Kolumne zum Donnerstag: Die Transformation der Digitalisierung

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Kolumne zum Donnerstag: Die Transformation der Digitalisierung

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Alar Jost, Vorstandsmitglied von Bauen digital Schweiz, mit der bundesrätlichen Strategie «Digitale Schweiz».

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Die Digitalisierung und damit auch BIM sind auf oberster Bundesebene angekommen. Der Bundesrat hat mit seiner Strategie «Digitale Schweiz» und dem entsprechenden Aktionsplan eine Grundlage geschaffen, die aufzeigt, wie die Schweiz in den verschiedensten Bereichen ihre Chancen nutzen soll. Auch die Bau- und Immobilienwirtschaft ist aufgefordert, zu handeln.

Bauen digital Schweiz/buildingSMART hat mit dem Stufenplan einen wichtigen Beitrag zum Nutzen dieser Chancen geliefert. Als abstraktes Modell beschreibt er den Grad der digitalen Durchgängigkeit auf der jeweiligen Stufe. Auf diese Weise lassen sich der Transformationsprozess strukturieren und der Mehrwert für alle Beteiligten stufengerecht und transparent aufzeigen: Stufe 1 umfasst die modellbasierte Planung, Stufe 2 beschreibt die manuelle modellbasierte Kollaboration, auf Stufe 3 geht es um die integrierte, automatisierte modellbasierte Kollaboration, und mit Stufe 4 ist man bei kommunizierenden Systemen angelangt.

Doch wo stehen wir heute? Wie weit sind wir in diesem Prozess? Die Antwort ist einfach: Nicht dort, wo wir sein sollten. Die Vorreiter im Markt befinden sich auf Stufe 2: Die notwendigen Instrumente der modellbasierten Kollaboration – Modellierungsrichtlinien, BIM Projektabwicklungspläne, Datenfeldkataloge und so weiter – beginnen sich zu verbreiten. Immer mehr Unternehmen und Organisationen arbeiten damit, die maschinenlesbare Abbildung von betriebsseitig relevanten Daten erspart zum Beispiel die aufwendigen manuellen Prozesse der Übernahme der Bauwerksdokumentation in die CAFM-Systeme.

Doch wie ist es um die Effizienz und vor allem die Qualität auf dieser Stufe bestellt? Wer kann die geforderten Werte in den unzähligen Elementen der Modelle wirklich umfassend erstellen oder die Koordination der Beteiligten übergreifend managen? Würde die Bau- und Immobilienwirtschaft sich auf Stufe 2 beschränken, würde sich der Markt – so behaupte ich – wegen des immensen Mehraufwands im manuellen Datenhandling rückwärts bewegen.

Es ist daher zwingend notwendig, heute die «Transformation der Digitalisierung» einzuleiten und den Fokus auf die übergreifende, digitale Prozessdurchgängigkeit zu lenken. Die Grundlage dafür wird ein digitales Ökosystem bilden, das CDE (Common Data Environment), in dem alle Beteiligten entlang der gesamten Wertschöpfungskette prozessuale Anforderungen austauschen und mit modellbezogenen Inhalten arbeiten.

Methodisch müssen wir uns am IPD-Ansatz (Integrated Project Delivery) bewegen, der die gemeinschaftliche Kollaboration ins Zentrum rückt. Nur wenn uns dies gelingt, wird die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft jene Effizienz- und Nutzenpotenziale erschliessen, die heute schon möglich sind, aber noch ihrer Umsetzung harren.

Die gute Nachricht ist: Die ersten Schritte auf diesem Weg sind eingeleitet: Stufe 3 ist zurzeit in Vorbereitung. Sie ermöglicht automatisierte Prozesse und schafft durch «echte» digitale Interoperabilität die Grundlage für neue, disruptive Geschäftsmodelle. Parallel dazu werden die funktionalen Anforderungen für eine gemeinsame Datenumgebung wie zum Beispiel über die DIN SPEC 91391 und der CEN-Kommission TC442 definiert. Und schliesslich erarbeitet die buildingSMART openCDE Workgroup praxistaugliche Lösungsbeispiele, wie ein CDE zukünftig technisch umgesetzt werden könnte.

Die Spuren sind also gelegt, nun gilt es, die Strassen zu bauen, die uns die Potenziale der Digitalisierung vollumfänglich erschliessen.

Stufenplan-Video von Bauen digital Schweiz.

Autoren

Vorstandsmitglied Bauen digital Schweiz und Head Service Unit BIM/LCDA pom+Consulting AG.

Head of BIM bei Implenia und Vorstandsmitglied von Bauen digital Schweiz.