Kolumne zum Donnerstag: Generationen im Umfeld der Digitalisierung

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Kolumne zum Donnerstag: Generationen im Umfeld der Digitalisierung

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Vanessa Ott, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich, mit dem Generationenverständnis im Zeitalter der Digitalisierung.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Auch die Digitalisierung wird nur Erfolg haben, wenn wir Wissen und Erfahrung kombinieren. Im überaus spannenden Umfeld des digitalen Wandels in der Baubranche sind Firmenkulturen zu schaffen, welche diesen Wandel unterstützen und fördern, ohne dabei altbewährte, funktionierende Strukturen gänzlich ausser Acht zu lassen. Arbeitsräume sind neu zu definieren.

Die «jungen Wilden» mit ihrer Affinität zu Tablets und Smartphones sollen ihren Platz ebenso finden wie die «Alten» mit ihrer Gelassenheit, Abgebrühtheit und dem Pragmatismus, Projekthürden – aufgrund der Erfahrung – schon meistern zu können. Gefragt sind heute vor allem Arbeitsumfelder mit flachen Hierarchien, hoher Selbstverantwortung, dem Willen, eigeninitiativ Lösungsansätze zu entwickeln und in flexiblen Mustern zu denken. Die Motivation der Jungen baut heutzutage viel mehr auf Vertrauen und Verständnis auf, die Zusammenarbeit soll auf Augenhöhe stattfinden mit Respekt und Geduld von beiden Seiten.

Natürlich bedingt dies auch den Willen, das frische theoretische Wissen aus der Ausbildung mit der – in der Praxis erfolgreich angewendeten – Erfahrung von «alten Füchsen» zu kombinieren. Die Flexibilität, sich nicht in der Tiefe der digitalen Welten der Programme zu verlieren, sondern pragmatisch Resultate zu plausibilisieren, ist von den Jungen gefordert. Die Erfahrung ist der beste Plausibilitätscheck. Und dies kann und soll durchaus auch mal analog geschehen mit Bleistift und Block.

Die Anwendung analoger Methoden zur Erfassung von Problemstellungen ist nach wie vor nicht aus der zunehmend digitaleren Arbeitswelt verschwunden. Workshops nutzen immer noch die Methoden der Flipcharts und selbstklebenden Zettelchen, welche den Dschungel von Ideen besser visualisieren und strukturieren können.

Noch sind uns die digitalen Mittel zu sperrig, gerade zu Beginn von Entwicklungsprozessen. In Zeiten der neuen Technologien ist die Beherrschung analoger Techniken entscheidende Voraussetzung, um Lösungsansätze zu definieren, welche danach im digitalen Prozess zum Erfolg führen. Deshalb müssen die Erfahrenen im Team ihr Wissen zu diesen Mechanismen bei der digitalen Umsetzung von Projekten einbringen.

Der Philosoph Ludwig Hasler (74) sagte: «Die Jungen haben das frischere Wissen, mehr Elan und – hoffentlich – mehr Illusionen. Wir <Alten> können Erfahrung haben. Erfahrung kann man nicht lernen, Erfahrung muss man machen. Ein junger Arzt mag auf dem neuesten Stand des medizinischen Wissens sein. Eine 65-jährige Ärztin hat aber zu allen einschlägigen Krankheiten schon Hunderte Patienten gesehen. Erst diese Erfahrung macht ärztliche Kunst aus. Sie wird auch durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz nicht überflüssig. Erfahrung ist das spezifisch Menschliche.»

Ich selber stehe gerade mitten im Clash der Generationen, mal als «junges Küken», mal als «Ü40 – irgendwie alt» tituliert. Undefiniert – und dadurch nicht schubladisierbar. Das Generationenverständnis ist in diesen Zeiten der digitalen Transformation enorm wichtig, verbunden mit Respekt für das Gegenüber.

Autoren

Dipl.  Bauingenieurin FH, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich.

Dipl.  Bauingenieurin FH, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich.