Arbeitszeiterfassung: Wie wirken sich die neuen Vorschriften aus?

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Arbeitszeiterfassung wirkt sich kaum aus

Wer seine Arbeitszeit nicht oder vereinfacht erfasst, arbeitet zwar häufiger abends oder am Wochenende als diejenigen, die ihre Arbeitszeit systematisch festhalten. Aber der Gesundheitszustand ist weder schlechter und noch kommt Stress häufiger vor. Zu diesem Schluss kommt eine von der Universität Genf im Auftrag des Seco erstellte Studie zu gesundheitlichen Auswirkungen der 2016 in Kraft getretenen Vorschriften zur Arbeitszeiterfassung.

Stechuhr
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Wie die Arbeitszeit und ob sie überhaupt erfasst wird, hat der aktuellen Studie zufolge, wenig Einfluss auf das Wohlbefinden von Angestellten.

Seit über drei Jahren erlauben gewisse Bestimmungen zum Arbeitsgesetz Arbeitnehmern, die bestimmte Anforderungen erfüllen, die Arbeitszeit nicht oder lediglich vereinfacht zu erfassen. Ende 2017 entschied die Eidgenössische Arbeitskommission im Rahmen einer Studie zu überprüfen, wie diese Ausnahmeregelungen in den Unternehmen umgesetzt werden und wie sie sich vor allem auf den Gesundheitszustand der Arbeitnehmer auswirken. Dazu hat das Seco die Universität Genf mit einer entsprechenden Studie beauftragt.

Über 45-Stunden-Woche ohne Erfassung

Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt laut Studie für Arbeitnehmer, die auf Arbeitszeiterfassung verzichten, 45,6 Stunden pro Woche. Wer die Arbeitszeit vereinfacht erfasst arbeitet im Schnitt 41,8 Stunden pro Woche und wer sie systematisch erfasst 39,6 Stunden pro Woche.

Bei denjenigen, die die Arbeitszeit nicht erfassen, finden sich auch die meisten Personen, die über 55 Stunden pro Woche arbeiten, ihr Anteil ist hier mit 11.7 Prozent am grössten. Bei denjenigen, die vereinfacht erfassen, sind es 3,4 Prozent und bei denjenigen, die systematisch erfassen, nur 1,3 Prozent. Ähnliches gilt für Arbeit zu unüblichen Zeiten. Wer auf Arbeitszeiterfassung verzichtet ist häufiger betroffen als die anderen beiden Gruppen: Bei Abendarbeit sind dies 60 Prozent der Arbeitnehmer, die auf Arbeitszeiterfassung verzichten, bei für die Samstagsarbeit sind es 79,2 Prozent und bei Sonntagsarbeit 59,2 Prozent.

Studie

Für die Studie hat das Team der Universität Genf. Für die Studie sind 2013 Arbeitnehmer aus acht Unternehmen befragt worden, die in verschiedenen Branchen tätig sind (Versicherungen, Telekommunikation, Industrie und Detailhandel). Aus dem Bankensektor habe kein Unternehmen an der Studie teilnehmen wollen, heisst es in der Medienmitteilung der Seco. Dies, obwohl gerade diese Branche sehr häufig von den im Arbeitsgesetz vorgesehenen Ausnahmeregelungen Gebrauch gemacht werde. Die Studie ist seit Frühling 2018 gelaufen. (mgt)

Kein Zusammenhang zwischen Stress und Arbeitszeiterfassung

Ein  direkter Zusammenhang zwischen der Art der Arbeitszeiterfassung und einem hohen Stressrisiko besteht laut Studie nicht. Bietet ein Unternehmen aber seinen Mitarbeitern keine entsprechenden Begleitmassnahmen und sind die Arbeitnehmer mit Art der Arbeitszeiterfassung unzufrieden, erhöht sich jedoch das Stressniveau. Dies gilt gemäss Studie vor allem  für Personen, die ihre Arbeit entweder nicht oder nur vereinfacht erfassen und sich eine systematische Arbeitszeiterfassung wünschen. Wenn die Arbeitnehmenden die Art der Arbeitszeiterfassung selbst wählen könnten und wenn in einem Unternehmen wie gesetzlich gefordert Begleitmassnahmen existierten, scheine dies eine gewisse Schutzwirkung zu entfalten, heisst es in der Medienmitteilung weiter.

Zudem stellten die Studienautoren fest, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie insgesamt als gut eingestuft. Wer auf die Arbeitszeiterfassung verzichtet, scheine damit jedoch eher Schwierigkeiten zu haben. Das gelte, wenn auch in geringerem Masse, ebenfalls für die Personen mit vereinfachter Zeiterfassung im Vergleich zu den Arbeitnehmern, die ihre Arbeitszeit systematisch erfassten.

Komplexe Zusammenhänge erschweren Schlussfolgerungen

Definitive Schlussfolgerungen wollen die Studienautoren bezüglich Zusammenhängen zwischen Arbeitszeiterfassung und Gesundheitszustand nicht ziehen. Es seien keine kurzfristigen Auswirkungen aufgezeigt worden. Allerdings halten sie fest, dass indirekte oder längerfristige Auswirkungen durchaus möglich sind. (mai/mgt)