Kolumne zum Donnerstag: BIM – Bildung ist Mangel

Kolumne zum Donnerstag: BIM – Bildung ist Mangel

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Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Thomas Schneebeli, Vorstandsmitglied bei Plavenir Berufsbildung Raum- und Bauplanung sowie bei der Usic-Regionalgruppe Zürich, mit der beruflichen Bildung.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Ohne Zeichner kein Plan, ohne Plan kein Bauwerk. Die Zauberworte heissen neu digitale Modelle, Kollaboration, Clash Detection. Der Plan rückt in den Hintergrund. Die Bauindustrie redet kaum mehr über etwas anderes als Digitalisierung. Experten, Planer und Unternehmer zeigen schöne Bilder von noch schöneren Bauten. Weiterbildung scheint die Lösung. Viele, aber noch längst nicht alle Beteiligten investieren aktuell viel Zeit und finanzielle Mittel in die digitale Aufrüstung und Schulung ihres Personals. Wer kümmert sich aber um die berufliche Grundbildung – wer um die Implementierung an den Bildungsinstituten wie Berufs-, Fachhochschulen und Universitäten?

Glücklicherweise haben mittlerweile wohl alle Kreise erkannt, dass ICT-Berufsleute wohl die Programmierung der Modelle verstehen, aber die Daten nicht ausreichend interpretieren und richtig platzieren können. Sie werden also nicht die Lösung für unsere Branche sein. Dafür braucht es Baufachpersonen. Die Nutzer der Modelle müssen Generalisten sein, um fachübergreifende Zusammenhänge erkennen und umsetzen zu können.

Fachpersonen werden in Berufslehren und an Hochschulen ausgebildet. Also ist es an der Zeit, diese Ausbildungen schleunigst der Realität anzupassen. Beginnen wir mit den Zeichnern EFZ. Mit dem CAD haben wir begonnen, Striche statt direkt auf Papier mithilfe von Computern zu konstruieren. Modelle sind keine Zeichnungen. Also sollten wir aufhören, den Lernenden zu erklären, was ein Tuschstift ist. Wir sollten finanzielle Mittel bündeln und als Organisationen der Arbeitswelt die Lehrinhalte anpassen. Lasst uns zum Beispiel Ausbildungsblöcke einrichten, wo Lernende aus verschiedenen Branchen eine digitale Grundschulung erhalten, bevor sie in die Planungsbüros, Verwaltungen und Bauunternehmungen geschickt werden, um ihre betriebliche Ausbildung anzutreten. Diese Grundschulung könnte auch den Hochschulen zur Verfügung gestellt werden.

Die letzte Totalrevision des Zeichnerberufs hat rund acht Jahre gedauert. Der Zeichnerberuf ist schweizweit unter den zehn meist gewählten Berufen. Mit BIM ist der Bedarf an Fachkräften in allen Bereichen der Baubranche gestiegen. Die wenigsten betroffenen Betriebe bilden aber Zeichner aus. Sollten wir nochmals acht Jahre für eine Totalrevision brauchen, wird der Beruf schon längst überholt sein.

Ich stelle daher zwei Forderungen. Erstens: Lasst uns im Rahmen der anstehenden Totalrevision des Berufsfelds ein Berufsbild erarbeiteten, welches der digitalen Zukunft gewachsen ist. Zweitens: Lasst uns einen allgemein verbindlichen Berufsbildungsfonds einrichten, so dass jeder, der von Zeichnerberufen profitiert, sich finanziell an der Berufsbildung beteiligen muss. Digitale Zwillinge brauchen digitale Eltern. Lasst sie uns ausbilden – und zwar jetzt.

Autoren

Vorstandsmitglied von Plavenir Berufsbildung Raum- und Bauplanung, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich und Partner bei der Suisseplan Ingenieure AG.

Thomas Schneebeli ist Vorstandsmitglied von Plavenir Berufsbildung Raum- und Bauplanung, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich und Partner bei der Suisseplan  Ingenieure AG.