Chefsache mit Anita Eckardt: «Vorbildfunktion einnehmen»

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Chefsache mit Anita Eckardt: «Vorbildfunktion einnehmen»

«Führen heisst für mich fordern, fördern und Raum geben für das Mitdenken», sagt Anita Eckardt, Leiterin der Division Spezialitäten bei Implenia. In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt sie Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Anita Eckardt, Leiterin der Division Spezialitäten bei Implenia.
Quelle: 
Conrad von Schubert

Anita Eckardt ist Leiterin der Division Spezialitäten bei Implenia.

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?

Anita Eckardt: Führen heisst für mich fordern, fördern und Raum geben für das Mitdenken. In meiner Organisation gibt es Experten, die ihre Bereiche bei Weitem detaillierter verstehen als ich und deshalb ist es wesentlich, dass jede und jeder mit ihrer oder seiner «Brain Power» beiträgt. Als Vorgesetzte muss ich eine Vorbildfunktion einnehmen, darf aber von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch erwarten, dass sie ihr Bestes geben und die an sie übergebene Verantwortung sowie die damit verbundenen Aufgaben mit der gleichen Hingabe übernehmen, wie ich es vorlebe.

Was macht Sie zu einer guten Chefin?

Diese Frage würde ich lieber meine Teams beantworten lassen. Gesagt wurde mir oft, dass ich unsere gemeinsame Vision gut vermitteln kann und damit dazu beitrage, dass wir uns alle in die gleiche Richtung bewegen. Auch hörte ich schon, dass ich viel Energie in ein Team bringe und eine offene und gute Zusammenarbeit fördere. Fehler machen ist in Ordnung, und wir müssen sie erlauben, wenn wir Neues erfinden wollen. Wichtig bleibt natürlich, aus den Fehlern zu lernen. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass man sich traut, Fehler auch offen zu kommunizieren.

Was glauben Sie, was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Ich habe meine neue Aufgabe ja erst im September 2019 begonnen und bin derzeit daran, verschiedene Standorte in Europa zu besuchen. Somit wird es wohl noch einige Mitarbeitende geben, die mich noch nicht kennen. Jene, die ich bereits getroffen habe, sagen aber hoffentlich, dass ich fair und integer bin, stets ein offenes Ohr habe, aber auch, dass ich mein Team herausfordere.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Kritik ist wichtig und hilft dabei, besser zu werden. Wenn Kritik berechtigt ist und konstruktiv vorgetragen wird, nehme ich sie gerne entgegen und erwarte das auch von anderen. Ich bemühe mich, den Grund der Kritik zu verstehen, um über das dahinter liegende Probleme diskutieren zu können. Damit zeige ich meinem Gegenüber, dass ich ihn ernst nehme.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, heisst für mich, dass ich sie beim nächsten Schritt ihrer Entwicklung unterstütze. Dabei gibt es keine allgemeingültigen Rezepte. Die einen brauchen eher fachliche Unterstützung, andere wiederum profitieren von neuen Aufgaben und Herausforderungen. Die meisten brauchen etwas Coaching oder Anregungen, wie man eine Strategie oder einen Lösungsweg nochmal überdenkt.

Darf ein Chef oder eine Chefin auch Schwächen zeigen? Warum?

Selbstverständlich. Niemand ist perfekt, und wir alle haben Schwächen. Von einer Chefin oder einem Chef darf man jedoch erwarten, dass er sich seiner Schwächen bewusst ist und daran arbeitet, diese zu verbessern. Das gilt aber auf jeder Stufe.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?

In der Schweiz ist die Bauwirtschaft weiterhin in guter Verfassung. Die Auftragslage ist weiter sehr gut. Megatrends wie die Urbanisierung oder Infrastruktur werden auch in Zukunft die Baubranche stützen. Im Infrastrukturbereich bleibt die Nachfrage nach Bauleistungen dank den gesunden Haushalten der öffentlichen Hand sowie dem Fonds zur Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi) oder dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF) hoch. Der Hochbau flacht derweil etwas ab, allerdings müssen viele Gebäude renoviert werden, was für uns wiederum Möglichkeiten bietet. Die Fundamentaldaten sind weiterhin intakt.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Die Digitalisierung ist klar eine Chance. Sie erlaubt es unserer Branche, ihre Produktivität zu erhöhen, und das haben wir nötig. Digitale Tools helfen dabei, besser zu planen und auch besser mit unseren Kunden zu kommunizieren. Datengestützte Entscheidungen werden immer wichtiger und ermöglichen es, langfristig bessere Entscheidungen zu treffen.

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?

An der Bauchbranche gefällt mir, dass etwas ganz Konkretes entsteht. Unsere Mission ist es, mit und für Menschen nachhaltig Immobilien zu entwickeln sowie Gebäude und Infrastruktur zu bauen, um deren Bedürfnisse an modernes Wohnen, Arbeiten und Reisen zu erfüllen. Das ist doch wirklich eine schöne Aufgabe.

Welche Fähigkeiten möchten Sie besitzen?

Ich hätte gerne die Fähigkeit, Zeit zu produzieren. Zu oft haben wir zu wenig Zeit. Ein Weg ist natürlich, einfach effizienter zu werden und damit mehr Zeit zu haben. Daran arbeiten wir kräftig. Ich würde die gewonnene Zeit nutzen, um mit Kollegen spannende neue Konzepte zu entwickeln und Zeit mit unseren Kunden zu verbringen, um ihre Arbeit und Herausforderungen noch besser zu verstehen.

Wie bringen Sie Beruf und Privatleben unter einen Hut?

Wir sind eine fünfköpfige Familie, und alle helfen zu Hause fleissig mit. Dazu leisten wir uns etwas Unterstützung bei der Hausarbeit. Für Soziales ausserhalb der Familie bleibt nicht viel Zeit, man kann nicht alles haben.

Wo können Sie wirklich abschalten?

Mit meiner Familie im Stall bei den Pferden, in den Bergen, wenn wir joggen, wandern oder Skitouren machen. (stg)

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf aus wählen und schriftlich beantworten können.