Chefsache mit Guido Biaggio: «Die Mitarbeiter wertschätzen»

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«Ein gutes Wort für eine gute Leistung im richtigen Moment bewirkt viel», sagt Guido Biaggio, Vizedirektor des Bundesamts für Strasse (Astra) und Leiter der Abteilung Infrastruktur Ost. In der Interview- Serie «Chefsache» nimmt er Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Guido Biaggio, Vizedirektor des Bundesamts für Strassen (Astra) und Leiter der Abteilung Infrastruktur Ost.
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Guido Biaggio, Vizedirektor des Bundesamts für Strassen (Astra) und Leiter der Abteilung Infrastruktur Ost.

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?

Guido Biaggio: Der Chef soll den Mitarbeitern zuhören, die Fakten abwägen und schlussendlich entscheiden. Er ist dabei gefordert und trägt die Verantwortung.

Was macht Sie zu einem guten Chef?

Ich versuche, mich immer vorbildlich zu verhalten und stets für alle verfügbar zu sein. Wichtig ist auch, in allen Situationen in der Lage zu sein, eine Entscheidung zu fällen und dafür auch die Konsequenzen zu tragen.

Was glauben Sie, was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Ich glaube, dass sie diese hohe Verfügbarkeit schätzen und es sie beruhigt, dass ich sie stets unterstütze und sie Rückendeckung kriegen. Sie wissen, dass ich auch in schwierigen Situatioen eine Stossrichtung definiere und stets dahinterstehe.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Konstruktive Kritik ist sogar erwünscht und stellt für mich kein Problem dar. Was ich nicht mag, ist nicht lösungsorientierte Kritik.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?

Ich versuche, die Mitarbeiter immer wertzuschätzen. Es geht dabei um die Anerkennung der Leistung sowie die Förderung der stetigen Weiterbildung. Wir sprechen nicht unbedingt nur von finanzieller Wertschätzung in Form von Prämien, sondern auch vom Loben und Danken. Ein gutes Wort für eine gute Leistung im richtigen Moment bewirkt viel.

Wollten Sie schon immer Chef werden? Weshalb oder weshalb nicht?

Nein, nicht unbedingt. Es war nie ein Muss für mich. Ich habe meine Karriere als Ingenieur begonnen und mit der Zeit immer mehr Verantwortungen übernommen. Meine heutige Funktion ist das Resultat einer 25-jährigen Karriere in der Baubranche in verschiedenen Positionen.

Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?

Der Chef ist ein Mensch mit Stärken und Schwächen wie alle anderen auch. Mir gefällt der Gedanke, dass wir im Team wie in einer Familie funktionieren. Es kann durchaus auch passieren, dass der Chef schwierige Situationen durchlebt und deshalb Schwäche zeigt. Man sollte das in einer natürlichen Art und Weise leben.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Die Digitalisierung ist sicher eine Chance, vor allem für die Optimierung der Bauprozesse, ohne dabei aber die menschliche Komponente zu vergessen.

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?

Ich schätze es, dass in der Baubranche noch echte Unternehmer zu finden sind, die keine Angst vor der Zukunft haben. Mir gefällt allerdings nicht, dass gewisse Leute noch immer meinen, mit den Marktregeln spielen zu dürfen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Image der Baubranche zu verbessern?

Die Baubranche sollte sich dem Wandel der Digitalisierung gegenüber proaktiv verhalten und nicht passiv bleiben. Die Förderung der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden sollte dabei im Vordergrund stehen.

Wer war der Held oder die Heldin Ihrer Kindheit?

Dale McCourt, ehemaliger Stürmer von Ambrì Piotta.

Wie bringen Sie Beruf und Privatleben unter einen Hut?

Es braucht Organisation, Kraft, Flexibilität und eine tolle Frau. Ich arbeite in Bern, und meine Familie lebt im Tessin, deshalb ist meine Freizeit ausschliesslich für die Familie reserviert. (stg)

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.