Chefsache mit Gian-Luca Lardi: «Vorbild sein und vorangehen»

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Chefsache mit Gian-Luca Lardi: «Vorbild sein und vorangehen»

«Ich setze alles daran, dass ich allen ein Vorbild sein kann und zuvorderst vorangehe», sagt Gian-Luca Lardi, Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV). In der Interview- Serie «Chefsache» nimmt er Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Gian-Luca Lardi ist seit 2015 Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV)
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Gian-Luca Lardi ist seit 2015 Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV)

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?
Gian-Luca Lardi: Vorbild sein. Ich kann und soll nicht alles können, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können. Im Hinblick auf die Firmenwerte setzte ich aber alles daran, dass ich allenein Vorbild sein kann und zuvorderst vorangehe.

Wie gehen Sie mit Kritik um?
Ich höre zu und versuche, mich in die Lage des Gegenübers zu versetzen. Ich analysiere die Differenzen und versuche im Dialog, gemeinsame Lösungen auszuarbeiten. Gelingt dies nicht, so akzeptiere ich die Kritik und schaue nach vorn.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich lasse den Mitarbeitern viel Freiheit und übertrage denjenigen, welche diese zielorientiert zu nutzen wissen, rasch zunehmende Verantwortung. So kann jeder mit seinem eigenen Tempo weiterkommen. Bei Meilensteinen in der Karriere ist oft eine zielgerichtete Weiterbildung sinn-voll, ansonsten versuche ich, Mitarbeitende mit Coaching zu begleiten.

Wollten Sie schon immer Chef werden? Weshalb oder weshalb nicht?
Ich habe die Verantwortung nie gezielt gesucht. Ich bin an sich nur eine neugierige Person, allerdings mit einem kompetitiven Charakter ausgestattet. Ich habe Herausforderungen daher stets gerne angenommen, so auch die Übernahme von Führungsverantwortung.

In welchen beruflichen Situationen sind Sie schon an Ihre Grenzen gestossen?
Beruflich wurde ich stark herausgefordert bei Abgängen von Schlüsselpersonen und bei der Bewältigung von Krisensituationen bei Grossprojekten. Aber schon während des Studiums und im Militärdienst, später dann beim Triathlon, bin ich mehrmals an meine psychischen und physischen Grenzen gestossen. Dabei lernt man jedes Mal viel und erhöht die eigene Resilienz. In einer globalisierten, hochkompetitiven Arbeitswelt ist es notwendig, die eigenen Grenzen zu kennen, damit man sich diesen annähern kann, ohne sie zu überschreiten. Dieser Kompetenz wird in der herkömmlichen Bildungslandschaft und in der heutigen Arbeitswelt zu wenig Beachtung geschenkt. Hier besteht Handlungsbedarf.

Bei welchen wichtigen Entscheiden haben Sie sich schon einsam gefühlt?
Entscheide können alleine oder in einem Gremium gefällt werden, da habe ich mich selten einsam gefühlt. Einsam fühlt man sich eher, wenn man Verantwortung für Fehler und Fehlentscheide übernehmen muss. Auch das gehört zum Chef sein.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?
Auch wenn die Rekordjahre hinter uns liegen, geht es dem Bau immer noch gut. Ich bin optimistisch, dass unserer Branche in den nächsten zwei Jahren eine Konsolidierung auf dem hohen heutigen Niveau gelingen wird.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?
Die Digitalisierung stellt einen nächsten Schritt in der Evolution unserer Gesellschaft dar. An sich also nichts Ungewöhnliches und ganz klar eine Chance.

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?
In der Baubranche hinterlässt man Spuren, was man auch immer baut. Das Resultat unserer Arbeit ist konkret und kann mit Händen gefasst werden. In unserer heutigen Dienstleistungsgesellschaft ist dies unglaublich schön! Hingegen bedauere ich, dass wir verlernt haben, unseren Kunden Nein zu sagen. Nein zu einem zu tiefen Preis, Nein zu einer unerfüllbaren Projektanforderung, sei diese terminlich oder qualitativ.

Was wünschen Sie der Schweiz?
Die Schweiz verlangt von ihren Bürgern Eigenverantwortung und bevormundet sie nicht. Daraus hat sich ein grosser Standortvorteil gegenüber unseren Nachbarländern entwickelt. Ich wünsche unserem Land, dass es diese Werte auch zukünftig beibehalten kann.

Welche Fähigkeiten möchten Sie besitzen?
Frauen haben manchmal einen siebten Sinn in der Einschätzung von Menschen. Da würde ich nicht Nein sagen.

Wo können Sie wirklich abschalten?
Am besten mit der Familie in den Bündner Bergen, bei meinen Wurzeln. Aber auch beim Sport kann ich meine Gedanken ziehen lassen. (stg)

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.