Wildtierbrücken für Tierschutz: Sicherer Weg für Bambi und Co.

Teaserbild-Quelle: Stefan Suter. Wild Life Solutions

Bahnlinien und Strassen zerschneiden die Streifgebiete des Wildes und die Wildtierkorridore. Sie gefährden ganze Populationen, die vom Genaustausch und attraktiven Lebensräumen durch unüberwindliche Barrieren getrennt sind. Wildtierbrücken müssen Ausgleich schaffen.

Die zerschnittenen Streifgebiete sind nicht nur ein Problem für die Biodiversität – sie schaffen auch für den Menschen handfeste Risiken. Allein im Jahr 2015 starben 20 000 grössere Wildtiere vom Fuchs bis zum Hirsch im Strassenverkehr. Sechzig Personen wurden bei diesen Wildunfällen verletzt. Allein der Sachschaden beträgt alljährlich über 25 Millionen Franken, hat das Bundesamt für Strassen Astra, errechnet.

Das ist der Preis, den die Schweiz dafür zahlt, eines der dichtesten Verkehrsnetze Europas zu besitzen. Es durchtrennt die traditionellen Wanderrouten der Wildtiere immer weiter. Erst langsam wächst das Bewusstsein, dass unser Verkehrsnetz für das Wild wieder durchgängig gemacht werden muss.

Wenn die Korridore in der Planung der Verkehrswege keine Berück­sichtigung fanden, müssen im Nachhinein Wildtierbrücken mit viel Aufwand errichtet werden. Die Umtriebe wären deutlich geringer, wenn man sie von Anfang an mit eingeplant und budgetiert hätte.

Ausbau erfolgt schleppend

Es gibt viel zu tun: In der Schweiz sind knapp über 300 Wildtierkorridore von überregionaler Bedeutung dokumentiert. Diese Korridore sind wichtig, damit ein Genaustausch zwischen den Populationen stattfinden kann. 42 der überregional wichtigen Korridore, das sind 15 Prozent, sind weitgehend unterbrochen und somit für die Tiere nicht mehr nutzbar. 58 Prozent oder 178 Korridore sind nennenswert bis stark beeinträchtigt und nur knapp ein Drittel ist noch intakt (Stand 2018).

Es braucht also massive Massnahmen. 2003 wurde festgelegt, dass vierzig durch die Nationalstrassen zerschnittene Korridore mit Querungsbauwerken wieder durchlässig machen sollen. Fünfzehn Jahre später, Ende 2018, waren nur magere acht realisiert und zwei in der Ausführung.

Den schleppenden Ausbau begründete Marguerite Trocmé vom Bundesamt für Strassen Astra an der Fachtagung «Wildtierkorridore», die Naturschutzorganisation Pro Natura in Bern organisiert hat, so: «Damit diese Projekte von der Bevölkerung akzeptiert werden ist es wichtig, den Verkehr flüssig zu halten. Daher wird der Bau in die Unterhaltsprogramme der Nationalstrassen integriert. So muss der Verkehrsfluss auf der gleiche Strecke nicht mehrmals behindert werden.»

Zudem handle es sich meist um komplexe Projekte. Die Sicherung der Zuleitstrukturen sei oft schwieriger sicherzustellen als die Errichtung der Bauwerke selbst, da sie von vielen Partner abhängig seien.

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