Kolumne zum Donnerstag: Gibt es den Baustoff der Zukunft?

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Kolumne zum Donnerstag: Gibt es den Baustoff der Zukunft?

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Peter Wellauer, Geschäftsführer der Betonsuisse Marketing AG und Leiter Partnerships bei Holcim (Schweiz) AG, mit dem nachhaltigen Bauen von morgen.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

In letzter Zeit gewinnt man mehr und mehr den Eindruck, nachhaltiges und schonendes Bauen findet in Zukunft alleine in Holz statt. In Baufachzeitschriften finden sich zahlreiche Artikel zu mehrstöckiger Bauweise in Holz und zu innovativer und ökonomischer Holzvorfabrikation. Dabei steht einzig die Reduktion von CO2 im Fokus, statt Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung als Ganzes zu betrachten.

Ist aber Holz wirklich der einzig «richtige» Baustoff? Und gehört Beton mit seiner naturbedingten grauen Energie als Baustoff abgeschafft? Diese Polarisierung ist absolut nicht zielführend. Die Realität ist auch hier nicht schwarz oder weiss oder in diesem Fall braun oder grau.

Beton ist in der Bauwelt heute und in Zukunft grundsätzlich nicht wegzudenken. Die aktuelle Infrastruktur funktioniert nur mit Beton. In der Kreislaufwirtschaft spielt Beton eine massgebende Rolle, da er unendlich rezykliert werden kann und damit zur massiven Schonung von Kiessand und von Deponieraum beiträgt.

Beton bildet durch seine unbegrenzte Formbarkeit und sein optimales Tragvermögen die Grundlage von innovativen, schlanken, mehrfach nutzbaren und langlebigen Wohn-, Gewerbe- und Industriebauten. Beton fundiert und stabilisiert auch heute alle «Holzhochhäuser». Geographisch gesehen überzeugt Beton zudem mit seinen lokalen Rohstoffen als absolut regional produziert und genutzter Baustoff.

Die Zukunft der Herstellung von Beton respektive seines Grundstoffs Zement ist geprägt von der Reduktion des dabei entstehenden CO2. Seit 1990 verringerte die Zementindustrie die Emissionen, die bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle und Erdöl entstehen, bereits um zwei Drittel.

In den letzten zehn Jahren ist die Entwicklung weiter vorangeschritten. Es sind CO2-optimierte Zemente auf den Markt gekommen, welche eine weitere Reduktion und damit schon heute die Grundlage für einen CO2-freien Beton (aktuell noch durch Kompensation) ermöglichen. Mit Hochdruck sind die Produzenten daran, durch moderne Methoden wie Carbon Capture und Storage (CCS) die Herstellung von Zement komplett CO2-frei zu gewährleisten.

Für das nachhaltige Bauen der Zukunft erscheint mir folgender Gedanke zentral: Erst wenn man vorurteilsfrei die besten Eigenschaften aller vorhandenen Baumaterialien nutzt und diese zielgerichtet einsetzt, entsteht ein optimales und ressourcenschonendes Bauwerk. Dabei ist zum Beispiel auch die Beton-Holz-Hybridbauweise ein durchaus adäquates Puzzlestück auf dem Weg zu einer wirklich nachhaltigen Bauweise.

Meine lieben Architektinnen und Architekten, lassen Sie sich nicht beirren und bleiben Sie weiterhin Beton-Aficionados. Beton ist nicht ein Teil des Problems, sondern vielmehr ein wichtiger Teil der Lösung. Ich kann Ihnen heute guten Mutes Hoffnung machen, Sie werden Ihren geliebten Baustoff allen Unkenrufen zum Trotz auch morgen noch kreativ und nachhaltig einsetzen können.

Autoren

Geschäftsführer der Betonsuisse Marketing AG und Leiter Partnerships bei Holcim (Schweiz) AG

Geschäftsführer der Betonsuisse Marketing AG und Leiter Bauplaner und Beteiligungen bei der Holcim (Schweiz) AG.