08:09 MANAGEMENT

Chefsache mit Urs Hauser: «Kritik muss möglich sein»

Teaserbild-Quelle: zvg

Ihm sei es wichtig, eine offene Feedback-Kultur zu pflegen, sagt Urs Hauser, Direktor von Wohnbaugenossenschaften Schweiz. In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt er Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Urs Hauser  Direktor Wohnbaugenossenschaften Schweiz

Quelle: zvg

Urs Hauser ist Direktor von Wohnbaugenossenschaften Schweiz, dem Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger.

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?

Urs Hauser: Ich würde meinen Führungsstil als situativ beschreiben. Das bedeutet: Jede mitarbeitende Person ist nach ihren Bedürfnissen, Motiven und Fähigkeiten zu führen. Dabei sollen allen Mitarbeitenden möglichst grosse Handlungsspielräume haben. Dadurch entsteht Innovation und Kreativität.

Was macht Sie zu einem guten Chef?

Dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Jahren oder sogar Jahrzehnten dem Verband treu bleiben, könnte immerhin ein Zeichen sein, dass ich kein schlechter Chef bin. Die gegenseitige Wertschätzung sehe ich als Grundvoraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Zudem ist es mir ein Anliegen, meine Mitarbeitenden in wichtige Entscheidungsprozesse einzubinden. Wichtige Qualifikationen für einen guten Chef sind meiner Meinung nach Lernfähigkeit, Kreativität, Entscheidungsfreude, Kooperationsfähigkeit, Flexibilität und Verantwortungsbereitschaft.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Ich nehme Kritik ernst. In einem guten Arbeitsumfeld muss Kritik möglich sein, positive oder negative. In unserem Verband haben wir über 1200 Mitglieder mit unterschiedlichen Hintergründen und Denkmustern. Es liegt auf der Hand, dass wir es nie allen recht machen können. Wichtig ist mir, dass wir eine offene Feedback-Kultur pflegen.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?

Ich gewähre den Mitarbeitenden eine hohe Selbständigkeit und damit auch eine hohe Verantwortung. Fördern bedeutet für mich Potenziale zu erkennen und Mitarbeitenden auch neue Funktionen oder Verantwortungsbereiche zu übertragen.

Wollten Sie immer schon Chef werden? Weshalb oder weshalb nicht?

Nein, ich habe keine Chefposition angestrebt. Entscheidend ist für mich die Möglichkeit, mich für eine gute Sache voll und ganz einzusetzen. Als Chef schätzte ich es sehr, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit einem Team die Entwicklungen aktiv mitzusteuern.

Dar ein Chef oder eine Chefin auch Schwächen zeigen? Warum?

Meine Schwächen kennen meine Mitarbeitenden, die muss ich nicht zeigen. Und jede Schwäche kann sich ja in anderer Form auch als Stärke erweisen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?

Ich denke, die Baubranche ist grundsätzlich sehr stabil. Für die Zukunft sehe ich ein riesiges und anspruchsvolles Umbau- und Sanierungspotenzial. Das ist eine grosse Herausforderung, vor allem in dichten und städtischen Gebieten, wo Ersatzneubauten schwierig realisierbar sind.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Auf jeden Fall eine Chance. Gerade im Zusammenhang mit Homeoffice ist die Digitalisierung eine Grundvoraussetzung. Wir müssen aber noch lernen, mit dieser neuen Arbeitsform umzugehen. Und wir müssen auch bedacht sein, alle in dieses neue Zeitalter mitzunehmen. Sodass es eben nicht nur Gewinner oder Verlierer gibt. Und damit die Digitalisierung uns wirklich dient und die Arbeit erleichtert.

Was wünschen Sie der Schweiz?

Nicht nur Bestandssicherung des Erreichten, sondern insbesondere auch Kreativität, Innovation und Offenheit gegenüber Neuem. Vor allem wünsche ich mir für die Schweiz, dass alle Menschen Zugang zu einer guten und bezahlbaren Wohnung haben.

Welche Fähigkeiten möchten Sie besitzen?

Die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, und den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.

Wie bringen Sie Beruf und Privatleben unter einen Hut?

Mit der Entwicklung der neuen Technologien und der steigenden Informationsflut wird auch die Präsenzzeit für den Beruf immer höher. Umso wichtiger sind mir kleine Auszeiten, in denen ich nicht erreichbar bin.

Wo können Sie wirklich abschalten?

Bei einem guten Buch, einem guten Essen mit meiner Frau oder einer Wanderung in der Natur. Und natürlich wenn ich mit meinen kleinen Enkelinnen unterwegs bin – dann kann ich gar nicht anders als abschalten. (stg)

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.

Auch interessant

Anzeige

Dossier

Die Flughafenregion Zürich im Fokus
© ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Zaugg, Paul / CC BY-SA 4.0

Die Flughafenregion Zürich im Fokus

Die Flughafenregion Zürich (FRZ) veröffentlicht im August gemeinsam mit dem Baublatt eine Sonderausgabe. In diesem Dossier werden alle damit verbundenen Fachbeiträge gesammelt. Die Ausgabe stellt nebst anderem laufende oder geplante Projekte vor und beleuchtet die aktuelle Situation der Region.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.