Ein Dorfbaumeister besteht am Markt

Ein Dorfbaumeister besteht am Markt

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Teaserbild-Quelle: Gabriel Diezi
Ein Dorfbaumeister besteht am Markt

Im Freiburger Sensebezirk ist Roman Zumwald verwurzelt. Hier leitet der Baumeister mit sicherem Gespür fürs Machbare das Familienunternehmen in zweiter Generation. Das Wichtigste für Zumwald sind seine Mitarbeiter, seine Kunden und die Offenheit, neue Wege zu beschreiten.

Bauunternehmer Roman Zumwald lässt seinen Blick über die Berner und Freiburger Alpen schweifen. Von der Terrasse der künftigen Attikawohnung bietet sich dem 45-jährigen Deutschfreiburger eine prächtige Bergsicht. «Wir dürfen hier mitten in Schmitten am Sonnenhang ein hochwertiges Wohnquartier bauen», sagt Zumwald. Die Überbauung «Schöne Buche» der federführenden Fristone AG aus Düdingen FR wird einmal zehn residenzartige Mehrfamilienhäuser umfassen, die mit grosszügigem Umschwung und eigenem Zugang aus der Tiefgarage per Aufzug punkten.
Den Auftrag für die Baumeisterarbeiten im Umfang von rund vier Millionen Franken hat sich die Zumwald Bauunternehmung AG gesichert. «Für uns als Dorfbaumeister mit 28 Angestellten ist es ein grosses Projekt, das uns in den nächsten eineinhalb Jahren eine gute Auslastung garantiert», betont Geschäftsführer Roman Zumwald. Seine Eltern hatten 1972 die eigene Bauunternehmung im Freiburger Sensebezirk gegründet. Was mit lediglich drei Bauarbeitern in Schmitten begann, entwickelte sich unter der umsichtigen Leitung des Gründers Otto Zumwald zum «eingesessenen Familien-KMU mit gutem Namen». So umschreibt es heute Roman Zumwald, dem die Firma seit 2009 gemeinsam mit seiner Gattin Judith gehört.

Ein junger Schnaufer mit Ideen

Roman Zumwald ist gemeinsam mit zwei Brüdern in der Wohnung oberhalb der Bauunternehmung aufgewachsen. «Schon als Kinder mussten wir in den Schulferien in der Firma mithelfen», erinnert er sich. «Ich habe es aber immer gerne gemacht und nicht als Zwang empfunden!» Da war es wohl die logische Konsequenz, sich bei der Berufswahl für eine Maurerlehre zu entscheiden. Diese absolvierte Roman allerdings bei einer Bauunternehmung im Nachbardorf – und nicht bei seinem Vater Otto. «Es war ein bewusster Entscheid von mir», erzählt Roman Zumwald. «Aber auch mein Vater fand es gut, dass ich beruflich zuerst einmal fremdes Brot esse.»
Nach einigen Wanderjahren als Maurer und mit abgeschlossener Bauführerschule trat Roman Zumwald 1997 ins Familienunternehmen ein. Er habe damals gespürt, dass er jetzt in der eigenen Firma benötigt werde, denn sein Vater sei «ziemlich am Limit gelaufen» und froh um Unterstützung gewesen. Parallel zu seiner Arbeit als Bauführer habe er sich relativ schnell auch bei strategischen Fragen eingebracht. «Ich wollte neue Wege gehen, was nicht immer konfliktfrei gelang», erinnert sich Zumwald. Sein Vater hätte als Patron alter Schule manchmal lieber am Bewährten festgehalten. «Manchmal reagierte er irritiert, wenn ich ihm als junger Schnaufer sagte, wie man es anders machen könnte.» Aber auch wenn es manchmal zwischen ihnen gekracht habe, hätten sie sich danach immer wieder gut verstanden. Sein Vater habe im Nachhinein oft zugegeben, dass sich die unkonventionellen Ideen bewährt hätten. «Und vielleicht war es manchmal auch umgekehrt …», schmunzelt Roman Zumwald.

Gelungene Nachfolgeregelung

Nach erfolgreich absolvierter Baumeisterausbildung am Campus Sursee übernahm Roman Zumwald 2005 die Geschäftsführung von seinem Vater. Davon ungeachtet hatten die drei Zumwald-Brüder gemeinsam mit ihrem Vater noch zu klären, wem das Familienunternehmen künftig gehören sollte. Nach einem langjährigen, emotionalen Prozess einigten sie sich 2009 darauf, dass einer der Brüder die Bauunternehmung alleine übernehmen würde. Roman Zumwald und seine Gattin Judith entschlossen sich, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. «Wir waren jedoch froh, dass wir im Geschäft in den ersten Jahren weiterhin auf meinen Vater zählen konnten», erzählt Roman Zumwald. Der Otto habe auch nach seiner offiziellen Pensionierung möglichst lange im Familienbetrieb mitarbeiten wollen, denn schliesslich war dies «seine Firma, sein Kind».
Erst kurz vor seinem 70. Geburtstag wollte der Unternehmensgründer kürzer treten. Aber noch heute mit 77 Jahren sei Otto interessiert wie eh und je, erzählt Roman Zumwald: «Mein Vater besucht unseren Werkhof häufig zur Kaffeezeit – und macht sich danach gut informiert auf den Heimweg ins Dorfzentrum.» Seit 2004 wohnt nämlich Roman Zumwald mit seiner Familie oben im Schmittener Firmensitz. Ob deshalb seine beiden Kinder ebenfalls einmal dem Baustellenvirus erliegen und den Familienbetrieb weiterführen, wird die Zukunft zeigen. Zumwald drängt sie nicht dazu: «Ich möchte ihnen die Freiheit lassen, sich so zu entscheiden, wie sie es wollen.»

Zwei Generationen, eine Berufung: Otto Zumwald (links) gründete 1972 das Familienunternehmen, das heute von seinem Sohn Roman geleitet wird.
Quelle: 
Gabriel Diezi

Zwei Generationen, eine Berufung: Otto Zumwald (links) gründete 1972 das Familienunternehmen, das heute von seinem Sohn Roman geleitet wird.

Zuerst kommen die Mitarbeiter

Als selbstständiger Kleinunternehmer ist Roman Zumwald heute glücklich: «Trotz der Lasten, die es dabei zweifellos zu tragen gilt, überwiegen für mich die Vorteile.» Bei einem Grossunternehmen würde er zwar mehr verdienen, wäre dafür aber nur ein kleines Rädchen in einem anonymen Gebilde, was ihm missfalle. Zumwald schätzt die familiäre Atmosphäre in seiner Firma, in der man sich noch persönlich kennt. Im Stile eines Patrons will er auch die soziale Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern und deren Familien wahrnehmen. «Meine Hauptsorge ist, dass ich stets genügend Arbeit für meine Leute habe und sie Ende Monat bezahlen kann», so Zumwald. Seine eigenen Interessen müssen da hintenan stehen.
Ebenfalls ein grosses Anliegen ist Zumwald die Aus- und Weiterbildung von Lehrlingen und Mitarbeitern. Er sieht sie als Investition in die Qualität seines eigenen Unternehmens: «Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut.» Es sei jedoch schwieriger geworden, gute Berufsleute im Sensler KMU zu halten. Oft versuchten Grossunternehmen qualifizierte Mitarbeiter mit finanziell verlockenden Angeboten abzuwerben. Ein Trumpf des Dorfbaumeisters im Kampf um Talente sei jedoch dessen Vielseitigkeit. «Wir bieten im Hoch- und Tiefbau möglichst alles selbst an, was die Arbeit unserer Mitarbeiter interessanter macht», betont Zumwald. Seine Leute könnten noch schalen, armieren und mauern. Auf den Einsatz von Akkord- und Temporärmitarbeitern verzichtet der Schmittener Bauunternehmer hingegen wenn immer möglich. «Das wirkt sich positiv auf die Qualität der Leistungen aus», ist Zumwald überzeugt. «Und so können wir eine gute Arbeit abliefern, mit der unsere Kunden zufrieden sind – unser Schlüssel zum Erfolg.»

Alle Maschinen sind bezahlt

Zumwalds Vater hatte früher Aushub- und Erschliessungsarbeiten stets fremdvergeben. Doch angesichts der fähigen Leute in den eigenen Reihen, schmerzten den Sohn die Zahlungen für Drittleistungen zunehmend. Er beschloss einen ersten Bagger zu kaufen und baute nach und nach einen Tiefbaubereich auf. «Heute besitzen wir fünf Bagger und beschäftigen vier Mitarbeiter übers ganze Jahr im Tiefbau», sagt Roman Zumwald. Zukunftsgerichtet investiert hat der Unternehmer zudem etwa im Bereich der Vermessung, wo er auf Tachymeter und GPS-Systeme setzt. Er wisse, woher er komme, wolle mit seinem Unternehmen aber nicht stehen bleiben und stets nach vorne schauen, so Zumwald.
Dieses Selbstverständnis zeigt sich auch beim Kranpark. An der bewährten jahrzehntelangen Partnerschaft mit der Winterthurer Condecta AG hält er fest. Bei seinem Hauslieferanten kauft er heute aber keine Occasions-Krane mehr ein, sondern Neugeräte. «Diese können wir deutlich länger und mit tieferen Unterhaltskosten nutzen», sagt Zumwald. Wenn dann trotzdem einmal ein Schnellmontagekran streike, stimme auch der Service. Erst vor zwei Wochen habe sein Mechaniker dringend eine Kranachse benötigt, erzählt Zumwald. «Ich habe bei Condecta angerufen und konnte bereits am nächsten Tag eine Ersatzachse in der Berner Filiale abholen. Das war wirklich unkompliziert, eben tipptopp.» Nicht zuletzt wegen solch positiver Erfahrungen bezieht Zumwald auch seine Baucontainer, Stein- und Holzfräsen beim gleichen Lieferanten.
Wenn es um die Neuanschaffung von Maschinen geht, versucht Zumwald seine Leute möglichst früh in den Entscheidungsprozess miteinzubeziehen. «Denn wenn wir etwas einkaufen, sollen sie das neue Gerät oder Material auch sofort aus Überzeugung einsetzen – und nicht nur widerwillig auf Befehl des Chefs», so Zumwald. Seine Fahrzeuge seien übrigens alle bezahlt, erzählt der Bauunternehmer nicht ohne Stolz. «Wenn ich ein Gerät brauche, will ich dieses kaufen und nachher abschreiben können. Ich lease weder Maschinen noch Geräte», erläutert Zumwald seine Philosophie. Aber klar miete auch er bei Grossaufträgen manchmal Geräte, um Bedarfsspitzen zu brechen.

Vom täglichen Kampf

Beim laufenden Projekt «Schöne Buche» an Schmittener Toplage ist dies nicht notwendig, da die zehn Mehrfamilienhäuser in Etappen realisiert werden. «Mit der Fristone AG, haben wir uns auf ein strenges, aber realistisches Bauprogramm geeinigt», sagt Zumwald. Maximal ein Drittel seiner Mitarbeiter werde jeweils vor Ort benötigt, was seinem Kleinunternehmen die parallele Abwicklung weiterer Aufträge ermögliche. Die beiden obersten Mehrfamilienhäuser in Waldnähe sind bereits im Rohbau fertiggestellt, dort beginnt nun der Innenausbau. Bis Ende Jahr werden dann auch die Baumeisterarbeiten für die Häuser drei und vier abgeschlossen sein. «Für uns gibt es hier also noch bis in den nächsten Herbst hinein viel zu tun», sagt Zumwald.
Und danach? Aktuell seien Neubaugesuche und Erschliessungen im Freiburger Sensebezirk leider Mangelware, räumt Zumwald ein. Schuld daran ist das Einzonungsmoratorium, das noch bis 2019 und der Abnahme des revidierten kantonalen Richtplans gilt. «Auf die wenigen Ausschreibungen gibt es einen regelrechten Run. Jeder Bauunternehmer will den Auftrag unbedingt, was zum Preiskampf führt», erzählt Zumwald. In den Abgebotsrunden gelte es dann jeweils abzuwägen, wie weit man mitofferieren wolle. Seine Zuversicht verliert der Dorfbaumeister deswegen nicht: «Das ist unser tägliche Kampf um Arbeit, doch irgendwie geht es immer weiter.»

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Stv. Chefredaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind Baustellen-Reportagen sowie Themen der Digitalisierung, neue Bauverfahren und Geschäftsmodelle.

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