Chefsache mit Ludovica Molo: «... und immer wieder ein paar Lacher»

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Chefsache mit Ludovica Molo: «... und immer wieder ein paar Lacher»

«Gegenseitiges Vertrauen und Austausch von Visionen und Absichten – und immer wieder ein paar Lacher»: So lautet der wichtigste Führungsgrundsatz von Ludovica Molo, Zentralpräsidentin des Bunds Schweizer Architekten (BSA). In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt sie Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Ludovica Molo ist Zentralpräsidentin des Bunds Schweizer Architekten (BSA).
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Ludovica Molo ist Zentralpräsidentin des Bunds Schweizer Architekten (BSA).

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?
Ludovica Molo: Gegenseitiges Vertrauen und Austausch von Visionen und Absichten – und immer wieder ein paar Lacher.

Was macht Sie zu einer guten Chefin?
Die Fähigkeit, andere umfassend in Projekte zu integrieren und die Kompetenzen der Mitarbeitenden zu stärken.

Was glauben Sie, was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?
Manchmal herausfordernd, weil unberechenbar und hartnäckig. Aber alles in allem auch dankbar für die grosszügige Teilhabe.

Wie gehen Sie mit Kritik um?
Mit einem sanften Ton und einem Lächeln. Manchmal braucht es ein Glas Wein. Dann kann man mir alles sagen – oder fast alles.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?
Im Zentrum steht die Verantwortung: Das Gefühl, dass sich ein Projekt als das eigene anfühlt. Dann: Das Teilen von Last und Ruhm. Die Anregung von Leidenschaft und Offenheit – sowie der Wunsch, über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen.

Wollten Sie schon immer Chefin werden? Weshalb oder weshalb nicht?
Das Leben führt uns oft an unerwartete Orte. Dann ist es an uns, die Chancen zu nutzen und das Beste daraus zu machen. Ich sehe mich weniger als Chefin denn als Aktivistin. Ich verbanne das Wort «Chefin» aus dem Gespräch mit meinen Mitarbeitenden.

Darf eine Chefin oder ein Chef auch Schwächen zeigen? Warum?
Natürlich muss sie das. Zum Beispiel beim Bilden eines Teams: Das bedeutet, ergänzende Kompetenzen zu finden – Kompetenzen, die ich oft nicht selber habe.

In welchen beruflichen Situationen sind Sie schon an Ihre Grenzen gestossen?
Wenn ich den Eindruck nicht loswerde, dass ich keine Worte und Bilder finde, um meinen Gesprächspartner zu überzeugen.

Bei welchen wichtigen Entscheiden haben Sie sich schon einsam gefühlt?
Meistens bei wirtschaftlichen Entscheidungen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?
Wir stehen am Ende eines aussergewöhnlich lange andauernden Booms. Es stellen sich nun neue Herausforderungen. Es muss aber nicht notwendigerweise eine negative Entwicklung sein, wenn wir mal unsere ökonomischen, beruflichen, politischen und sozialen Modelle in Frage stellen.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?
Grundsätzlich eine Chance, aber natürlich auch eine Gefahr. Es geht jetzt darum zu verstehen, wo das kreative Potenzial liegt. Wenn die Digitalisierung nur dazu genutzt wird, Prozesse zu vereinfachen und den Handlungsspielraum der Architekten einzuschränken, nützt sie uns nichts.

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?
In der Schweiz pflegen wir nach wie vor eine hohe Baukultur – von der Planung bis zur Umsetzung auf der Baustelle. Diese Sorgfalt ist immer noch ein weitgehend gemeinsamer Wert in der Branche.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Image der Baubranche zu verbessern?
Qualität, Qualität, Qualität: verteidigen, fördern, verbreiten.

Welche Probleme sollte die Politik sofort angehen?
Aus meiner Sicht geht es darum, die richtigen Instrumente für eine harmonische und nachhaltige Entwicklung zu finden – und sie ständig zu erneuern. Zwischen Stadt und Region, zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft. Wir brauchen ein starkes Bild der Gegenwart und der Zukunft der Räume, in denen unsere Gesellschaft lebt.

Was wünschen Sie der Schweiz?
Eine Vision, die mit der Zeit geht, aber verankert ist in der Kontinuität unserer Geschichte. Eine Vision, die sowohl eine starke kulturelle Identität wie auch eine hohe Integrationsfähigkeit aufnimmt. Auf allen Ebenen, von der Politik über die Raumplanung bis zum einzelnen Bauprojekt.

Wer war der Held oder die Heldin Ihrer Kindheit?
Jo aus dem Roman «Little Women» von Louisa May Alcott.

Welche Fähigkeiten möchten Sie besitzen?
Mehr kreative Kapazität beim Verständnis wirtschaftlicher Prozesse und Unternehmensstrukturen, die letztlich die Bedürfnisse der Gesellschaft widerspiegeln.

Als welches Tier würden Sie gerne ein zweites Mal leben?
Als Kängurumutter, die sich um drei Leben gleichzeitig kümmert: einen Embryo im Bauch, ein Baby im Beutel und ein weiteres, das neben ihr springt. Sie meistert die Widrigkeiten auf dem Weg, indem sie mit scheinbarer Leichtigkeit springt.

Wie bringen Sie Beruf und Privatleben unter einen Hut?
Reine Balance – ich gehe immer nur ein Hindernis auf einmal an.

Wo können Sie wirklich abschalten?
Gefühle, Gedanken und Aktivitäten mit echten Freunden teilen. Selbstverständlich auch mit meinen Kindern, die die Freude meines Lebens sind. Mutter sein bedeutet jedoch eine immense Hingabe und Engagement, und das kann man nicht als Ablenkung bezeichnen... (stg)

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, die sie schriftlich beantworten können.