Kolumne zum Donnerstag: Generation Ü65

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Kolumne zum Donnerstag: Generation Ü65

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Rita Hermanns Stengele, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich, mit dem Spannungsfeld zwischen den Generationen.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

Als ich mir vor etwa drei Wochen überlegte, welchem Thema ich mich in dieser Kolumne widme, fiel die Wahl auf die Generation Ü65. Es sind die Menschen, die normalerweise in den Ruhestand treten, aus dem Berufsleben ausscheiden. Wir verlieren in unserer Branche so viel Erfahrung. Aus diesem Grund nahm sich die Usic-Regionalgruppe Zürich im Oktober 2019 diesem Thema im Feierabendgespräch «Im Spannungsfeld der Generationen Jung und Alt – Chancen und Risiken» an (zum Beispiel kompetenz60plus.ch).

In der Schweiz scheiden ältere Menschen immer früher aus dem Erwerbsleben aus. Zu einem gewissen Teil sind sie vielleicht selbst schuld daran, dass sie nicht mehr gefragt sind. Ihre Ausbildung und das vermeintliche Fachwissen werden nicht mehr gebraucht, ihr Wissensstand ist veraltet. Viele verschliessen sich gegenüber technologischen Entwicklungen und Fortschritten. Die jüngere Generation empfindet die «Alten» nicht auf dem neusten Stand der Technik und teilweise vielleicht als «Besserwisser». Aber kann und will man auf Senioren im Berufsalltag verzichten?

Der Philosoph Ludwig Hasler (73) beschreibt Wissen und Erfahrung folgendermassen: Die Jungen haben das frischere Wissen, mehr Elan und – hoffentlich – mehr Illusionen. Wir «Alten» können Erfahrung haben. Erfahrung kann man nicht lernen, Erfahrung muss man machen. Das führt zu dem Schluss, dass sich ideale Teams aus Männern und Frauen, Junioren und Senioren, zusammensetzen sollten.

Aktuell hat das Thema Ü65 in Zeiten der Corona-Pandemie eine ganz andere Bedeutung bekommen. Die Generation Ü65 zählt nun definitiv zu den «Alten», ist die «Risikogruppe». Kontakte nach aussen müssen so weit wie möglich eingeschränkt werden, Grosseltern haben sich von ihren Enkelkindern fernzuhalten. Und jetzt?

Sollten wir nicht jetzt auf die erfahrene und krisenerprobte Generation zurückgreifen? Umfragen zeigen, dass ältere Menschen weniger von Ängsten und Unsicherheit in diesem vom Coronavirus dominierten Alltag geprägt sind. Der Neurowissenschaftler Daniel Levitin schreibt, dass die Mehrheit der «Alten» einfühlsamer und besser gerüstet für die Bewältigung von Herausforderungen im Leben sei, für sich und für andere.

Allerdings müssen ältere Menschen neue Dinge ausprobieren, um die kognitive Aktivität zu fördern, dazu gehört natürlich, den sozialen Kreis laufend neu zu pflegen. Selbst der kürzeste Kontakt mit Fremden jeden Tag ist für den Geist von Vorteil, da solche Treffen jeden Teil des Gehirns einbeziehen, so Levitin.

Aber gerade diese Kontakte sind derzeit praktisch ausgeschlossen. Da ist es doch naheliegend, die heutigen Mittel wie Internet, Videokonferenzen und Smartphone mit allen ihren Möglichkeiten einzusetzen. Vielleicht kommen sich so die Generationen einander näher.

Hoffen wir, dass nach dieser für uns alle schwierigen Zeit auch das Verständnis der Generationen füreinander gewachsen ist und dass das vorhandene Spannungsfeld der Generationen Jung und Alt als Chance für die gegenseitige Akzeptanz sowie für das Verständnis ergriffen wurde.

Man kann die Brandung nicht aufhalten, aber man kann surfen lernen! In diesem Sinne: Bleiben Sie alle gesund.

Autoren

Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich.

Dr. Rita Hermanns Stengele ist Vorstandsmitglied der usic Regionalgruppe Zürich.