Kolumne zum Donnerstag: Flexibilität – Eine Lektion aus dem Maschinenbau

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In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Andreas Steffes, Geschäftsführer Stahl- und Haustechnikhandelsverband SSHV, mit Flexibilität im Maschinenbau.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

In der Industrie treffen Stahlbau und Maschinenbau aufeinander. Im Maschinenbau wird Stahl vom kleinsten Ventil bis zu grossen Turbinen vielseitig eingesetzt. Grosse Industriebauten aus Stahl stellen den schützenden Raum für die Produktion und den Umschlag von Maschinen oder Rohstoffen dar. Stahl im Hochbau erreicht neben dem Schiffsbau wohl die grössten Dimensionen.

Seit dem Ende des 19.Jahrhunderts hat sich die Maschinenindustrie stark verändert. Die schnelle Innovation im Maschinenbausektor verändert die Nutzungsanforderungen und stellt hohe Ansprüche an die Wandelbarkeit der Bauten. Frei einteilbare Räume, die von robusten Tragwerken überspannt werden, sind gefragt. Darin können Produktionsabläufe neu organisiert, Maschinen nach Bedürfnis platziert und Waren verschoben und gelagert werden. Neben der flexiblen Nutzung ist auch die Möglichkeit der Deund Remontage und damit der lokalen Verschiebung ein Aspekt, der ein Bauwerk wandelbar macht und seinen Wert steigert.

Früh wurde erkannt, dass sich Stahl hervorragend eignet, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Bereits 1851 wurde der Kristallpalast von Joseph Paxton für die vorübergehende Nutzung an der ersten Weltausstellung im Hyde Park in London erbaut, danach demontiert und 1954 in Sydenham, London wiederaufgebaut. Was die zukünftigen Anforderungen an ein Bauwerk sein werden, lässt sich aufgrund der Geografie, Demographie und Ökonomie nur erahnen. Ein Denken in systemischen Bauten könnte diesem Umstand Abhilfe schaffen. Das Potential des systemischen und zirkulären Entwurfs wird im Wohnungsbau gerade erforscht und vorangetrieben.

Stahl und seine Verwendung im Maschinenbau können heute wichtige Impulse in der Wiederverwendung im Sinne der Kreislaufwirtschaft bringen. Die Umnutzung, den Ab- bzw. Wiederaufbau von Strukturen, aber auch die Instandsetzung von Strukturen sind Themen, die heute auch in der Bauwirtschaft bereits in der Planungsphase mitzudenken sind.

Stahl besitzt zwar ein hervorragendes Recyclingpotenzial. Doch durch die Wiederverwendung von Baugruppen und -teilen spart demgegenüber grosse Mengen an Energie ein. Mit einer entsprechenden Planung muss diese Option im Hochbau vermehrt zum Einsatz kommen. Die Analogie zum Maschinenbau zeigt auch, dass wir uns zur Erfüllung der Nachhaltigkeit von einer starren Planung verabschieden müssen, mit der wir zwar sehr langlebige Gebäude erstellt haben, die aber unflexible in der Nutzung sind. Vor allem in der heutigen Zeit ist der Planungshorizont deutlich kürzer geworden, wodurch es noch wichtiger ist, dass Umnutzung und Wiederverwendung von Beginn an mitgedacht werden. Hierzu muss über die verschiedenen Bauarten im Sinner einer innovativen Hybridbauweise vermehrt zusammengearbeitet werden, um Lösungen für die Wiederverwendung zu erarbeiten.

Autoren

Geschäftsführer der Stahlpromotion Schweiz.

Geschäftsführer des Schweizerischen Stahl- und Haustechnikhandelsverbands (SSHV).