Chefsache mit Peter Staub: «Ohne inneres Feuer geht nichts»

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Chefsache mit Peter Staub: «Ohne inneres Feuer geht nichts»

Er lasse seinen Mitarbeitenden grosse Freiheiten und unterstütze sie auf ihrem Weg, sagt Peter Staub, CEO der Immobilienberatungsfirma pom+. In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt er Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Peter Staub CEO Immobilienberatungsfirma pom+
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Peter Staub ist CEO der Immobilienberatungsfirma pom+. Hier ist er als Figur aus dem 3D-Drucker zu sehen.

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?

Peter Staub: Ich habe sehr grosses Vertrauen in meine Kolleginnen und Kollegen bei pom+ und lasse ihnen sehr grosse Freiheiten. Wir führen pom+ seit der Gründung der Firma vor bald 25 Jahren mit zwei Führungsstrukturen. Die primäre Führungsstruktur ist die projekt- und teambasierte Zusammenarbeit, wo die Führung In den Teams im Vordergrund steht. Die Linienführung natürlich auch zwingend, aber für uns sekundär. So sind wir es alle gewohnt, die Verantwortung dort zu delegieren, wo die Kompetenzen sind.

Was glauben Sie, was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Es ist mir ein grosses Anliegen, unseren Mitarbeitenden ihre verdiente Wertschätzung zu geben. So sind wir recht grosszügig in verschiedensten Belangen, und das anerkennen meine Leute auch. Ich höre auch immer wieder, dass ich authentisch wahrgenommen werde, das heisst man merkt, ob ich von etwas begeistert bin oder nicht. Zudem bin ich zur Bescheidenheit und Dankbarkeit erzogen worden, was mir auch oft positiv attestiert wird. Wie überall kommt nun das grosse Aber: Es gibt immer mindestens 50 Prozent, welche diese Eigenschaften nicht gut finden.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Der Umgang mit Kritik gehört nicht zu meinen Stärken. Ich mache da vieles falsch, kann mich auch an kein Lehrbuch halten und nehme oft die Kritik persönlich. Das hängt stark mit meinem Ehrgeiz zusammen! Mit zunehmendem Alter konnte ich doch schrittweise ein bisschen mehr Gelassenheit entwickeln.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?

Ich gebe meinen Mitarbeitenden genügend Raum, um sich selbst zu fördern und unterstütze sie, wo und wie sie sich den Weg suchen. Ich bin überzeugt: Ohne inneres Feuer geht nichts.

Wollten Sie schon immer Chef werden? Weshalb oder weshalb nicht?

Für mich stand nie im Vordergrund, Chef zu werden um jeden Preis. Für mich stand immer im Vordergrund, Unternehmer zu werden. Ich stamme aus einer Unternehmerfamilie und habe neben den Sonnenseiten auch die Schattenseiten kennen gelernt, aber das Positive überwiegt. Was mir als Unternehmer und Chef besonders gefällt, ist die unternehmerische Freiheit. Wir können von heute auf morgen neue Ideen lancieren und umsetzen, denn wir haben keine langwierigen Wege.

In welchen beruflichen Situationen sind Sie schon an Ihre Grenzen gestossen?

Rückblickend war die Start-up-Phase von pom+ für mich sehr, sehr beanspruchend. Ich arbeitete einerseits noch am Abschluss meiner Dissertation an der ETH Zürich, musste parallel die Firma hochfahren, hatte eine junge Familie mit zwei Jungs im Alter von zwei und vier Jahren und konnte noch eine wunderbare, aber ältere und sanierungsbedürftige Liegenschaft kaufen und habe diese parallel auch noch renoviert. Ohne meine Frau wäre das nie gegangen. Sie hat mich auch zurückgehalten, als ich die Diss kurz vor Schluss in dieser Phase schmeissen wollte.

Bei welchen wichtigen Entscheiden haben Sie sich schon einsam gefühlt?

Ich bin jetzt in meiner Nachfolgeregelung und werde da von meinen Geschäftsleitungs-Kollegen und dem Verwaltungsrat und meiner Umwelt ausgezeichnet unterstützt. Trotzdem kommen viele Entscheide auf mich zu, welche mich stark persönlich fordern.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?

Die Bauwirtschaft befindet sich in einem fundamentalen Wandel und hat Riesenpotenzial. Dabei muss man sicher differenzieren zwischen grossen Unternehmen wie beispielsweise den SBB, welche diesen extremen Wandel treiben, und kleinen KMU auf dem Lande, welche noch viele Jahre so weiterarbeiten werden wie bisher.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Ich verfolge das Thema der digitalen Revolution schon länger, da ich immer Freude an technologischen Themen hatte. So habe ich auch frühzeitig erkannt, welches riesige Potenzial die Digitalisierung für alle Beteiligten am Lebenszyklus von Immobilien hat. Meine Euphorie ist nun ein bisschen gewichen, denn ich stelle fest, dass die Transformation länger geht als ich mir erhofft hatte. Ich sehe nun auch durchaus Gefahren für Unternehmen, aber einzig und alleine, wenn man den Zug verpasst.

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?

Ich schätze die vielen guten Unternehmen, welche wir in der Schweiz haben. Viele KMU agieren aber mit minimalen Renditen und haben kaum Mittel zu investieren. Vor allem die Entwicklungen um BIM werden alle fordern mit neuem Wissen und neuen Technologien. Für viele wird es sehr schwierig, auf diesen Zug aufzuspringen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Image der Baubranche zu verbessern?

Für mich persönlich war die Swissbau 2020 ein wichtiger Schritt in Richtung einer Imagekorrektur der Branche, denn bis vor ein bis zwei Jahren war sie eine traditionelle, die Branche reflektierende Messe, wo man sich über Materialien, Maschinen und Geräte und vieles mehr informieren konnte. Mit dem Swissbau Innovation Lab wurde gezeigt, dass auch in der Baubranche echte Innovationen möglich sind und der Life Cycle nicht nach dem Bauprozess endet, sondern sich extrem viel Potenzial über eine Lebenszyklusbetrachtung ergibt.

Was wünschen Sie der Schweiz?

Im Zeitalter der Digitalisierung wünsche ich mir eine Schweiz, welche umsetzbar stark ist und der Welt zeigt, was machbar ist. Ihre Kompetenz beruht auf exzellenten Hochschulen und Universitäten sowie weltweit führenden Technologieunternehmen. Wir müssen mehr Schub geben und uns die Schweiz im Zeitalter der Industrialisierung als Vorbild nehmen. (stg)

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.