständlich hindern wir die Firma nicht daran, die Arbeit bei dieser Hitze einzustellen, wir sind ja keine Unmenschen. Beim Endtermin haben wir aber leider keinen Spielraum. Der muss bleiben."

Es gäbe eine Lösung für dieses Problem. Wenn sich die Vertragsparteien auf klare Parameter einigen, wann die Arbeit eingestellt wird, dann gibt es nichts mehr zu diskutieren. Dann gilt das für alle, und die Bauherren müssen dann auch eine Terminverschiebung akzeptieren.

Solche Regelungen sind bereits Realität: Im Strassenbau-Vertrag Tessin zum Beispiel. Wenn für die nächsten Tage ein Hitzeindex von über 90 prognostiziert wird – das entspricht bei der Wetter-App von Meteoschweiz der Warnstufe 3 – dann geben die kantonalen Behörden eine Hitzewarnung heraus, und die Strassenbaustellen müssen ab 13 Uhr geschlossen werden.

Eine sinnvolle Lösung – gemeinsam vereinbart zwischen den Sozialpartnern und dem Kanton. Das wäre in der ganzen Schweiz möglich und sinnvoll. Denn es wird wohl in der Zukunft eher noch heisser. Und darum braucht es sinnvolle Lösungen. Denn es werden nicht alle Bauarbeiter den ganzen Sommer in den Bergen wandern können. Und das vielleicht auch nicht wollen.

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Nico Lutz ist Sektorleiter Bau bei der Gewerkschaft Unia.
Sektorleiter Bau bei der Gewerkschaft Unia.

Sektorleiter Bau bei der Gewerkschaft Unia.