Kolumne zum Donnerstag: Die Schweiz stellt um auf BIM

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Kolumne zum Donnerstag: Die Schweiz stellt um auf BIM

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Dominik Schenk, Vizepräsident der Usic-Regionalgruppe Zürich, mit der Umstellung auf das digitale Planen und Bauen.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

Ich fahre auf der Autobahn Richtung Sargans. Im Radio erläutert die Bundesrätin die Strategie zur Digitalisierung in der Schweiz. Dann Werbung: "Die Schweiz stellt um auf DAB." Vor dem Tunnelportal hängt gleichwohl eine neue Signaltafel: "Radio SRF 88,4."* Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Die Schweiz stellt um auf das digitale Planen und Bauen – BIM ist in aller Munde. Der Vertreter eines grossen öffentlichen Bahnunternehmens schreibt in einer BIM-Sonderausgabe: "Wir stellen 2021 um auf BIM, wer dann nicht bereit ist, wird nicht mehr berücksichtigt." Bauherren, Unternehmer und Planer unternehmen derzeit grosse Anstrengungen, um für den digitalen Wandel bereit zu sein. Es wird sehr viel investiert – bereits mit einigem Erfolg. Technisch werden wir bereit sein, aber sind wir es auch im Kopf?

Alle wissen, dass im BIM-Prozess die Entscheide früher gefällt werden müssen. Aber stellen die Besteller ihren Prozess auch tatsächlich derart um, dass Entscheide früher gefällt werden können und auch tatsächlich gefällt werden? Was geschieht, wenn wir den Prüf- und Bewilligungsbehörden nur noch das Modell abgeben? Werden dann nicht doch weiterhin Pläne gefordert? Lassen die neuen Vorgaben für das Beschaffungswesen die Digitalisierung auch wirklich zu? Ist die Politik bereit, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen?

Geben wir dem Auftraggeber nach wie vor stapelweise unterzeichnete Detailrapporte ab, oder gibt es eine bessere, einfachere digitale Lösung? Wie wird die Finanzkontrolle in den digitalen Prozess eingebunden? Für die erfolgreiche Nutzung der Chancen, welche die Digitalisierung zweifelsohne bietet, braucht es sämtliche Partner. Wir alle sind gefordert, in unserem Umfeld nach möglichst guten Lösungen zu suchen und diese gemeinsam im Sinne des ganzen Planungs-, Bau- und Bewirtschaftungsprozesses vorzubereiten und umzusetzen.

Die Verbände spielen dabei eine wichtige Rolle. Einerseits, weil sie selber digitale Innovationen fördern oder auszeichnen – vor allem aber, weil sie sich mit den jeweiligen Partnern auf projektübergreifender Ebene abstimmen und sich gegenseitig auf Hindernisse sowie auch auf gemeinsame Chancen hinweisen können. Nur so kann die Umstellung auf das digitale Planen und Bauen erfolgreich gelingen.

Inzwischen bin ich in Vorarlberg angekommen. Die Vignette, das "Pickerl", konnte ich per App ganz einfach digital lösen. In der Schweiz steckt der entsprechende Antrag noch in den parlamentarischen Mühlen. Ich freue mich, wenn ich keine Vignette mehr auf die Windschutzscheibe kleben muss –-und ich freue mich noch mehr, wenn wir alle bereit sind, gemeinsam die digitale Zukunft zu gestalten.

* Für die jüngeren Leser: Mit der Zahl wurde früher die UKW Frequenz für den jeweiligen Radiosender angegeben. Die Frequenz konnte man dann am Autoradio manuell einstellen.

Autoren

Dominik Schenk, dipl. Bauingenieur ETH / SIA, ist Vizepräsident der Usic-Regionalgruppe Zürich und Mitglied der Geschäftsleitung bei Basler & Hofmann.

Dipl. Bauingenieur ETH / SIA, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich und Mitglied der Geschäftsleitung von Basler & Hofmann.