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Kolumne zum Donnerstag: Echte Spartaner hinterfragen sich

Autoren: Benedikt Koch
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Benedikt Koch, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands, mit dem neuen Beschaffungsgesetz.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Sparta war neben Athen der mächtigste Stadtstaat im alten Griechenland. Ein echter Spartaner hatte in erster Linie ein harter und disziplinierter Krieger zu sein. Seinen Weltruhm sicherte sich Sparta in seiner Blütezeit durch Erfolge auf dem Schlachtfeld, derweil Spartas auf das Notwendigste reduzierter Lebensstil und der Verzicht auf Repräsentativbauten schon zur Antike legendär waren. Bis heute hallen sie in Redewendungen wie «spartanisch eingerichtet» nach.

Vor allem aber ist Sparta wohl die bekannteste Stadt der Weltgeschichte, die während Jahrhunderten auf eine Stadtmauer verzichtete. Denn Sparta lag in einem breiten, von Bergen eingefassten Flusstal, in dem das Gebirge die Funktion einer Festung übernahm. Zudem war man in Sparta aber auch der Ansicht, dass eine starke Armee jederzeit besseren Schutz bietet als eine Stadtmauer. Was sich über Jahrhunderte hinweg bewährte, wurde der Stadt schliesslich zum Verhängnis, nach mehreren verlorenen Kriegen drohte die Stadt in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Im Jahr 207 vor Christus leitete König Nabis die Modernisierung von Sparta ein. So legte er das Schicksal der Stadt erstmals in die Hände von Baumeistern und Handwerkern. König Nabis nutzte eine grosse Krise als Chance zum Wandel und liess den ersten Mauerring um Sparta errichten. Zwar wurde diese erste Stadtmauer bald bei einem Angriff zerstört, doch neu aufgebaut stand sie während Jahrhunderten – genauso wie Sparta noch lange seinen Status als freie Stadt verteidigen konnte.

Mit dem gleichen Ehrgeiz gilt es nun auch, den beim öffentlichen Beschaffungswesen eingeleiteten Paradigmenwechsel konsequent in Angriff zu nehmen. Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge hat die Qualität nun endlich die Bedeutung bekommen, welche sie auch verdient. Das neue Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) schützt Unternehmer wie Bauherren vor Unter- oder Dumpingangeboten. Falls Bauherren die gebotene Chance nutzen und entsprechende Zuschlagskriterien definieren.

Nutzen Sie die Möglichkeiten, die das neue BöB unserer Branche bietet, und klagen Sie nicht über den anfänglichen Mehraufwand, weil Auftragsvergaben nicht mehr nach dem ewig gleichen Muster – also an den billigsten Anbieter – erfolgen. Denn echte Spartaner hinterfragen sich und wagen die Modernisierung und den Wandel, wenn es die Zeit erlaubt. Und diese ist da. Jetzt.

Autoren

Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.

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