12:11 MANAGEMENT

«Wer nicht kritikfähig ist, kann auch nicht an seinen Aufgaben wachsen»

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«Hart, aber fair»: So lautet der wichtigste Führungsgrundsatz von Marcel Kramis, Geschäftsführer bei der Etraxa AG. In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt er Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Marcel Kramis Etraxa

Quelle: zvg

Marcel Kramis ist Geschäftsführer der Etraxa AG in Hünenberg.

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?

Marcel Kramis: Hart, aber fair! Es ist für mich persönlich wichtig, dass ein Vorgesetzter für seine Mitarbeiter greifbar, berechenbar und authentisch ist.

Was macht Sie zu einem guten Chef?

Das müssten Sie meine Mitarbeiter fragen. Spass beiseite: Ich versuche, ihnen immer mit Anstand, Fairness und Respekt zu begegnen, und bin Teil des Teams. Ich kommuniziere offen und ehrlich und gebe den Mitarbeitern die Wertschätzung, die sie verdienen.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Solange sie konstruktiv und zielführend ist und nicht mit zu grosser Verspätung eintrifft, bin ich offen und dankbar für Kritik. Wer nicht kritikfähig ist, kann auch nicht an seinen Aufgaben wachsen.

Bei welchen wichtigen Entscheiden haben Sie sich schon einsam gefühlt?

Wann immer Verantwortung für getroffene Entscheidungen übernommen werden muss, steht man als Chef plötzlich alleine auf weiter Flur. Sobald es um personelle Entscheidungen und somit um menschliche Schicksale geht oder wenn strukturelle Veränderungen ergriffen werden müssen, die nicht bei allen Mitarbeitenden gleichermassen gut ankommen, wird oft mit dem Zeigefinger auf die oberste Führungsinstanz gezeigt. Deswegen ist es mir persönlich wichtig, ein gutes und zielorientiertes Kader an meiner Seite zu haben, mit welchem solche Entscheidungen gemeinsam gefällt und schlussendlich mitgetragen werden können.

Wo sehen Sie die grössten Stärken Ihres Unternehmens?

In der Flexibilität unserer Mitarbeiter. Solange unsere Mitarbeiter bereitwillig und flexibel bleiben, können wir sprichwörtlich Berge versetzen.

Wie lautet das Erfolgsgeheimnis Ihrer Firma?

Wenn ich Ihnen das verraten würde, wäre es ja kein Geheimnis mehr… :-)

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?

Corona hat verschiedene Teile unserer Wirtschaft sehr stark getroffen, die Auswirkungen auf die Bauwirtschaft sind bislang aber noch vergleichsweise gering, da der Auftragsbestand hoch war respektive die Auftragsbücher zu Beginn der Pandemie noch sehr voll waren. Der Rückgang im Bausektor kommt daher verzögert und hatte nicht die gleiche Intensität wie in anderen Wirtschaftszweigen. Obwohl sich einige Projekte aufgrund von BAG-Anweisungen oder firmenintern getroffenen Massnahmen verzögerten, wurden diese trotzdem realisiert. Bei den Aussichten für 2021 bin ich vorsichtig optimistisch, hier wird sicher mit einem Rückgang zu rechnen sein. Der Rückgang im Hochbau wird meines Erachtens deutlich höher liegen als der Rückgang beim Tiefbau. Planungs- und kostenintensive Infrastrukturprojekte wurden bisher bei uns noch nicht zurückgestellt.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Sie ist für unsere Branche definitiv eine Chance, um der Nachfrage nach immer schnelleren Reaktionszeiten, Planungs- und Kundentransparenz gerecht zu werden. Wir müssen einfach das schnelldrehende Rad der Digitalisierung für unsere Zwecke optimal nutzen, die besten Innovationen für uns herausnehmen und zeitnah umsetzen. Dank Digitalisierung haben wir bei Etraxa bereits heute schlankere Prozesse, einen wirtschaftlichen Mehrwert und massiv schnellere Reaktionszeiten. Selbstverständlich bringt die Digitalisierung aber auch ihre Gefahren mit in eine Unternehmung und diese dürfen nicht ausser Acht gelassen werden.  

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?

Den persönlichen Umgang in der Baubranche erlebe ich als echt, direkt und klar. Das schätze ich und entspricht auch meinem eigenen Naturell. Was ich etwas vermisse, sind stärker ausgeprägter Berufsstolz und ein gesundes Selbstbewusstsein. Der ungebremst anhaltende Preiskampf auch bei steigenden Marktvolumen ist weder unternehmerisch nachvollziehbar noch wirtschaftlich sinnvoll.

Was wünschen Sie der Schweiz?

Ich wünsche mir für die Schweiz, dass wir wieder vermehrt zu unseren Werten stehen, unsere Unabhängigkeit nutzen, um auch weiterhin eine innovative und treibende Kraft im global vernetzten Wettbewerbsmarkt bleiben zu können.

Wo können Sie wirklich abschalten?

Auf meinem Segelschiff, beim Ballonfahren, einer feinen Zigarre oder einfach bei guten Gesprächen unter Freunden kann ich entspannen und frische Energie für neue Taten tanken.

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.

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